Milongatypen #15: Die Formalisten

Bevor sie wirklich Tango tanzen können, haben sie alle Milonga-Regeln bereits inhaliert und auswendig gelernt. Sie wissen, wie der Cabeceo funktioniert, dass man nur eine Tanda am Stück tanzt, während der Cortina die Tanzfläche räumt, dass man sowieso nicht jede Tanda tanzt und dass man als Herr Jackett trägt und dabei den unteren Knopf offenlässt.

Man könnte meinen, diese Regeln geben ihnen Sicherheit in einer Welt, die sie noch erkunden, in der sie sich noch fremd fühlen. Doch nicht wenige dieser Exemplare bleiben auf ihrem Formalismus hängen, lösen sich nie davon, krallen sich ihr ganzes Tangoleben an Formen und Regeln fest. Egal, ob diese in einer konkreten Situation Sinn machen oder nicht. Wer die Regeln nicht einhält, ist bei ihnen untendurch – egal wie gut und wie lange er oder sie schon tanzt. Ein*e echte*r Tanguer@ kann das in ihren Augen nicht sein.

Statt „Form follows Function“ heißt es bei ihnen „Function follows Form“. Manche dieser Exemplare können sich herrlich über die Verrohung der Tangositten aufregen oder darüber, dass die Europäer das mit der Tangokultur eben einfach nicht draufhaben und wahrscheinlich auch nie lernen werden – dabei sind sie selbst oft Europäer, doch das nur am Rande.

Damit die guten Sitten nicht ganz baden gehen, sind sie da – zum Glück. Macht ihnen das Tanzen eigentlich Spaß? Man weiß es nicht so recht. Doch als Sittenpolizei haben sie ihre wahre Freude.

3 Kommentare zu „Milongatypen #15: Die Formalisten

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