Ein Blick von außen

Sie kommt aus Afrika und lebt in Deutschland. Sie tanzt keinen Tango, doch sie hat Freunde und Bekannte, die Tango tanzen. Manche sind sogar Lehrer*innen, andere ambitionierte oder einfach begeisterte Tänzer*innen. Ein Tango-Festival und mehrere Workshops hat sie schon erlebt. Nicht als Teilnehmerin, sondern mit dem Blick von außen. Sie war bei der Organisation beteiligt.

Sie mag den Tango. Seine Leidenschaft, seine Melancholie, seine Energie, seinen Stolz, der sich in der Körperhaltung und der schönen eleganten Kleidung wiederspiegelt. Sie mag auch die Polarität von Männlichkeit und Weiblichkeit, das Spiel der Gegensätze. Und natürlich die Tiefe des Tangos. So sagt sie.

Was sie nicht mag, sind Frauen, die tanzen wollen und sitzen müssen. Was sie noch weniger mag, ist, dass gerade ältere Frauen oftmals quasi chancenlos sind im Kampf um einen guten Tanz. Sie sehe diesen Frauen an, wie sie sich von Minute zu Minute mehr grämen und wie sich tiefe Furchen in ihren Herzen bilden. „Das ist nicht gesund, das tut der Seele nicht gut“, sagt sie. Überhaupt, das Warten gefällt ihr nicht. „Heutzutage sollte keine Frau auf einen Mann warten müssen. Nie. Frauen sollten viel mehr miteinander tanzen. Es ist schön, wenn Männer da sind, aber wir brauchen sie nicht.“

Auch mag sie nicht, wenn Tänzer und Tänzerinnen im Tangozirkus vor allem persönliche Bestätigung suchen. Wenn das Begehrtsein auf der Tanzfläche dem Ego zu Kopf steigt. „Gockel“, sagt sie abwertend und rümpft die Nase.

Dann strahlt sie wieder: „Auf dem Tango-Festival habe ich auch ein bisschen Tango getanzt, obwohl ich es nicht kann. Ich habe afrikanischen Tango getanzt, meinen Tango, und es war wunderbar.“

2 Kommentare zu „Ein Blick von außen

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  1. Dieses andauernde Lamentieren der Frauen, die nicht zum tanzen kommen. Ja klar, sie verbittern oben und unten. Aber ich kann doch nicht mit allen optisch weniger ansprechenden Frauen tanzen. Ich möchte auch mal mit einer schönen Frau tanzen, ihre Schönheit genießen und die bewundernden Blicke der anderen spüren.

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  2. Ich bin klar dafür, dass möglichst viele Personen Tango tanzen können. Es wird wohl zu der Situation kommen, dass an einem Rand führende Frauen bevorzugt werden, weil es zu wenige gibt … und am anderen Rand führende Männer bevorzugt werden, weil es zu wenige gibt. Wobei ich allerdings vermute, dass das Gegenstück zu „Weiber-Milongas“ keine „Macker-Milongas“ sein werden, sondern eher „Encuentros Milongueros“. Tanzende Männer, die weder „gockelig“ noch „creepy“ sind, sind ja oftmals „vergeben“.

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