»Es hat Jahre gedauert zu akzeptieren, dass ich nicht führen darf«

Gabriele S., Schulleiterin, Politikerin und Tangotänzerin, Brandenburg

Foto: Lea Martin

Tango zu lernen, ist ihr nicht leicht gefallen. Im normalen Leben folgt sie nicht, sondern führt ein Gymnasium mit siebenhundert SchülerInnen. Als ich Gabriele S. zum ersten Mal begegnet bin, fiel mir ihr zuerst ihr Kopf auf, der sich inmitten einer Milonga stolz in die Höhe reckte. Diese aufrechte Haltung zeichnet sie aus, als Schulleiterin und als Kommunal-Politikerin, die sich in der Stadtverordnetenversammlung engagiert. Wir haben Gabriele gefragt, wie es ihr mit der Corona-Tangopause geht.


Noch sind wir alle gesund und bemühen uns, dass es so bleibt. Ich kann zum Glück noch jeden Tag im Büro arbeiten. Meine Familienmitglieder sind alle im Homeoffice. Tango vermisse ich sehr, vor allem die Geselligkeit. Ich höre täglich Tango-Musik, auch im Auto, vor allem liebe ich die wunderbare CD von Pablo und Ludmilla. Tango nimmt eine wichtige Rolle in meinem Leben ein, seit wir in der Lokalzeitung einen Artikel über Tango gelesen haben. Der erste Kurs fand in einem kleinen Raum in Hohen Neuendorf statt. Danach sind wir zu Juan Dietrich Lange nach Berlin in sein Estudio Sudamerica gefahren.

»Meine ersten Tanzstunden waren grauenhaft«

Gabriele S., Schulleiterin, Politikerin und Tangotänzerin

Meine ersten Tanzstunden waren grauenhaft, ich habe mich richtig dämlich angestellt, und es hat Jahre gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass ich nicht führen darf und meine Achse halten muss. Jetzt geht es so halbwegs. Die erste Zeit hatte ich Angst vor Juan, er war nett, aber streng, und wenn ich mit ihm tanzen musste, war es Horror für mich. Es lag aber nicht an ihm, später haben wir viel Spaß in seinem Unterricht gehabt. Wir nähern uns dem Tango seit fast fünf Jahren mit mehr oder weniger großem Erfolg, aber entscheidend ist, dass wir Freude am Tanzen haben. Die schönsten Tangomomente hatte ich in Buenos Aires. Unser Tanzen ist im Vergleich zu den Tangueros dort lausig, aber wir haben viele warmherzige Menschen kennengelernt, und sie haben uns ermutigt, nicht aufzugeben. Jetzt, wo es keine Milongas und keinen Unterricht gibt, üben mein Mann und ich jeden Tag zu Hause oder in der Turnhalle meiner Schule. Das geht recht gut und meistens ohne Streit.

»Tango hat mich Demut gelehrt. Man wird ihn nie richtig lernen.«

Gabriele S., Schulleiterin, Politikerin und Tangotänzerin

Tango hat mein Leben verändert. Ich habe ein neues Körpergefühl. Der Tango hat mich Demut und Geduld gelehrt. Man wird ihn nie richtig lernen. Man muss sich ihm langsam nähern und versuchen, seine Seele zu ergründen. Das ist sehr schwer für Menschen, die nicht mit dieser Kultur aufgewachsen sind. Die Berliner Tangoszene ist herrlich. Am Anfang hatten wir Angst zu tanzen, weil wir fürchteten, ausgelacht zu werden. Das Gegenteil war der Fall. Wir erleben viel Unterstützung und Zuspruch, auch wenn wir höchstwahrscheinlich nie super tanzen werden. Aber das ist auch nicht mehr so wichtig. Viele wichtiger ist die Gemeinschaft. Wir tanzen momentan bei Pablo und Ludmilla und überlegen, wie wir sie unterstützen können.

Das Interview wurde von Lea Martin geführt.

Pablo und Ludmila sind das weltweit erste und einzige Tango-Paar, das nicht nur Tango tanzt, sondern auch als Tango-Duo musiziert (Klavier und Geige). Wer die beiden unterstützen möchte, kauft am besten eine ihrer Tango-CDs.
Informationen über das Tangopaar gibt es hier: http://www.pabloyludmila.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: