Tango-Babylon oder „Über Sprachen…“

Tango ist eine eigene Sprache. Wohlgemerkt eine, die mindestens so viel Lernaufwand erfordert, wie jede andere Sprache auch. Dennoch, wer einen Blog über Tango schreibt, kann sich sicher sein, dass Autor*innen und Leser*innen zumindest die Grundkenntnisse dieser Sprache gemeinsam haben.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte den Blog statt auf Deutsch, Englisch oder Spanisch einfach auf „Tango“ schreiben, dann würde jede*r verstehen. Doch leider ist die Sprache „Tango“ eine sehr flüchtige, die sich kaum festhalten lässt, schon gar nicht in schnöden Buchstaben. Eher schon in Noten und Tönen. Doch sogar ein Tango-Video transportiert nur einen Bruchteil dessen, was wirklich ist oder war.

Bleibt also das Problem: In welcher Sprache schreibt man über Tango? Denn die Tangowelt ist besonders international und interkulturell – globalisiert könnte man sagen.

Spanisch als Sprache des Tango

Wenn es eine gemeinsame Sprache des Tango gibt, dann ist es Spanisch. Das ist klar. Und es gibt viele Maestros und Maestras, die eindeutig der Überzeugung sind, wer Tango tanzt, aber kein Spanisch kann, kann kein echter Tanguero und keine echte Tanguera sein.
So wie der Adel früher auf Französisch kommunizerte, könnten Tangotänzer*innen aus aller Welt dies auf Spanisch tun. Demnach müsste der Blog auf Spanisch sein. Dafür ist allerdings mein eigenes Spanisch (noch) nicht gut genug und ich weiß auch, dass viele andere zunächst so intensiv damit beschäftigt sind, die Sprache „Tango“ zu lernen, dass für die Sprache „Spanisch“ wenig Kapazitäten frei sind. Doch wer wirklich eintauchen will in die Welt des Tango, insbesondere in Argentinien, der kommt am Spanisch auf die Dauer kaum vorbei.

Doch Spanisch ist es für den Blog – ganz offensichtlich – nicht geworden.

What about English?

Ich lebe zwar in Berlin, in Deutschland, aber auf den Straßen hört man hier oft mehr Englisch oder Spanisch als Deutsch – in manchen Ecken auch Russisch, Arabisch oder Türkisch. Es gibt Bars und Cafés, in denen man nicht einmal auf Deutsch bestellen kann und dass ein Großteil des Tangounterrichts auf Englisch stattfindet, wird in der Regel als nicht weiter erwähnenswert angesehen. Nicht wenige Menschen, die hier leben und tanzen, können kein oder kaum Deutsch, weil diese Stadt nicht zwingend verlangt, dass man es lernt.
Davon ausgehend, könnte ich den Blog auf Englisch schreiben, um auch dieser Gruppe die Möglichkeit zu geben, ihn zu verfolgen. Und ja: Ich werde immer wieder angesprochen, ob das nicht eine Möglichkeit wäre.

Zudem reisen viele Tanguer@s gern und oft. Der Anteil meiner „Tangobekanntschaften“, der Deutsch spricht, ist tatsächlich geringer als der, der Englisch spricht, was mich irgendwann auch dazu bewogen hat, mein persönliches Facebookprofil quasi nur noch auf Englisch zu bespielen. Ähnliches erlebe ich bei vielen anderen meiner „Facebookfreunde“, egal aus welchen Ländern sie kommen und welche Muttersprache sie haben. Würde ich diesen Blog auf Englisch schreiben, wäre die potenzielle Leserschaft definitiv deutlich größer. Übrigens: Die Blogstatistik von „Berlin Tango Vibes“ aus dem Jahr 2018 zeigt: Der größte Teil der Leser*innen kommt natürlich aus Deutschland, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Nicht wenige Menschen lesen den Blog aber auch in den USA, Spanien, Belgien, Italien, Frankreich und Argentinien.

Es bleibt bei Deutsch – mit Ausnahmen.

Doch ist mir bewusst, dass Berlin eben „nicht so richtig“ Deutschland ist. In vielen anderen Regionen Deutschlands, aber auch Österreichs und der Schweiz ist Englisch nicht so weit verbreitet und auch in Berlin ist wahrlich nicht jede*r fließend in Englisch. Dazu kommt, dass ich persönlich meine Texte, vor allem wenn sie nicht rein informativ sind, auf Deutsch einfach besser finde als auf Englisch. Und ja: Ich mag die deutsche Sprache sehr.

Kurzum: Der Blog ist deshalb bis auf weiteres auf Deutsch, abgesehen von einigen wenigen Artikeln, die vor allem informativen Charakter haben und bei denen ich davon ausgehe, dass sie für Menschen aus anderen Ländern besonders relevant sind, wie zum Beispiel den Berlin Milonga Guide. Außerdem übersetze ich auf Englisch geführte Interviews nicht zurück ins Deutsche.

Für die Facebookseite von Berlin Tango Vibes, auf der nicht nur eigene Artikel, sondern auch andere Informationen und Inhalte geteilt werden, gilt dies ebenso: Was Englisch ist, bleibt Englisch. Was Spanisch ist, bleibt Spanisch. Mir wurde deshalb schon vorgeworfen, es sei mir nicht wichtig, dass mich alle verstehen.
Darauf kann ich nur sagen: Nein, das stimmt nicht. Ich glaube, es ist schlicht und einfach nicht möglich, dass mich alle verstehen. Außer eben wenn ich „in Tango“ schreiben könnte.

2 Kommentare zu „Tango-Babylon oder „Über Sprachen…“

Gib deinen ab

  1. Liebe Laura,
    ich kann als treuer und meist begeistert beschenkter Leser eures/deines Blogs hier und auf fb natürlich alle mit Deutschproblemen gut verstehen, die die Texte immer gerne übersetzt hätten.

    Dass das für dich aber eine wirklich sehr anspruchsvolle und damit abschreckend anstrengende Forderung ist, sollte auch allen klar sein. Natürlich schreibt man gern muttersprachlich und erreicht so auch viel direkter die wirklich hiesig lebende Zielgruppe.

    Was aber spricht dagegen, wenn du deine einschlägig sprachkompetenten LeserInnen bittest, dies für dich zu erledigen bei den Texten, die ihnen selbst so gut gefallen, dass sie sie gerne an ihre nicht Deutsch sprechenden Freunde und die Allgemeinheit weiterreichen möchten?
    Mit einer solchen, allen Texten vorangestellten Aufforderung erhieltest du vielleicht ganz einfach öfter Übersetzungen, die du kontrollieren und korrigieren und zum Aufbau eines vielleicht nicht identischen, aber eben doch so Manches transferierenden englischen Blogs nutzen könntest.
    Vielleicht kristallisierte sich dabei sogar ein Helferteam heraus, dass regelmäßiger ansprechbar wäre und die Übersetzungen dem Zufall entzöge!

    Mal nur so als Gedanke und Anregung von einem Fan der Tango Vibes.
    Mit herzlichem Gruß und Vorfreude auf dein nächstes Gedankengeschenk … tom

    Liken

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