Milongatypen #4: Die Frustrierte

Sie gehört zu den tragischen Figuren der Milongawelt. Sie sitzt in der Ecke und um sie herum scheint eine dunkle Rauchschwade zu schwebenm die von Minute zu Minute dunkler wird. Das Gesicht ist versteinert. Das anfängliche Hoffen ist zu Verbitterung geworden. Ja, sie hat noch nicht oft getanzt heute. Dabei tanzt sie eigentlich ganz gut. Natürlich ist Frauenüberschuss, wie immer – doch warum muss sie mal wieder am allermeisten darunter leiden? Der Tango ist nicht fair. Er ist sogar ausgesprochen unfair. Sie erhält kaum einen Cabeceo. Keine Chance. Und wenn sie dann doch mal einer auffordert, dann aus Mitleid – doch Mitleid will sie nicht.

Dass das auf die Stimmung schlägt, versteht sich von selbst. Nun sitzt sie also in der Ecke, schaut düster vor sich hin, spinnt sich in finsteren Gedanken ein, trinkt ihren dunkelroten Wein und verflucht die Oberflächlichkeit der Tangowelt im Allgemeinen, der Männer im Speziellen und der jungen „Hüpfer“ sowieso – und vielleicht verflucht sie auch auch einfach sich selbst – was es nicht besser macht. Wenn sie Glück hat, bekommt sie Besuch von einer anderen Frustrierten. Dann spucken sie gemeinsam Gift und Galle oder suhlen sich in ihrem Unglück und fühlen sich dadurch zumindest ein bisschen besser. Am Ende des Abends nehmen sie sich vor, endlich Führen zu lernen. Selbst ist die Frau.

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