Vorbei mit dem Tango-Luderleben

Tango, das war für mich Tanzen mit vielen verschiedenen Partnern (und manchmal auch Partnerinnen) auf vielen verschiedenen Milongas. Das war auch Lernen, Üben und Unterricht nehmen in immer wieder neuen Konstellationen. Nein, Konstanz im Paar war nun wirklich nicht meine Sache. Natürlich gab es einige Tanzpartner mit Dauerkarte, mit denen ich immer wieder gern tanzte. Doch ich war stets auch neugierig auf das Neue, das Unbekannte, das mal schöne und mal weniger schöne Überraschungen mit sich brachte.

Tango, das war für mich auch eng verbunden mit Reisen. Zeitweise einmal im Monat war ich für ein Wochenende in Istanbul, Budapest, Athen oder Warschau und tanzte dort, bis meine Füße mich fast nicht mehr trugen. In der Regel reiste ich allein. Denn wer wird schon Eulen nach Athen tragen. Manchmal begleitete mich auch eine gute Tangofreundin als seelische Unterstützung für die Abende, an denen irgendeine unsichtbare Wand zwischen mir und den potenziellen Tanzpartnern stand. Oh ja, auch die gab es natürlich. Doch meistens funktionierte das Spiel des Cabeceo ganz gut. Ich tat ja auch viel dafür und hatte meine Freude dabei: glitzernde Schuhe, bunte Kleider, Frisuren und Make-up.

Ich genoss es, wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte, von Stadt zu Stadt, von Milonga zu Milonga oder Tango-Event zu Tango-Event zu flattern und mich mal hier und mal dort niederzulassen.

Doch dann kam Corona….und es war vorbei mit meinem Tango-Luderleben. Von heute auf morgen.

Nur um das klar zu sagen: Die von manchen vertretene und gelebte Mir-doch-egal-Haltung à la „Ich fühle mich fit und jung und mache sowieso was ich will. Corona hin oder her, hauptsache ich habe Spaß.“ entspricht mir einfach nicht.

Feste Tanzpartnerschaften wurden zum Gebot der Stunde. Klares Committment. Tango-Monogamie. Mit einem Partner in die Tiefe gehen, statt mit vielen in die Weite, hieß es. Milongas mit festen Plätzen, festen Paaren. Der Cabeceo obsolet. Mein Schmetterling gefangen im goldenen Käfig. Auch der soziale Aspekt auf den Milongas bekam eine neue Note. Plötzlich treffe ich hier nicht mehr all meine Tango-Freunde, denn die Teilnehmerzahl ist streng begrenzt. Der Plausch am Rande der Tanzfläche nur mit Abstand und Maske. Das Tango-Spiel bekam neue Regeln, ganz unvermittelt. Ist das noch mein Tango, fragte ich mich? Ist das noch der Tango, den ich liebe, den ich kenne, den ich tanzen möchte?

Natürlich hatte „das Neue“ auch sein Gutes: Platz auf der Tanzfläche, keine Angst vor Querschlägen, die Aufmerksamkeit der Lehrer:innen in den Kursen, vermehrtes Üben und Tanzen zuhause ohne Anfahrtswege und Eintritt. Auch das Aufbrezeln entfiel, denn der Tanzpartner war mir ja sicher, Anlocken überflüssig.

Und doch…. so richtig fand ich mich nicht wieder in diesem anderen Tango. Meiner war es nicht.

5 Kommentare zu „Vorbei mit dem Tango-Luderleben

Gib deinen ab

  1. Liebe Laura, mit wehem Herzen lese ich Deinen Beitrag. Auch ich kann mich da wiederfinden. Ich habe seit März nur einmal getanzt, nach 20 Jahren vollem Tango Engagement, mein berufliches, wie privates Leben war vom Tango geprägt. Doch ich bin mir sichee, es kommt der Tag, wo wir alle wieder tanzen. Sicher wird es neu und anders sein. Manchmal muss man was loslassen, um es wieder zu entdecken. Wir alle ändern uns, unsere Prioritäten, Werte werden neu arrangiert. Wie Du sagst, es geht in die Tiefe. Das hat mir bei der Art von „Tango Luderleben“ – was wir wohl alle kennen, gefehlt…

    Gefällt mir

  2. Liebe Laura. Stimmt. Nicht mehr die tanzpartner zu wechseln so wie früher. Das ist schon etwas ganz anderes als vorher, da hast Du völlig recht. Für mich ist tango ohne das übliche Wechselformat und mit Mini Milongas auch kein richtiger tango. Für uns alle, die wir tango lieben und schätzen sind diese Zeit eine grosse Last und ein Vakuum, das es zu füllen gilt mit anderen Dingen die glücklich machen. Ein Luderleben der tango, ja so kann man es sehen, aber vielleicht auch nicht. Denn viele haben ja schon regelmässig Leute, mit denen sie am liebsten getanzt haben, nicht ? Und ist tango auch viel mehr….ein Ort..des Verzauberns und Verzaubertwerdens, der Verlockung, der Vielfalt, der Überraschung, der Liebe, des Abschieds, des Neubeginns und der Freude. (So wie in meinem Buch „tangomaniac“ geschrieben). Lasst uns zuversichtlich sein. Der tango wird mit seiner alten Vielfalt zurückkommen und dann werden wir uns an diese grauen Zeiten kaum noch erinnern. Gut, dass die Impfungen erfolgen können. Nun heisst es abwarten .. selber zuhause mal einen tango auflegen oder einen rock n roll.. boogie.. oder was auch immer und dann sich selber zuhause gute Laune ertanzen. Ich bemerke, dass ich das mache und es mir dann besser geht.. genauso wie ich angefangen habe online Sport zu machen. Machen wir das Beste aus dem Jahreswechsel 2020/2021… schicken wir unsere Energie in andere Kunstformate.. Schreiben.. Malen… Musizieren und … lernen wir neue Leute kennen oder führen intensivere Gespräche mit anderen.. weil wir merken…tango wir wir ihn kannten und das leben an sich sind nicht selbstverständlich.. sondern ein geschenk… und endlich. Liebe Grüsse und trotz aller Einschränkungen ein schönes Fest! Michele Lugetti

    Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu Michele Lugetti Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: