Gute Haltung – Teil 2: Praxis

Hier gehts zu Teil 1 mit Hintergrund und Theorie. Teil 2 widmet sich der Frage, wie wir nun unsere individuelle gute Haltung finden und üben können.

Kurze Erinnerung zu den wichtigsten Inhalten von Teil 1:

Gute Haltung…

  1. ist effizient
  2. erlaubt Bewegung
  3. macht bereit für die nächste Bewegung
  4. funktioniert auch in der Umarmung
  5. sieht gut aus

Um die eigene Haltung zu finden, schlägt Hargrove in seinem Artikel „Good Posture“ drei kleine Übungen vor, die jede*r selbst zuhause ausprobieren kann.

1. Stelle dich aufrecht hin und stelle dir vor, dass das obere Ende deiner Wirbelsäule nach oben zieht und das untere nach unten. Nach einer Weile nimmst du noch die Idee dazu, dass die gesamte Körpervorderseite nach oben strebt und die gesamte Körperrückseite Richtung Boden. Diese Visualisierung führt uns im Normalfall in eine sehr aufrechte, aber unangestrengte Körperhaltung (= effizient). Für Tango verlagere dein Gewicht in dieser Haltung mal auf das rechte und mal auf das linke Bein.

2. Prüfe, ob du in der Haltung frei Atmen kannst und dann stelle dir vor, während du in der Haltung bist, wie du Arme, Kopf und ggf. dein freies Bein bewegst, wie du besonders tief atmest und die Rippen sich ausdehnen und dann wieder zusammenziehen. Wenn du dir das einen Moment nur vorgestellt hast, probiere es tatsächlich aus. Bewege die Arme, die Schultern, den Kopf, atme tief, bewege jeweils das freie Bein (= erlaubt Bewegung).

3. Bleibe in dieser Position, die 1. effizient ist und 2. Bewegung erlaubt und stelle dir vor (erstmal nur vorstellen!), dass du dich schnell umdrehen musst, wegrennen, ducken, springen, etwas auffangen oder etwas ausweichen. Beobachte, wie sich deine Körperhaltung allein durch diese Vorstellung verändert. Vermutlich wird der Muskeltonus höher, der Körper bewegt sich zwar nicht, die Aktivität im Körper steigt trotzdem. Nach einigen Momenten prüfe, ob die Effizienz und die Bewegungsfreiheit in deiner Haltung (also 1. und 2.) noch gegeben sind. Atmest du noch?
Wenn du einen Schritt weitergehen willst, erlaube deinem Körper tatsächlich auf das vorgestellte bedrohliche Geräusch hinter deinem Rücken, den herannahenden Tiger oder den vorbeizischenden Speer zu reagieren. Beobachte, wie sich deine Haltung verändert und kehre dann jeweils wieder in die Ausgangshaltung gemäß Leitlinie 1 und 2 zurück. Lass die körperlichen Reaktionen am Anfang ruhig groß sein und dann Stück für Stück kleiner werden. Bleibe in der Körperposition nach 1. und 2. und lasse die körperliche Veränderung für 3. so subtil und klein wie möglich sein. Aber dennoch so groß, dass du einen Effekt spürst. Denke daran: Effizienz heißt minimaler muskulärer Aufwand – unnötige Anspannung im Körper ist damit ausgeschlossen.

Diese Übungen immer wieder für sich allein zu machen, bringt nach meiner Erfahrung unglaublich viel. Nicht nur, aber auch für den Tango.

Übrigens die Übungen zu 3. kann man natürlich für Tango variieren und statt des Tigers lieber an den unvorhergesehen Ocho, Giro oder Seitschritt denken.

Nun zu den beiden Tango spezifischen „Add ons“ (4. und 5.):

4. Wer einen Tanzpartner oder eine Tanzpartnerin „griffbereit“ hat, kann das Ganze auch zu zweit üben – mit Umarmung, mit Kontaktpunkten. Wie kann man als Paar 1., 2. und 3. optimieren und gleichzeitig die Verbindung halten. Vielleicht finden sich unterschiedliche Möglichkeiten, vielleicht auch mit unterschiedlichen Partnern unterschiedliche Lösungen. Sicherlich auch je nach Art der Umarmung und je nachdem, wie ihr tanzen wollt, also welchen Stil ihr bevorzugt.

5. „Form follows Function“ heißt es bei Designern. Ja, aber sind wir ehrlich, schön aussehen soll es schon, wir sind beim Tango doch schließlich beim Tanz und Tanz ist eben nicht nur nach innen, sondern auch nach außen gerichtet. Das nächste Level (das bei Hargrove natürlich nicht vorkommt, ebenso wenig wie das Thema Umarmung) ist, das Ganze „schön aussehen zu lassen“. Hier kommen ästhetische Entscheidungen ins Spiel. Die Frage ist also, wie können wir als Paar 1.-3. optimieren, eine gute Verbindung zueinander und eine angenehme Umarmung haben und dabei auch noch gut aussehen – wobei es für das „gute Aussehen“ natürlich keine absoluten Kriterien gibt. Hier sind persönliche oder stilistische Präferenzen entscheidend. Was „gut aussehen“ heißt, muss man Ende für sich selbst entscheiden. Solange dabei 1.-3. und 4. gewahrt bleiben, sollte der Tanz dadurch nicht negativ beeinflusst werden.

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Wer sich für die Bücher von Todd Hargrove interessiert, findet diese nachfolgend. Wenn Ihr sie direkt über den Link erwerbt, geht eine Provision an Berlin Tango Vibes – ihr unterstützt also den Blog, für Euch ändert sich am Betrag nichts.

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