Event-Check: Tango to Istanbul – Festival

Tango to Istanbul ist ein großes, renommiertes Tangofestival, das jedes Jahr Anfang März in Istanbul stattfindet – 2019 zum 11. Mal. Das Festival ist berühmt für seine bekannten Maestros, guten Live-Orchester und besonderen Locations. Denn getanzt wird jeden Abend an einem anderen Ort. Als Maestros waren 2019 unter anderem Javier Rodriguez und Fatima Vitale, Sebastian Achaval und Roxana Suarez sowie Facundo Pinero und Vanesa Villalba dabei. Die Maestros tanzen nicht nur Shows auf den Abendmilongas und geben Workshops, sie treten in der Regel auch bei einem Live-Konzert auf der Bühne auf. Als Orchester waren Solo Tango mit Chino Laborde sowie Los Reyes del Tango vertreten. Bei den Locations handelt es sich um große Veranstaltungsräume in verschiedenen Luxushotels in Istanbul. Am berühmtesten ist sicher der Çırağan-Palace. Heute ein 5-Sterne Hotel, ehemals ein Sultanspalast. Viele Locations sind direkt am Wasser oder haben einen schönen Blick über den Bosporus. In diesem Jahr gab es erstmals einen Marathon innerhalb des Festivals – begrenzt auf 200 Personen -, der auch Nachmittagsmilongas sowie Afterparties umfasste. Ein besonderes Highlight war die Boot-Milonga auf einem Schiff auf dem Bosporus. Für die reinen Festivalbesucher*innen waren 2019 im Gegensatz zu früheren Jahren keine Nachmittagsmilongas vorgesehen.

Çırağan-Palace
Çırağan-Palace

Das Festival ist lang, es dauert von Dienstag bis Sonntag, viele Besucher*innen reisen erst zum Wochenende an. Da die Milongas sich einzeln buchen lassen, ist dies kein Problem. Für alle sechs Abend-Milongas (inkl. Shows und Orchestern) zusammen kostete das Paket 2019 erschwingliche 70 Euro.

In diesem Jahr gab es im Anschluss an das Festival in Istanbul erstmalig eine „Tango to Rome“ – Edition, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert und – sofern sie fortgesetzt wird – eine Alternative für alle diejenigen sein könnte, die lieber nach Rom als nach Istanbul reisen.

Wem könnte es gefallen:

Blick von der Milonga über den Bosporus

Das Tango to Istanbul Festival ist für alle geeignet, die es gerne schick und edel mögen – und schick heißt in der Türkei wirklich schick. Wer gern tolle Kleider trägt, sich für Shows begeistert und Wert auf ein schönes Ambiente legt, der*die ist hier genau richtig. Auch bieten die täglich neuen Locations einen guten Anlass, die Stadt auf eine andere Weise zu entdecken. Wer außerdem gerne Live-Musik mag, vielleicht sogar das Konzert mit Live-Auftritten besucht und Workshops bei bekannten Maestros genießt, bekommt das Gesamtpaket für einen verhältnismäßig günstigen Preis. Das Drumherum ist bei diesem Festival mindestens genauso wichtig wie das Tanzen selbst. Viele der Gäste kommen aus der Türkei, dort ist der Männeranteil hoch und sie tanzen in der Regel recht gut. Zudem ist auch ein großer Anteil internationaler Besucher*innen dabei, u.a. aus Korea, den USA, Russland und natürlich Europa. Das Tanzniveau insgesamt ist sehr gemischt, sodass sich keine*r wegen des eigenen Tangokönnens schlecht fühlen muss. Das Alter ist tendenziell etwas gesetzter.

Istanbul eignet sich auch ausgezeichnet für Tangoshopping, sowohl Schuhe als auch Kleider gibt es in guter Qualität zu günstigeren Preisen als bei uns. Bei Großveranstaltungen wie diesem Festival lohnt es sich, möglichst zu Beginn shoppen zu gehen, denn Tag für Tag schrumpft das Angebot.

Wer nur die Festivalmilongas besucht, hat neben dem Tango auch noch genug Zeit, sich nachmittags die Stadt anzuschauen, vielleicht in einem Hamam zu entspannen und abends nett essen zu gehen – sich also einen rundherum schönen Urlaub zu gestalten.

Für wen ist es eher nichts:

Im Boot auf dem Bosporus

Wem es in erster Linie um’s Tanzen geht, wer keine Lust hat, sich jeden Tag mit einer neuen Location anzufreunden, wer von sehr vollen Tanzflächen mit teilweise chaotischen Rondas schnell genervt ist und wer Wert auf ein gehobenes Tanzniveau legt, wird hier vermutlich nicht so viel Freude haben. Mich selbst hat insbesondere die Größe des Festivals gestört. Es war sehr schwierig, Personen wiederzufinden. Auch weil es kaum Tische, sondern vor allem Stuhlreihen gibt und somit nur wenige Leute einen festen Platz haben, an dem man sie (wieder) antreffen kann. Zudem ist es nur mit großem Glück möglich, jemanden den man beim Tanzen beobachtet hat und mit dem man auch gerne tanzen möchte, in einem Cabeceo-tauglichen Moment wiederzufinden.

Mit dem neu eingeführten Marathon wurde versucht, diese Nachteile für Tänzer*innen, die viel und gut tanzen wollen, etwas auszuräumen. Ich würde sagen, dass das zum Teil gelungen ist. Marathonteilnehmer*innen konnten sich auf den Marathonmilongas nachmittags und auf den Afterparties bis zum Morgengrauen untereinander austanzen und so auf den Abendmilongas tänzerisch etwas zurückhalten und entspannt Shows und Livemusik genießen. Ein Highlight des Marathons war die Boot-Milonga, bei der alle Tänzer*innen gemeinsam für etwa fünf Stunden auf einem Schiff über den Bosporus geschippert sind. Dort konnte gechillt, getanzt und geplaudert werden, was nicht nur die Kontakte untereinander, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl merklich gefördert hat.

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