„Wir freuen uns am meisten darauf, wieder live spielen zu können.“

Duna Rolando, Sängerin und Malerin, und Gabriel Battaglia, Musiker, insbesondere Gitarrist. Beide kommen aus Argentinien und leben seit etwa 30 Jahren in Deutschland – in Berlin ist Gabriel seit 13 Jahren, Duna schon seit 23 Jahren. Zusammen sind sie „Dos Almas“ und spielen Tangos.

Duna Rolando
Foto: Nestor Barbitta
Gabriel Battaglia
Foto: Nestor Barbitta

Was bedeutet Tango für Euch?

Duna: Tango bedeutet für mich „Zuhause“, aber das Zuhause meiner Kindheit. Denn ich bin schon sehr jung nach Europa gekommen. Bei der Familie meines Vaters wurde immer Tango gehört und getanzt. Es gab große Geburtstagsfeiern, laut und lustig. Alle haben sich sehr amüsiert und sie haben viel Tango getanzt. Als Kind bin ich auf die Füße meines Vaters gestiegen um mitzutanzen. Tango ist für mich die Sehnsucht nach dieser glücklichen Zeit, obwohl der Tango an sich überhaupt nicht glücklich ist. Aber für mich ist er die Sehnsucht nach der Zeit, in der ich glücklich war.

Gabriel: Tango ist die Musik meiner Stadt, ich habe 22 Jahre in Buenos Aires gewohnt. Ich habe mit alten Tangomusikern gespielt, die schon lange nicht mehr leben. Tango ist für mich auch viel Geschichte. Ich habe den Tango zuhause kennengelernt – nicht viele lernen ihn zuhause – und ich habe schon in meiner Kindheit zusammen mit meinem Onkel Tangos gespielt und gesungen. Später habe ich Jazz gelernt und Free Jazz, in Verbindung mit traditionellen argentinischen Rhythmen, wo die freie Improvisation das Hauptziel war. Zum Tango bin ich wieder zurückkehrt, als ich hier in Deutschland war, weil ich mein Land so sehr vermisst habe. Wenn ich Tango gespielt habe, war ich zuhause.

Wie erlebt Ihr diese Zeit im Moment, diese Pause?

Gabriel: Die Pause erlebe ich mit viel Ruhe. Ich sage gerne scherzhaft: „Jetzt habe ich endlich Zeit Gitarre zu lernen.“ Das Leben als Musiker ist auch anstrengend. Man ist immer auf Tour und es ist nicht einfach, auch wenn es mir natürlich Spaß macht. Diese Pause hat etwas Ruhiges, das tut mir persönlich gut. Nicht gut ist natürlich, dass wir diese Pause haben, weil Menschen krank sind.

Duna: Ich erlebe es auch als ruhig. Obwohl ich sehr gerne mit Menschen zusammen bin und mich ausdrücke mit dem Gesang, kann ich diese Ruhe für mich gut nutzen. Ich höre von anderen, die deprimiert werden oder nicht wissen, was sie tun soll. Ich dagegen übe und male ohne Schuldgefühle, dass ich eigentlich etwas anderes machen müsste.

Was wollt Ihr anderen durch den Tango geben?

Duna: Tango singen ist für mich ist eine Art Katharsis. Durch die Texte, die ich aussuche, kann ich meine Gefühle, mein Leben und meine Erfahrungen ausdrücken. Ich zitiere gerne einen brasilianischen Musiker, der gesagt hat: „Ich singe die Texte, die ich nicht schreiben konnte.“ Ich wähle die Texte, die mich sehr berühren und versuche damit, andere zu berühren, das ist mein Ziel. Ich glaube, das ist das Ziel der Kunst insgesamt.

Gabriel: Wenn ich spiele und fühle, was ich spiele, kann ich dieses Gefühl auch in meiner Musik weitergeben. Absolut ehrlich. Für mich ist es schwieriger mich mit Worten auszudrücken als mit der Gitarre, gerade bei tiefen Gefühlen, und ich glaube, die Menschen spüren das und nehmen es gerne an.

Was geben Euch andere Menschen durch den Tango?

Duna: Die Rückmeldungen zur Malerei und zur Musik sind so unterschiedlich. Besonders zeitlich. Wenn man malt, ist man lange allein mit sich beschäftigt und die Rückmeldung kommt irgendwann viel später – heutzutage etwas schneller wegen Social Media. Vor 20 Jahren musste man Ausstellungen machen, um eine Rückmeldung zu bekommen. Alles war sehr verzögert. Mit dem Gesang ist die Rückmeldung unmittelbar. Du spürst sofort, was die anderen fühlen, ob du ankommst, ob du sie bewegen kannst oder nicht. Jedes Mal ist es anders, das ist auch sehr spannend. In jedem Konzert hat man ein neues Erlebnis und macht eine neue Erfahrung

Gabriel: Was wir von den Menschen bekommen, ist viel Liebe und natürlich Applaus, wenn wir spielen. Aber auch Freundschaften, die sich daraus entwickeln. Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum wir das machen. Naja und weil wir Geld damit verdienen, natürlich.

Worauf freut Ihr Euch am meisten nach dieser Pause?

Gabriel: Wenn die Pause vorbei ist, freuen wir uns darauf, Freunde zu treffen, wieder Besuch zu haben, zusammen zu essen. Und natürlich wieder Konzerte zu spielen, die Musik direkt den Menschen zu vermitteln.

Duna: Auf jeden Fall Musik für andere machen zu können. Ich weiß, dass andere das online machen. Für mich ist das nicht das Gleiche. Aufnahmen und das Internet sind für mich kein direkter Kontakt. Ich spüre die Energie der Menschen nicht, die „drüben“, also hinter dem Bildschirm sind. Ich bin eine emotionale Person und ich möchte die Menschen direkt spüren, mit ihnen in einem Raum sein, ihre Energie wahrnehmen. Deshalb freue ich mich am meisten darauf, wieder live spielen zu können.

Wie kann man Euch in der aktuellen Situation unterstützen?

Gabriel: Wenn alles wieder normaler wird, wünsche ich mir, dass die Menschen wieder zu unseren Konzerten kommen, damit unsere Auftritte voll mit Freunden sind. Das könnten wir gebrauchen.

Duna: Eine große Unterstützung wäre, dass meine Bilder verkauft werden. Auf der Seite www.duna-artwork.de sind fast alle meine Gemälde zu sehen. Und die sind auch nicht so teuer wie die meisten vermuten. Für Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

Danke Duna und Gabriel für dieses Interview.

Weitere Informationen und Kontakt zu Duna und Gabriel

Als „Dos Almas“ haben sie übrigens auch eine wunderbare CD aufgenommen.

Das Interview wurde geführt von Laura Knight.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: