„Wo auch immer ich bin, Tango-Musik lässt mich zuhause fühlen.“

Lavinia, Sozialtänzerin auf dem Urquiza-Weg

Ich bin seit bald 6 Jahren eingefleischte Sozialtänzerin, vor allem in der Berliner Szene. In meiner Tango-Heimat Urquiza lerne ich fleißig weiter und helfe im Unterricht mit.

Was machst du (normalerweise) für und mit Tango? Was bedeutet Tango für Dich?

Als Wahlberlinerin und Ausländerin im Plan B des Lebens habe ich im Tango eine Ersatzheimat gefunden. Wo auch immer ich bin, Tango-Musik lässt mich zuhause fühlen. Ich weiß nicht warum, da ich familiär keine Verbindung zu diesem Tanz und dieser Musik habe. Es scheint eben wie mit Berlin zu sein: Tango ist der „Ort“, wo alle Tangoliebhaber sich treffen.

In dieser Zeit des Abstands sehe ich für mich die Möglichkeit, die Seiten des Tangos zu pflegen, die nur mit einem selbst und nicht dem Paar zu tun haben. Das heißt für mich persönlich, mich mit meiner Technik-Arbeit vor dem Spiegel zu konfrontieren, was für mich eine seelische Herausforderung ist. Auch über grundsätzliche Fragen denke ich jetzt öfter nach. Wieso gefällt mir ein Stil oder ein Paar besonders? Wie geht es für mich weiter? Was möchte ich wirklich vertiefen?

Das soziale Tanzen fehlt mir, der Tango ist jedoch immer in meinem Kopf. Ich trainiere, höre Musik, lese und unterstütze meine Schule mit dem Online und on Demand Angebot. Ich lerne zu träumen und an neue (Tango-)Projekte zu glauben. Mit vielen Tango Freunden bin ich auch außerhalb der Milonga in Kontakt. 

Wie ist Tango dir begegnet?

Eine zufällige Begegnung mit einem Klassik-Klarinettisten, der mir Piazzolla ans Herz legte. Und nach dem ersten Anfänger-Workshop war es um mich geschehen. Langsam aber sicher stellten sich meine Garderobe, mein Tagesablauf, mein Freundeskreis, meine Urlaubspläne, meine Finanzen usw. nach Tangokriterien um.

Die ersten sechs Monaten waren einfach traumhaft. Alle Tandas wunderschön, alle Milongas gelungen. Wenn ich heute zu kämpfen habe, denke ich gerne über diese Zeit nach. Gleichzeitig glaube ich, der schönste Moment kommt noch. Ich bin ganz am Anfang meines Tango-Wegs.

Was möchtest du anderen durch Tango geben?

Möglichst viele Facetten. Manchmal ist mir das einheitliche Tango Bild (Leidenschaft zwischen Mann und Frau) zu homogen. Ich sehe viel Melancholie, Freude, Freundschaft, manchmal auch Kampf und Herausforderung, Bitterkeit… das was ich als Mensch empfinde, möchte ich auch weitergeben.

Was ist das Schönste, was andere dir durch Tango geben?

Der Wunsch, gemeinsam was Schönes entstehen zu lassen. Für dieses Vertrauen bin ich allen meinen Tanzpartnern sehr dankbar.

Ich finde es erstaunlich wie sehr die Persönlichkeit der Tänzer durch den Tango entblößt wird. Im Guten wie im Schlechten, auf der Bühne und Sozial-Piste. Ich hoffe eines Tages eine betagte Tänzerin zu sein, welche dank des Tangos warmherzig und stolz geworden ist und mit langjährigen Freunden jede Milonga genießen kann.


Worauf freust Du Dich am meisten in der Zeit nach der Corona-Pause?

All das, was selbstverständlich geworden war, wieder mit dem Anfänger-Geist zu begegnen: die Berliner Milongas, die Unterrichtsstunden, das Kleid-Auswählen vorm Ausgehen.

Vielen Dank, Lavinia.

Das Interview führte Laura Knight.

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