Die guten Seiten einer Tango-Auszeit

Eine Fußverletzung hielt mich vom Tango fern. Für sage und schreibe zwei Monate pausierte mein Tango komplett, danach einige Wochen Tanzen in sehr kleinen Dosen. Was zunächst wie das Ende der Welt, die größtmögliche Katastrophe und ein Grund für tiefste Depression schien, entpuppte sich als gute Erfahrung. Ich fand sogar Gefallen an dieser tangofreien Freizeit.

Hier meine persönlichen Top Ten oder „Die guten Seiten einer Tango-Auszeit“:

1. Das Wochenende zum Erholen: Endlich mal wieder Wochenenden ganz ohne Pläne. Keine „Must go“-Milonga, kein „Not to miss“-Workshop, kein Freizeitstress. Kein „Run“ von einer Veranstaltung zur nächsten. Stattdessen einfach ein entspanntes in den Tag hineinleben. Nicht wissen, was in 30 Minuten ist, schon gar nicht, was heute nachmittag oder heute abend sein wird. Herrlich.

2. Schlafen, schlafen, schlafen: Wisst ihr eigentlich wie wunderbar Schlafen ist? Ich meine nicht nur Ausschlafen, sondern auch früh ins Bett gehen und richtig, richtig lange schlafen. Zehn Stunden am Stück oder gar zwölf. Und wenn man dann aufsteht, fühlt man sich, als könne man Bäume ausreißen. Wow. Eine Tango-Auszeit lässt sich perfekt als Schlafkur nutzen.

3. Money, money, money: Wer kennt sein monatliches Tangobudget? Auf jeden Fall fällt es im Geldbeutel deutlich auf, wenn plötzlich keine Tangoausgaben mehr anfallen. Keine Milongas, keine Kurse, keine Workshops, weder Tangomode, noch Schuhe oder Tangoreisen. Plötzlich bleibt, keiner weiß wie, am Ende des Monats wieder Geld übrig. Oh wunder, oh wunder.

4. Nicht-Tango-Freundschaften wiederbeleben: „Hey, da war doch noch was. Vor langer, langer Zeit hatte ich doch mal Freunde, die nix mit Tango zu tun hatten. Vielleicht habe ich den Kontakt noch, ich könnte da mal wieder anklopfen…“

5. Hatte ich mal andere Hobbies? Ich bin doch nicht nur Tango? Nicht nur Freundschaften, sondern auch Hobbies lassen sich wiederbeleben oder neu entdecken. Es muss nicht immer Tango sein.

6. Neue Perspektiven: Distanz tut gut, Distanz klärt den Blick, Distanz rückt den Kopf wieder gerade. „Es ist nur Tango!“ Das vergessen wir manchmal, verloren im Tangozirkus, der plötzlich die Welt zu bedeuten scheint, wenn wir tief darin verstrickt sind. Nach einer kleinen Auszeit können wir alles wieder leichter nehmen.

7. Pausieren und Integrieren: Körper und Geist tun die Auszeit gut. Wirklich. Wir kommen auf anderen Gedanken, machen andere Bewegungen. Gönnen unseren Tango-Gewohnheiten eine Pause und geben uns damit die Chance zu integrieren, was sinnvoll ist und loszulassen, was wir nicht brauchen. Das bezieht sich auf Gedanken rund um den Tango ebenso wie auf Bewegungsabläufe im Körper. Manchmal entwickelt sich der Tanz in solch einer Auszeit tatsächlich weiter und man tanzt danach sogar besser als davor.

8. Zeitfresser Tango: Oh ja. Nicht nur die Milongas und der Unterricht selbst, auch aufbrezeln, hinfahren, heimfahren und den halben nächsten Tag verschlafen… Wer plötzlich nicht mehr tangot, hat viel Zeit für andere Dinge. Vielleicht Dinge, die er*sie schon lange mal erledigen wollte – den Keller aufräumen, die Wohnung renovieren oder ein Buch schreiben?

9. Tango-Stress: Wer sagt, Tango würde bei ihm*ihr nie Stress, Leistungsdruck, überhaupt Druck oder negative Gefühle auslösen, der lügt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit. „Bin ich gut genug? Bin ich schön genug? Bin ich begehrt genug?“ sind nur einige dieser toxischen Tango-Fragen. Sich aus diesen Denkkonstrukten für eine Weile zu lösen, hilft, sie zu enttarnen und ihnen ihre Macht zu nehmen. Es ist doch alles nur ein Spiel.

10. Tango-Sehnsucht: Und dann ist da noch die Tango-Sehnsucht. Das Vermissen. Der innere Drang, wieder tanzen zu gehen. Der Wunsch, sich auf Musik zu bewegen – gemeinsam mit einem Gegenüber. Die Sehnsucht nach Nähe, nach Umarmung. Dies zu spüren, zeigt uns, was wir am Tango haben, und hilft uns, ihn wirklich wertzuschätzen, statt ihn einfach zu konsumieren. Jetzt wissen wir wieder ganz genau, warum wir ihn so lieben und was es ist, was uns immer wieder zu ihm zurückführt.

PS: Ich plädiere nicht dafür, dass jeder regelmäßige Tango-Auszeiten nimmt. Doch wenn sich die Auszeiten ergeben, ist es ok, sie anzunehmen, statt mit ihnen zu hadern. Sie haben durchaus auch ihr Gutes.

Und wer sich zwischenzeitlich zu tief im Tango-Dschungel verirrt hat, kann sich auch selbst eine Auszeit verschreiben. Das mag dabei helfen, auf den rechten Weg zurückzufinden – welcher auch immer das für dich sein mag.

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