Vertanzt

Bittersüße Milonga-Erinnerungen…


Mit schnellen Schritten läuft sie nach der Tanda von der Tanzfläche. Mit fast übertriebenem Schwung lässt sich sich auf den Stuhl neben mir fallen. Der Abend ist noch jung, die Milonga höchstens fünf Tandas alt und sie schon auf 180.

„Vertanzt“, sagt sie mit atemloser Stimme und schüttelt den Kopf. „Er hat mich vertanzt. Der Abend ist gelaufen. Ich kann eigentlich nach Hause gehen“, echauffiert sie sich. Ich schaue sie verständnislos an.

Die erste Tanda bilde schließlich die Grundlage für den Abend, erklärt sie mir. Sei die erste Tanda so schlecht wie diese, die sie gerade gehabt habe, sei alles verloren. Da gebe es einfach keinen Ausweg mehr, es sei nichts mehr zu machen. Zumnindest für heute. Sie werde heute keine tänzerischen Genüsse mehr erleben und auch keine Höchstleistungen erbringen. Sie könne wahlweise heim gehen, sich betrinken oder sich in der hintersten Ecke verkrümeln und Tango TV auf der Tanzfläche schauen.

„Wie schade“, erwidere ich, und ob sie es nicht doch noch einmal versuchen möchte? Sie könne sich ja einen Tänzer aussuchen, den sie mag und mit dem sie gern tanzt.

Doch sie bleibt hart. „Es hat keinen Sinn, ich habe es schon so oft versucht. Vertanzt ist vertanzt. Da ist nichts zu machen. Der Typ kommt auf meine rote Liste und ich gehe jetzt nach Hause.“ Mit diesem Satz erhebt sie sich ruckartig, nimmt ihre Tasche, dreht sich um und geht.

Ein Kommentar zu „Vertanzt

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: