Die delikate Frage nach dem „Untendrunter“

Die Idee, einen Artikel zu diesem etwas schlüpfrigen Thema zu schreiben, trage ich schon eine ganze Weile mit mir herum und offensichtlich bin ich nicht die einzige, denn auch eine Leserin dieses Tangoblog bat vor einer Weile um einen Artikel zu genau diesem Thema.

Also gut, widmen wir uns nun der delikaten Frage: „Was trägt die Tanguera von heute eigentlich unter dem schicken Tangokleid?“

An alle Männer vorab eine Warnung: Wenn ihr die Fantasie von der sexy Tangounterwäsche aufrechterhalten wollt, lest am besten gar nicht weiter.

Manche Tangokleider machen es frau nämlich wirklich nicht leicht, ein passendes „Darunter“ zu finden. Oft ist es tatsächlich am einfachsten, sich gänzlich dagegen zu entscheiden. Und so kennt vermutlich jede Frau, die heimlich suchende, tastende Hand des Herren am Rücken, die taktil zu fragen scheint: „Wo ist denn der BH?“. Auch habe ich schon Herren erlebt, die am Rande der Tanzfläche saßen und eine tanzende Dame genau beäugten, nur um herauszufinden, ob jene Dame unter ihrem Rock einen Slip trägt oder nicht.

Um die Männerfantasien jedoch gleich wieder etwas abzukühlen: Ganz so unbekleidet, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, sind die Ladies meist nicht. Sie sind eher wahre Illusionskünstlerinnen. So gibt es Kleider, Röcke und Tops, in die die Unterwäsche integriert ist. Eingenähte BH-Cups und manchmal sogar Slips stellen sicher, dass sich nichts abzeichnen kann, und es keinen BH-Verschluss zu ertasten gibt.

Wird die „Ganz ohne-Variante“ gewählt, die sich vor allem „obenrum“ tatsächlich manchmal anbietet, kann die Tanguera auch noch in die Trickkiste greifen: Gummibänder, die rutschende Träger verhindern, doppelseitiges Klebeband, das den tiefen Ausschnitt vorm Verrutschen rettet, Abkleben gegen „Nipplegate“, Sicherheitsnadeln gegen sich von selbst öffnende Verschlüsse und verschiedenste Vorkehrungen bei schulterfreien Tops oder Kleidern können ein sichereres Gefühl geben.

Aber auch die Dessous-Industrie ist sehr erfinderisch: Da gibt es BHs, deren Träger, Schnürungen und Verschlüsse auf den verrücktesten Wegen verlaufen oder weitgehend transparent sind, speziell für rücken- oder schulterfreie Kleider. Ebenso gibt es aber auch Bustiers und die gerade sehr angesagten Bralettes, deren Träger, Rückenansichten oder Dekolletés dermaßen kunstvoll gestaltet sind, dass sie – sofern man sie farblich gut abstimmt – optisch zu einem Teil des Kleides werden und gar nicht mehr als Unterwäsche auffallen. Wenn das alles nichts hilft, bleiben noch Klebe-BHs, die ganz ohne Träger und Verschluss auskommen. Meine Erfahrungen damit sind jedoch ehrlich gesagt etwas ernüchternd. Nach einigen eng getanzten Ochos klebten die Dinger überall, aber nicht da, wo sie sollten. Von anderen Tangueras weiß ich jedoch, dass sie auf diese Teile schwören. Es ist eben nicht jede Lösung für jede Frau praktikabel – abhängig von den Proportionen, den individuellen Vorlieben und dem gewünschten Tragekomfort. Was aus meiner Sicht auf jeden Fall in den Kleiderschrank gehört, sind zur Garderobe farblich passende BHs, die verschiedene Trägervarianten ermöglichen (u.a. trägerlos, Neckholder). Für ganz besondere Kleider kann es sich auch lohnen, die Unterwäschefrage von Anfang an mitzudenken und sich gegebenenfalls beim*bei der Schneider*in des Vertrauens eine Lösung schaffen zu lassen. Es lebe das Handwerk!

„Untenrum“ gibt es vor allem zwei grundlegende Möglichkeiten: Viel oder wenig Stoff. Dass der Slip in jedem Fall dünn, glatt, möglichst nahtlos und gut sitzend sein muss, sodass er weder einschneidet noch Stoff-Röllchen bildet, ist klar.
Die Variante des „möglichst wenig Stoff“ erschließt sich von selbst: Wenn Rock oder Kleid nur auf der Haut aufliegen, kann sich auch kein Stoff darunter unschön abzeichnen. Tangas und Strings verschiedenster Formen sind heute weit verbreitet, als besonders gewagt gelten höchstens noch die selbsthaltenden C-Strings, die ich mir zum Tanzen tatsächlich schwierig vorstelle. Für kurze, enge Röcke lohnt es sich auch über das Material der Unterwäsche nachzudenken, denn dieses kann entweder das Hochrutschen des Rockes enorm beschleunigen oder aber fast komplett verhindern.

Wenn frau sich unter dem ohnehin schon knappen Rock lieber nicht ganz so nackig fühlen möchte, bietet sich die andere Variante an: Viel Stoff. Denn wenn der Schlüpper ohne Rand und Naht über alle kritischen Stellen hinweggeht und noch dazu astrein sitzt, ist er für den Betrachter ebenfalls unsichtbar. So gibt es also durchaus Unterwäsche, die den Bund erst an der Taille hat und in die andere Richtung bis zu den Oberschenkeln reicht. Vorteil dieser Wäschevariante: Wenn frau möchte, kann sie hier Shape-Underwear verwenden, die den Bauch etwas flacher, die Taille etwas schmaler und die Hüften etwas kompakter erscheinen lässt. All das ist ja gerade unter engen Kleidern nicht unbedingt von Nachteil – aber nicht zu viel des Guten, denn zum Tanzen müssen wir beweglich bleiben. Wer schonmal versucht hat, im Korsett zu dissoziieren, weiß, wovon ich spreche.

Das klassische Mieder ist für die Tanguera von heute also durchaus eine Option. Der Gang in ein Unterwäschefachgeschäft oder eine gut sortierte Dessousabteilung kann viele Anregungen für knifflige Dessousfragen bringen. Es gibt dort zum Beispiel auch Unterkleider, Unterröcke, Unterhemden, Taillengürtel und Bodies mit oder ohne figurformenden Effekt zu entdecken – alles potenzielle Lösungen, wenn frau bei teilweise transparenten Kleidern auf Nummer Sicher gehen möchte. Zumindest für mich persönlich gilt dabei jedoch immer: Tragegefühl sticht Optik. Beim Tanzen will ich mich schließlich wohlfühlen, sonst kann ich es auch lassen.

Ein nützlicher Hinweis zum Abschluss für alle, die es noch nicht wussten: Wer Unterwäsche unter einem weißen Rock oder Top verschwinden lassen möchte, der trägt sie nicht in weiß, sondern in hautfarben oder rosé, apricot oder korall – so nah an hautfarben wie möglich eben.

Und ein letztes Wort an alle Herren, die tatsächlich bis hierhin gelesen haben: Klebe-BHs, hautfarbene Oma-Schlüpper mit Bodyshaping-Effekt und Miederkleider – unter den Milonga-Outfits solltet ihr nicht unbedingt die verführerischen knallroten Spitzendessous erwarten. Doch zum Glück reicht es in der Regel ja, wenn ihr euch, genauso wie wir uns, am schönen Obendrüber erfreuen und das knifflige Untendrunter uns überlasst.

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