Cabeceo-Kuddelmuddel

Oder: Ich bin die Richtige und er tanzt mit mir. (Hurra!)

Ich sitze auf einer Milonga. Rechts und links von mir ausschließlich Frauen. Uns gegenüber an der Wand mehrere Männer. Insbesondere zwei scheinen auf der Suche nach einer Tanzpartnerin für diese Tanda zu sein. Einen davon habe ich mir auserkoren. Ich schaue ihn an, er nickt – doch nicht nur er, sondern auch der Herr zu seiner Rechten nickt. Ich versuche meinen „Zielherren“ ganz klar zu fokussieren und ihm zuzunicken. Da setzen sie sich beide in Bewegung – gleichzeitig in meine Richtung. „Oh weh“, denke ich bei mir. Doch dann fallen mir all die Damen neben mir ein. Sicherlich hat eine von ihnen auch einen Cabeceo angenommen, nämlich den des anderen Tänzers. Zwar bin ich mir meiner Sache und dem stillen Deal mit meinem Tanzpartner für diese Tanda recht sicher, doch ein bisschen steigt mein Puls schon, als die Herren näher kommen. Ich entscheide, ganz entspannt sitzen zu bleiben, ihm zwar mit meinem Blick die Sicherheit zu vermitteln, dass ich auf ihn warte, aber mir auf keinen Fall die Blöße zu geben, stehen gelassen zu werden, falls ich mich doch geirrt habe. Soweit so gut, ich fühle mich wie eine vorbildliche Tanguera.

Noch ehe die beiden Herren bei mir angelangt sind, steht eine der Damen neben mir auf und geht ihnen entgegen – und sie zielt, das ist ganz klar, auf „meinen“ Tanzpartner. „Du hast nicht sie gemeint, sondern mich und bitte, bitte hab jetzt auch die Klarheit, das durchzuhalten“, sage ich in Gedanken zu ihm. Er umschifft sie elegant. Sie steht plötzlich etwas verdutzt vor dem zweiten Mann, der sie ebenfalls etwas verdutzt anschaut und dann weitergeht. Einen Moment lang tut sie mir leid. Doch dann hat „mein“ Partner mich auch schon erreicht. „Jaaaaa, er hat mich gemeint!“, jubele ich in Gedanken und beruhige mich gleichzeitig: „Na, nun tu mal nicht so überrascht, du warst dir deiner Sache doch so sicher, oder?“ Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie der zweite Herr nach links abbiegt. Ob er dort seine Partnerin für diese Tanda abgeholt oder den „Walk of Shame“ des verfehlten Cabeceos angetreten hat, habe ich nicht weiter verfolgt.

Für die (mutmaßlich) anderen Perspektiven dieser Story, siehe auch:

Er tanzt mit der Falschen.

Ich bin die Falsche.

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