Milongatypen #17: Der Selbstverliebte

Es ist ganz einfach: Am liebsten würde er mit sich selbst tanzen, also nicht alleine, sondern er selbst mal zwei. Doch da das nun mal (noch) nicht geht, führt er eben schweren Herzens die ein oder andere Dame auf’s Parkett. Eher als Alibi, um sich selbst zu präsentieren, wenn er ganz ehrlich ist. Das verrät er natürlich niemandem. Während des Tanzes blickt er in die Runde, um zu sehen, wer ihm zuguckt. Doch weil das Publikum auf einer Milonga eher spärlich ist, schaut er sich schließlich einfach selbst zu. Am liebsten mag er Milongas mit Spiegel, da sieht er noch mehr von seiner Kunst, besonders wenn er den Kopf dafür in alle Richtungen dreht und reckt. Was er dann auch voller Enthusiasmus tut.

Er erobert sich auch gern einen Platz in der Mitte der Tanzfläche, wo viel Raum für große Bewegungen ist. Auch nach Schlussposen ist er ganz verrückt. Dass der Applaus ausbleibt, versetzt ihm jedes Mal einen kleinen Stich ins Herz. Alles Banausen.

Ja, er ist rundum verliebt in seinen Tanz, kann den Blick einfach nicht abwenden von seinen Füßen und seinen Bewegungen. Wenn er ganz ehrlich ist: Was er vollbringt, kann ohnhin kein anderer wirklich würdigen. Seine Tanzpartnerinnen vergisst er dabei schon mal gänzlich – außer natürlich, wenn sie ihm unerhörter Weise im Sichtfeld stehen. Während er gewagt und flink seine Beine schmeißt, dreht sie Runde um Runde im Kreis um ihn herum. Am liebsten schaut er sich dabei auch noch selbst auf die Füße, wäre ja zu schade, wenn seine Künststückchen gänzlich ungesehen blieben.

Die Gleichung ist ganz einfach: Wenn sie ihn möglichst wenig stört, ist er glücklich. Wenn sie gar nicht stört, probiert er auch mal Neues, Gewagtes und hat seine wahre Freude daran. Sie vermutlich nicht, denn da zieht und zerrt er dann an ihr, platziert den Gancho knapp daneben und trifft sie mit dem Fuß. Da muss sie durch. Immerhin kann sie jetzt sicher sein, dass sie auch wahrgenommen wird und das kann nun wirklich nicht jede seiner Tanzpartnerinnen behaupten.

Naja und die Musik… Wer sind schon Pugliese, D’Arienzo und Di Sarli gemessen an ihm? Ob’s passt oder nicht, entscheidend ist, dass er’s kann und dass er’s zeigt. Musik braucht er dafür eigentlich nicht.
Eines Tages wird jemand erkennen, welch ein Superstar er ist. Bis dahin bleibt er eben selbst sein größter Fan und ist sich dabei ganz sicher: Irgendwann werden sie verstehen und dann erhält er endlich, endlich die Ehre, die ihm gebührt.

PS: Ich meine gehört und eventuell auch beobachtet zu haben, dass es dieses Exemplar so oder so ähnlich auch bei den Damen gibt…

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