Milonga-Typen #13: Das Doppelpack

Sie kommen zusammen und gehen zusammen – naja, sie sind eben auch zusammen. Echte Paare im Tango und im Leben. Ja, die gibt es tatsächlich, auch dauerhaft.

„Wie praktisch“, denken sich da manche fast ein bisschen neidisch, „die haben ihre Tanzpartner immer dabei. Kein Sitzen, kein Warten, kein verzweifeltes Cabeceoen.“

„Wie langweilig“, sagen andere, „immer mit dem*r Gleichen tanzen, wo bleibt denn da der Fun-Faktor?“

Manche von diesen Doppelpacks tanzen tatsächlich fast ausschließlich miteinander, andere mischen sich – zumindest vor Corona – mehr unter’s Volk. Oft sieht man sie auch auf Milongas heimlich ein bisschen üben oder zumindest proben, teilweise tanzen sie sogar mit Rollenwechsel.

Ihr Tanz ist so gut aufeinander abgestimmt, dass sie vermutlich nur an den nächsten Schritt denken müssen und schon weiß der*die andere, was kommt. Die Aufforderung zum Tanze entbehrt bei solch eingespielten Tandems meist jeglicher Romantik. „Wollen wir nochmal eine Runde?“, heißt es da oder der*die eine nimmt einfach wortlos die Hand des*r anderen. „Los gehts“, bedeutet das. Nicht immer passiert das am Beginn der Tanda, manchmal auch einfach zwischendrin und nicht immer tanzen sie die Tanda zu Ende. Doch was soll’s. Wenn die gemeinsam getanzten Minuten in Richtung Unendlichkeit gehen, kommt es auf den einen oder anderen Tango schließlich auch nicht mehr an und die Codigos können sie getrost einfach Codigos sein lassen.

Zugegeben, die richtige Begeisterung sieht man ihnen beim Zuschauen oft nicht an, eher Routine, Sicherheit und blindes Verständnis. Ich frage mich ab und an tatsächlich, ob ich persönlich mit solch einer Tangopartnerschaft glücklich wäre. Doch ich vermute die, die das leben, sind es wohl, sonst würden sie es nicht tun.

Und so tanzen sie weiter gemeinsam durch’s Leben und durch die Milongas, verfeinern um Millimeter ihre Fußstellung und um Millisekunden ihr Timing beim gefühlt 1.000 Durchgang einer Figur. Sie stellen sich tapfer den besonderen Herausforderungen in Frustphasen im Tango und in der Partnerschaft und bleiben „einfach“ zusammen, komme was wolle.

So mancher Beobachter fragt sich weiter: „Wie können sie nur?“, andere hingegen denken: „Ich will auch!“

3 Kommentare zu „Milonga-Typen #13: Das Doppelpack

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  1. Vielleicht sind sie auch zu schüchtern oder ängstlich, sich dem Risiko auszusetzen. Das Verlassen der Komfortzone ist nicht für jeden einfach. Ich respektiere das und wünsche mir dennoch etwas mehr Offenheit. Ich bin fest davon überzeugt, davon würde alle profitieren.

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  2. Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee ist über „Milonga-Typen“ zu schreiben, die man offensichtlich nicht kennt oder mit denen man noch nie gesprochen hat. Ich und meine Frau bilden so ein „Doppelpack“ und wir kennen naturgemäß viele andere Tangopaare. Praktisch alle, wie auch wir, wechseln regelmäßig Tanzpartner (während 90% der Tandas). Natürlich lernt man regelmäßig zusammen in Workshops, aber das perfektionieren des gemeinsamen Tanzes ist nicht das Ziel, sonst würde man ja Standard tanzen. Mit dem eigenen Partner tanzen wenn man sonst nicht zum Tanzen kommt ist kein Ersatz! Das zählt einfach nicht. Natürlich sind die ersten ein bis drei Tandas und die Cumparsita für den eigenen Partner reserviert. Dazwischen vielleicht mal eine Milonga oder ein Vals. Miteinander kann man auch zu Hause tanzen. Ansonsten kann so eine Tangopartnerschaft nur funktionieren, wenn man ungefähr gleich gut und gleich gern tanzt. Wenn nicht, entwickelt der Tango eine unglaubliche Sprengkraft für die Beziehung.

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    1. Nun, dann habe ich wohl nicht über Dich und Deine Frau geschrieben, sondern über andere „Doppelpacks“, wirklich untrennbare „Doppelpacks“, die fast ausschließlich miteinander tanzen. Und ja, ich kenne solche und habe auch schon mit ihnen gesprochen.

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