»Tango ist die schönste Nebensache der Welt« (Teil 1)

Kerstin und Jörg Buntenbach, Gründer- und Herausgeberpaar des Berliner Magazins »tango-argentino-online.com«

Wenn er nicht mit Tango beschäftigt ist, sitzt er im Berliner Büro von Greenpeace Energy und kümmert sich um die Geschäftskunden. Das Thema Energiewende ist eine Leidenschaft, die Jörg Buntenbach, Gründer und Herausgeber des Magazins »tango-argentino-online« auch in den Tango trägt. Volle Rückendeckung gibt ihm seine Frau Kerstin, die hinter den Kulissen dafür sorgt, dass das Magazin zuverlässig erscheint.

Kerstin und Jörg Buntenbach, Foto: Malena Buntenbach

Wir haben zunächst Jörg gefragt, wie er die Corona-Krise erlebt.

Es ist surreal, wie Tangoschulen, Tangolehrer, Musiker und alle anderen Tango- Professionals wegen der Corona-Krise um ihre Existenz fürchten. Aber die Szene rückt in dieser Krise auch zusammen. So gesehen, könnte es auch eine Chance für den Tango sein, für uns alle. Als es hieß, alle Tangoschulen und Milongas müssen wegen der Corona-Krise dicht machen, war sehr schnell klar, was das bedeutet. Viele von uns standen plötzlich vor dem Nichts. Also war die Idee, zunächst eine Facebook-Gruppe auf die Beine zu stellen, damit die Tango-Professionals sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen im Umgang mit der Krise austauschen können. Wir wollen über die aktuellen Möglichkeiten und darüber informieren, was die Politik für Selbstständige und Künstler in dieser Ausnahmesituation für die Existenzsicherung plant. Aus dieser Hilfestellung ist eine Art Krisenmanagement geworden. Das Ziel ist ein selbstorganisiertes »Tango-Community-Netzwerk«, ganz unabhängig von Facebook und vielleicht sogar bundesweit.

Erzähl uns bitte kurz etwas von dir. Wie kamst du zum Tango?

Die Musik fasziniert mich, seit 1988 der Film »Sur« mit Musik von Astor Piazzolla in die Kinos kam. Zu tanzen fing ich drei Jahre später an. Damals gab es im Varieté Chamäleon jeden Freitag Tango. Das wußte ich nicht. Ich sah mir die Show vorher an. Allein, mit meinem Glas Rotwein. Nach der Show wurden Tische und Stühle gerückt. Plötzlich wurde Tangomusik gespielt, die ersten Paare fingen an zu tanzen. Das war eine beeindruckende Atmosphäre. Am nächsten Tag habe ich mich zum Kurs angemeldet.

Weshalb habt ihr das »Tango-Argentino-Online«-Magazin gegründet?

Es wurde 1999 unter dem Namen tangoberlin.de gegründet. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen. Mir war klar, dass das zukunftsweisend war, und ich fand spannend zu sehen, wie man tagesaktuelle Informationen über das neue Medium verbreiten kann. Also habe ich einen Tangokalender für Berlin online gestellt, just for fun und mit dem Anspruch, die Tangowelt miteinander zu vernetzen. Mit den Jahren wurde das Portal professioneller, und im Jahr 2005 haben Kerstin und ich entschieden, es als Gewerbe unter dem Namen tangokultur.info anzumelden. Damit haben wir unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht. Im Zuge der technischen Entwicklung haben wir das Magazin 2015 nochmals überarbeitet und in tango-argentino-online.com umbenannt. Kurze Zeit später kam dann ergänzend auch unsere TangoAppBerlin hinzu, unser mobiler Tanguguide. Dass wir damit auch Geld verdienen, ist ein schöner Nebeneffekt. Mit Tango wird man nicht reich. Es ist und bleibt eine Nische, die schönste Nebensache der Welt. Das wollen wir auch unseren Leserinnen und Lesern mitgeben.

Vermisst du die Zeit, in der du selbst eine Milonga veranstaltet hast?

Seit 1993 war ich Tango-DJ in verschiedenen Locations. Von 1996 bis 2006 habe ich dann jeden Sonntag bei der Tangobar im Jazzklub b-flat aufgelegt. In dieser Zeit wurden auch zwei CDs und mein Buch »Tango Metropole Berlin« veröffentlicht. Es war eine schöne Zeit. Manchmal vermisse ich die Sonntagabende im b-flat und grüße an dieser Stelle alle, die damals dabei waren. Mein schönster Tangomoment aber war die Nacht, in der ich Kerstin kennengelernt habe. Wir haben geheiratet und zwei Töchter bekommen. Schöner kann Tango nicht sein.

Braucht Euer Magazin in der aktuellen Situation Unterstützung?

Die Corona-Krise trifft auch uns. Die ersten Anzeigenkunden sind weggebrochen. Aber andere trifft es härter. Deshalb unterstützen wir unbedingt die Spendenaufrufe der Tango-Professionals. Auf unserer Sonderseite listen wir alle Spendenaufrufe im gesamten deutschsprachigen Raum auf, die uns bekannt sind. Neben anderen Themen weisen wir auch auf die virtuellen Milongas und Online-Kurse hin. Für uns wäre es eine große Unterstützung, wenn sich weiterhin viele Leserinnen und Leser bei uns zum Thema Tango Argentino informieren. Wir leben indirekt von den Klicks und wünschen uns, dass die Tangoszene nach der Krise so existent ist wie vor der Krise — oder vielleicht noch vielfältiger. Der Tango lebt.

www.tango-argentino-online.com

Das Interview führte Lea Martin. Im nächsten Teil des Portraits der beiden Herausgeber des »Tango Online Magazins« erzählt Kerstin Buntenbach von der Tango-Nacht, die ihr Leben verändert hat.

Auf euren Besuch freuen sich das Online-Magazin unter www.tango-argentino-online.com und das im Aufbau befindliche Netzwerk www.tango-argentino-online.com/tango-community, das nicht nur für Profis, sondern für alle eingerichtet wird, die sich rund um Tango austauschen wollen (z.B. können MusikerInnen Auftrittsmöglichkeiten suchen oder VeranstalterInnen solche anbieten).

Die TangoAppBerlin als mobilen Tangoguide findet ihr unter https://www.tango-argentino-online.com/tango-app-berlin

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