„Wie soll ich über Tango schreiben ohne ihn zu tanzen?“

Thomas Kröter
Quelle: Privat

Gastartikel im Rahmen der „Tango in my Heart“-Reihe von Thomas Kröter, Blogger auf seinem Tango-Blog mYlonga.

Wochen vor dem Corona-Shutdown hab‘ ich meinen verstaubten Heimtrainer hervorgeholt. An jedem Tag ohne Tango mindestens fünf Kilometer lautete mein Ziel. Inzwischen strampele ich 20 bis 30 Kilometer. Täglich.

Kurz nach der Fitness-Initiation hab‘ ich begonnen, mich intensiver mit Carlos Gardel zu beschäftigen – für einen Artikel in meinem Blog über den größten Sänger des Tango. Von ihm haben alle Größen der Epoca d’Oro auf die ein oder andere Weise gelernt. Er hat mehr als 1.000 Aufnahmen hinterlassen.

Geistig wie körperlich bin ich also gerüstet für die tanzlose Zeit.

Dachte ich…

Doch ich vermisse den Tango mehr als ich mir je vorstellen konnte. Wie oft hab‘ ich geschimpft, weil mir die Musik in einer Milonga nicht gefallen hat. Wie oft hat mir beim Cabeceo der Zweifel die Laune verdorben: Hat sie mich nicht gesehen oder will sie mich nicht sehen? Vergessen.

Lieber das abgenudeltste Stück, lieber der arroganteste Weg-Blick als diese Abwesenheit von Tango… Daran ändern auch die bestgemeinten Versuche nichts, uns mit virtuellen Placebos zu erfreuen.

Sicher, da gibt es tolle Konzerte von Musikern, die ich mag. Eine Netz-Milonga hat meine Frau und mich sogar zum Wohnzimmer-Tango animiert.

Doch Tango ist ein „social dance“. Ich brauche die Begegnung mit fremden PartnerInnen. Vom Ballroom-Dancing hab ich mich nicht zuletzt wegen der vorherrschenden „Monogamie“ abgewandt. Tänzerische Promiskuität aber, zumal in enger Umarmung, ist auf unabsehbare Zeit abgesagt.

Sicher, ein wenig Training täte meinen eingefahrenen tänzerischen Fähigkeiten gut. Doch immer nur Fahrschule, ohne Eintauchen ins Leben des Straßenverkehrs?

Ich liebe den Tango wegen der Vielfalt seiner Musik. Und ihrer Intensität. Er gibt mir die Möglichkeit, mich auszudrücken, zu kommunizieren ohne ein Wort. Das geht nur mit real existierenden Menschen, nicht mit Abbildern auf noch so hoch auflösenden Displays.

Und mein Blog? Stockt… Wie soll ich über Tango schreiben ohne ihn zu tanzen?

Vielen Dank für Deine Gedanken zur Tango-Pause, lieber Thomas.

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