»Mir macht es Spaß, den Austausch im Tango zu fördern«

Judith Preuss, Gründerin und Leiterin des Mala Junta, Berlin

Foto: René Löffler

Judith Preuss ist Leiterin des Mala Junta, eine der größten und lebendigsten Tango-Schulen in Berlin, die vor zwanzig Jahren gegründet und von Corona in einen Dornröschen-Schlaf versetzt wurde. In einer Video-Botschaft haben sich alle LehrerInnen bei der Tangoszene für ihre Hilfsbereitschaft in der aktuellen Krise bedankt. Wir haben Judith gefragt, wie es ihr geht, ohne den Tango, mit dem sie täglich lebt.

Wie geht es dir im Moment, in Bezug auf Tango? Was beschäftigt dich?

Ich bin gezwungen, auf das Tanzen zu verzichten. Das ist eine erstmalige Situation. Einzeltraining oder Tangovideos waren nie mein favorisierter Weg. Im Moment habe ich das Gefühl, dass der virtuelle Tango noch nicht »mein« Tango geworden ist. Hoffentlich gibt es bald wieder Tango zum Anfassen und Fühlen, mit allen Sinnen. Da fühle ich mich besser aufgehoben. Normalerweise lebe ich von und mit Tango, jeden Tag. Seit ich vor 29 Jahren angefangen habe, Unterricht zu nehmen, wusste ich, das ist das Richtige für mich, und habe nie wieder damit aufgehört.

Was war dein schönster Tangoment? Oder vielleicht auch dein traurigster?

Judith Preuss und Constantin Rüger
Foto: Mikael Holber

Schöne Momente gab und gibt es viele, sonst wäre ich nicht mehr dabei. Mir gefällt es besonders zu lachen. Bei den ersten Trainingseinheiten mit Constantin Rüger, einem meiner wichtigsten Tangopartner, haben wir oft am Boden gelegen vor Lachen über das, was wir ausprobiert haben und uns zu erzählen hatten.

Ein trauriger Moment, der mir einfällt, war, als ein langjähriges Schülerpaar von uns, dass wir für ihr Miteinander sehr bewundert hatten, plötzlich auseinander gerissen wurde durch seinen plötzlichen Tot. Sie hat es nicht verkraftet und sich später das Leben genommen. Ich verbinde die Erinnerung an dieses Paar sehr stark mit meiner langjährigen Tangozeit.

Was möchtest Du anderen durch deine Tango-Arbeit (mit)geben?

Ich bin weiterhin auf der Suche nach dem, was Tango ist und sein kann. Wir hören nie auf zu lernen. Mir macht es Spaß niemals ganz genau zu wissen, was den Tango nun eigentlich ausmacht, und den Austausch im Tango zu fördern.. Je mehr wir uns mit Tango beschäftigen, um so mehr merken wir darin das Leben, welches in all den Tangoprotagonisten auf der Welt steckt. In meinem Studio bringe ich viele Stile, Altersgruppen und internationale LehrerInnnen zusammen, und dieser Austausch im Tango ist für mich das Besondere, seine Offenheit in alle Richtungen. Niemand sagt, wie es geht und das war’s. Wenn andere nicht von mir hätten lernen wollen, wäre ich wohl nie Lehrerin geworden. Selbst ernannt habe ich mich nie, ich bin da so Schritt für Schritt reingeraten…

Wie kann man euch in der aktuellen Situation unterstützen?

Natürlich am meisten mit dem festen Vorsatz, gleich wieder zum Tango zu kommen, sobald es unsere Gesundheit nicht mehr akut gefährdet. Ich glaube fest daran, dass das Tanzen unser Immunsystem gut gestärkt hat. Wie wir die wirtschaftliche Krise überwinden, ist mir aktuell nicht ganz klar.


Wer dem Mala Junta helfen will, kann das durch ein Spende unter folgendem Link tun: https://www.gofundme.com/f/mala-junta-amp-lehrer-brauchen-eure-hilfe

Eine Spende ist auch direkt möglich auf das folgende Konto:

mala junta, Judith Preuss
Postbank Leipzig
DE 06860100900602665907
BIC: PBNKDEFF

Das Interview wurde von Lea Martin geführt.

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