»Tango ist die schönste Nebensache der Welt« (Teil 2)

Kerstin und Jörg Buntenbach, Gründer- und Herausgeberpaar des Berliner Magazins »tango-argentino-online.com«

Sie war dabei, als Jörg Buntenbach die erste Homepage »tangoberlin.de« (1999) online stellte, und hat die Entwicklung über »tangokultur.info« (2005) bis zu »tango-argentino-online.com« (2015) begleitet. Kerstin Buntenbach ist die Frau, die als Grafik-Designerin und Werbe-Profi hinter den Kulissen dafür sorgt, dass das Online-Tango-Magazin zuverlässig erscheint.

Kerstin Buntenbach, Foto: Jörg Buntenbach

Nachdem Jörg erwähnt hat, dass er seine Frau beim Tango kennen gelernt hat, wurden wir neugierig und haben Kerstin gebeten, von der Nacht zu erzählen, die ihr Leben für immer mit dem Tango verbunden hat.

Wir haben uns im Fliegenden Theater am Südstern kennengelernt. Zu Zeiten, als man noch nicht jeden Abend Tango tanzen konnte, haben Stephan Wiesner und Ulrike Schladebach (bekannt unter dem Namen Stravaganza) hier eine Milonga organisiert. Es war ein warmer Sommerabend, und wir sind uns sozusagen über den Weg getanzt. Jörg war ein sehr begehrter Tänzer, der normalerweise niemanden aufforderte, sondern sich auffordern ließ. Doch mich hat er aufgefordert. Wir haben eine Stunde am Stück getanzt, bis wir total durchgeschwitzt waren bei dem warmen Wetter. Dann hat er mich gefragt, ob wir uns wieder verabreden können, außerhalb vom Tango.

Wie war es für dich, dich in einen Tangotänzer zu verlieben, der auch viele andere Frauen kannte, mit ihnen tanzte und gut hofiert wurde?

Am Anfang war ich unsicher, wie ernst ich das nehmen kann. Bin ich nur eine der vielen Frauen, von denen er sich auffordern lässt? Da er selbst als Tango-DJ Milongas organisierte, war er bekannt wie ein bunter Hund. Auch sein unter Tangotänzern damals eher seltenes jugendliches Alter (er war gerade mal dreißig) kam bei den Frauen gut an. Zudem wurde ich von anderen gewarnt vor diesem »Hallodri«. Doch er hat mich davon überzeugt, dass er genau mich meint. Seither sind über dreiundzwanzig Jahre vergangen, davon sind wir zweiundzwanzig Jahre verheiratet.

Es heißt, Paare lernen sich entweder im Tango kennen und hören dann auf, Tango zu tanzen, oder sie tanzen Tango und trennen sich dann. Habt ihr euch bewusst dafür entschieden, den Tango eine Zeitlang eher organisatorisch als praktisch zu leben?

Als wir uns kennengelernt haben, sind wir so gut wie jeden Abend Tango tanzen gegangen. Unsere Leidenschaft für das Tangotanzen und die Tangomusik verbindet uns. Als unsere erste Tochter geboren wurde, haben wir noch einige Jahre etwas reduzierter mit Hilfe von Babysittern weiter getanzt. Doch nach der Geburt unserer zweiten Tochter wurde es zunehmend anstrengender, am Tango-Nachtleben teilzunehmen. Unsere Eltern wohnen 500 Kilometer entfernt, wir mussten also immer Babysitter organisieren. Aber auch das späte »Insbettgehen« war nicht so einfach, wenn die Kinder in aller Herrgottsfrühe putzmunter durch die Gegend hüpften. Die Arbeit am Tango-Magazin war für mich immer das Bindeglied zum aktiven Tanzen.

Im neuen Jahr wolltet ihr wieder starten mit dem aktiven Tango, dann kam Corona. Kurz davor habt ihr aber noch einen Workshop gemacht. Wie war das für dich, nach langer Pause?

Ich wusste, eines Tages möchte ich wieder tanzen. Was das Tangolernen anging, gab es bei uns immer eine Schieflage. Als ich Jörg kennengelernt habe, hatte ich nur drei Kurse gemacht und stand sehr wackelig auf meinen Tangobeinen, während er alles mitgenommen hatte, was es zu dieser Zeit an Kursen und Workshops gab. Ich habe zunächst viel von ihm gelernt durch das gemeinsame Tanzen. Nach unserer langen Tanzpause hatte ich die Idee, dass wir Unterricht nehmen und uns gemeinsam weiterentwickeln. Ich habe mich darauf gefreut, viele TänzerInnen, mit denen ich jahrelang nur per E-Mail Kontakt hatte, endlich persönlich (wieder) zu treffen. Im Januar haben wir dann tatsächlich mit einem Kurs, einem Workshop-Wochenende und einem Frauentechnik-Workshop für mich gestartet. Es hat uns beiden total Spaß gemacht und unsere Tangogeister wieder geweckt. Unser neuer Tango-Flow wurde jetzt leider unterbrochen, aber zu Hause läuft viel Tangomusik, die uns durch die Corona-Krise trägt. Wir freuen uns auf die Zeit »danach«, um da mit dem Tango weiter zu machen, wo wir aufgehört haben.

Das Interview führte Lea Martin. Im ersten Teil des Portraits der Herausgeber des Magazins »Tango Argentino Online« hat Jörg Buntenbach die gemeinsame Initiative des Paars zur Vernetzung der Tango-Professionals vorgestellt.

»Das späte Insbettgehen ist nicht so einfach, wenn die Kinder in aller Herrgottsfrühe putzmunter durch die Gegend hüpfen.«

Kerstin Buntenbach, Herausgeberin von »Tango Argentino Online«
www.tango-argentino-online.com

Auf euren Besuch freuen sich das Online-Magazin unter www.tango-argentino-online.com und das im Aufbau befindliche Netzwerk www.tango-argentino-online.com/tango-community, das nicht nur für Profis, sondern für alle eingerichtet wird, die sich rund um Tango austauschen wollen (z.B. können MusikerInnen Auftrittsmöglichkeiten suchen oder VeranstalterInnen solche anbieten). Wer das Online-Magazin unterstützen möchte, kann dies hier tun: https://www.gofundme.com/f/tangoargentinoonlinecom-vs-coronakrise?utm_source=customer&utm_medium=email&utm_campaign=p_cp+share-sheet

Die TangoAppBerlin als mobilen Tangoguide findet ihr unter https://www.tango-argentino-online.com/tango-app-berlin

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