Im falschen Film?

Er kommt schweißgebadet von der Tanzfläche. Unter einem Tisch steht seine Tasche. Er zieht ein dunkelblaues Handtuch daraus hervor. Wischt sich das Gesicht ab und tupft den Haaransatz trocken – und das mitten in der Cabeceo-Ecke. Dieses – nun sagen wir mal – etwas untypische Verhalten lenkt meinen Blick auf ihn. Ich beobachte sein Tun. Für einen kurzen Moment frage ich mich, ob das hier ein Fitnessstudio ist oder eine Milonga. Er fängt meinen stutzigen Blick auf, schiebt das Handtuch kurz aus seinem Gesichtsfeld. Nickt mir zu. Ich schaue ihn weiter fragend an. Die Cortina ist noch in vollem Gange. Er tritt einen Schritt auf mich zu und fragt: „Tanzen?“ Ich bin irritiert. Schüttele den Kopf. Er zuckt mit den Schultern, widmet sich wieder seinem Handtuch, trocknet sich nun ungeniert unter den Achseln ab. Dann packt er sein Handtuch weg, sucht sich eine Partnerin und findet diese zu meinem Erstaunen auch recht schnell. Schon entschwinden die beiden meinem Blickfeld. Auf, auf in die Arena für die nächsten Runden.

7 Kommentare zu „Im falschen Film?

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  1. Ja, Schwitzen ist nicht angenehm. Man kann es sich leider nicht aussuchen, sondern nur auf ausreichende Luftzirkulation auf der jeweiligen Milonga hoffen. Und auf eine nicht so enge und/oder rempelige Ronda, Streß ist auch ein Schwitzfaktor. Da endet leider der Spielraum der argentinidad – doch irgendwie andere Physis. Und vielleicht gibt es in BsAs auch weniger empfindliche Nachbarn, die zum Schließen der Fenster zwingen.

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  2. Ich leide ebenfalls unter meinem Schwitzen. Trotz duschen vor der Milonga und ausgiebigen Deogebrauch. Nach einer getanzten Tanda folgt eine Auszeit zum „trocknen“.
    Leider habe ich wenig Möglichkeiten daran etwas zu ändern. Gewichtsredukion, Fitnessstudio, entspannter tanzen… alles bringt nicht den gewünschten Erfolge.
    Nun gut mit der Autorin werde ich anscheinend nur meine erste Tanda tanzen können.
    Den Rest des Abends werde ich wohl mit den Damen tanzen, die dieser Herr zum Erstaunen der Autorin so schnell gefunden hat.

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  3. Für mich ging es bei dieser (real erlebten) Szene nicht so sehr um das Schwitzen an sich (wofür man ja in der Tat nicht viel kann), sondern eher um den Umgang damit und insbesondere um das Auffordern während des Abtrocknens, das ich unpassend fand. Insbesondere weil Abtrocknen hier nicht mal nebenbei die Stirn abtupfen bedeutete, sondern wirklich Fitnessstudio-Ausmaße hatte. Eine Tanda zum Trocknen wäre da für meinen Geschmack durchaus angebracht gewesen, bevor man insbesondere eine Unbekannte zum Tanz bittet.

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  4. Man soll unerwünschtes Verhalten nicht unterstützen, sagt die Hundetrainerin meines Vertrauens. Die Dame, die die Zweite-Wahl Einladung angenommen hat (vom Thema Schweiß abgesehen), trägt sicherlich nicht zu einer gepflegten Cabeceo-Politik bei. So sehe ich es mindestens – Und akzeptiere wohlwollend den Ruf der eingebildete konservative Milonga-Besucherin.

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  5. Liebe Ingrid, wenn ich mir den geschilderten Ablauf ansehe, ist das kleine klare Trainingssituation. Was erfahren wir? Version 1: Frau möchte so gut es geht wieder trocken werden, Frau guckt, Mann denkt evtl. Aha, ich werde miradiert oder gar aufgefordert…klärt das Mißverständnis und fordert „richtig“ auf…kein Grund für ein Aussetzen. Oder Version 2: Mann exhibitioniert sein Schweißproblem, Frau guckt entsetzt, Mann misinterpretiert dies groteskerweise auch noch als Mirada oder Aufforderung…vielleicht noch mal den Hundetrainer fragen.

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    1. Hallo Yokoito,

      Da gebe ich Dir recht, andere Interpretationen sind durchaus möglich. Das liegt dem zwischenmenschlichen Umgang inne und ist es auch gut so. Im Zweifel entscheide ich mich mittlerweile fürs bequeme Sitzen und beobachten und hoffe, menschenschlauer zu werden. Bei der heutigen Hitze ist das Thema hier in Berlin wohl sehr brisant.

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  6. Pardon, Korrektur: …*Mann* möchte so gut es geht wieder trocken werden…
    und Nachsatz, ja, ich persönlich würde zum Intensivtrocknen auch eher den „Washroom“ aufsuchen; dennoch…

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