Buenos Aires Tango Guide – Part 4: Praktische Tipps

Bevor ich das erste Mal in Buenos Aires war, gab es einige liebe Menschen, die mir in ausführlichen Gesprächen lang und breit das Wichtigste für den Anfang erklärt oder mich sogar dort in den ersten Tagen „an die Hand genommen“ haben. Das hat mir sehr geholfen. Damit alle davon profitieren können und keine*r sich verloren fühlen muss, habe ich die – aus meiner Sicht – wichtigsten Tipps für die ersten Schritte in BA im Folgenden zusammengefasst:

Spanisch

Wenn Du es noch nicht (so gut) kannst und noch etwas Zeit hast: Lern‘ Spanisch – nicht, dass es ohne gar nicht geht. Aber du hast mehr von Deinem Aufenthalt, je besser Du die Sprache kannst. Denn die Porteños*as sprechen Spanisch. Basta. Englisch ist, sofern sie es überhaupt können, nur Notanker, sie werden schnellstmöglich wieder auf Spanisch wechseln. Auch im Taxi oder Restaurant wird es mit Englisch schwierig. Ich persönlich bin begeistert von der App Babbel, um Spanisch zu lernen, außerdem höre ich spanische Sprachlern-Podcasts. Unbedingt auch in das argentinische Spanisch einhören, denn die Aussprache ist wirklich anders. Gut geht das z.B. mit schönen Tango-Dokumentationen oder Interviews auf YouTube oder mit argentinischen Podcasts. Um Sprechen zu üben sind Tandempartner*innen oder Sprachstammtische eine gute Lösung. Klassische Sprachkurse (z.B. günstig über die VHS) sind natürlich auch nie verkehrt, insbesondere wenn man mit dem Spanisch noch ziemlich am Anfang steht. Vielleicht kannst Du Deinen Argentinien-Aufenthalt ja sogar mit einem Sprachkurs und Bildungsurlaub verbinden?

Erste Schritte vor Ort

Direkt am internationalen Flughafen: Wechsle dein erstes Geld an der Bank am Flughafen, damit du Pesos hast. Kaufe eine Sube Karte am Kiosk im Flughafen und lade sie direkt dort am Automaten auf. Nimm den Tienda Leon Bus zum Terminal Madero in der Stadt (den musst Du separat zahlen, geht mit Kreditkarte). Von dort kommst du mit den Öffentlichen oder mit dem Taxi weiter.

Wohnen

Ich habe bisher immer in Palermo gewohnt und über Airbnb gebucht. Palermo ist ziemlich hip, die Cafés sehen teilweise aus wie in Berlin oder anderswo. Das Viertel ist relativ sicher, man hat alles, was man braucht und – am wichtigsten – viele Milongas sind zu Fuß zu erreichen, u.a. La Viruta, Salon Canning, Villa Malcolm, Club Fulgor, La Parilla. Besonders die Nähe zur Viruta fand ich gut, da die meisten Nächte dort enden. Nachteil: San Telmo ist weit und auch dort gibt es schöne Milongas, deren Besuch zumindest für mich einige Male an der Unlust auf die lange Fahrt gescheitert ist.

Mobilnetz

Zum Telefonieren braucht man es zwar meist nicht, aber mobiles Internet finde ich persönlich schon sehr praktisch. Die SIM-Karte kriegt man in größeren Shops der Anbieter (u.a. Claro, Movistar) mit einem Ausweis/Pass. Wenn man die SIM-Karte hat, kann man sie entweder direkt in diesen Shops an der Kasse oder an Automaten, die in vielen Kiosken stehen, prepaid aufladen (die eigene Mobilnummer, die man dafür braucht, ist in der Regel autmomatisch unter den Kontakten gespeichert).

Wer sich das mobile Internet sparen möchte, findet freies WLAN in den U-Bahn-Stationen, in vielen Cafés/Restaurants und auf manchen Milongas (z.B. im El Beso).

Sicherheit

Buenos Aires ist keine Stadt, in der man sich als „normale*r Tango-Tourist*in“ wegen der Sicherheit verrückt machen muss. Gleichzeitig ist erhöhte Aufmerksamkeit empfehlenswert. Besonders bei Ausflügen in noch unbekannte Ecken sollte man sich vorher erkundigen, was das für Ecken sind und wachsam bleiben. Ich bin als Frau allein auch nachts viel unterwegs gewesen und wahrlich nicht immer Taxi gefahren, sondern oft gelaufen oder Bus gefahren. Grundsätzlich habe ich mich dabei sicher gefühlt, insbesondere rund um Palermo, wo die Polizeipräsenz recht hoch ist. In San Telmo muss man nachts etwas besser aufpassen. Als sehr grobe Faustregel hat mir mal jemand gesagt: „Immer wenn du südlich der Av. Indenpendencia unterwegs bist, solltest du besonders vorsichtig sein.“ Egal wo, die übliche Grundvorsicht gilt überall. Nimm‘ so wenig Wertsachen mit wie möglich, wenn du unterwegs bist. Ein altes, günstiges Smartphone für unterwegs kann eine gute Lösung sein. Lass dir beim Verlassen der Milongas ein Taxi rufen und bitte die Taxifahrer nach dem Aussteigen zu warten, bis du im Haus drin bist. Schau dir eine Straße kritisch an, bevor du reingehst. Wenn du mit anderen gemeinsam unterwegs sein kannst, nutze das. Verteile deine Wertsachen beispielsweise auf Handtasche und Schuhbeutel (nicht den offiziellen Tangoschuhbeutel, der Dich als reiche*r Tangotourist*in outet, sondern z.B. einen Jutebeutel), sodass du ggf. die Chance, dass nur eins von beidem wegkommt. Vergiss vor lauter Angst vor Überfällen nicht, auch auf mögliche Taschendiebstähle zu achten.

Transport

Um den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, braucht man eine „Sube-Karte“. Die gibts an verschiedenen Kiosken (z.B. direkt am Flughafen). Die Karte lädt man an den entsprechenden Automaten (in den Subte-Stationen oder an Kiosken) mit Geld auf.

Subte

Die U-Bahn (Subte) ist schnell und funktioniert grundsätzlich gut, aber zu den Berufsverkehrszeiten ist sie oft heftig überfüllt. Nicht selten muss man mehrere Bahnen durchfahren lassen, bis man in eine reinkommt. Das kann anstrengend sein und Zeit fressen.

Busse

Das Busnetz ist großartig, aber etwas unübersichtlich. Man braucht mobiles Internet und die Como llego-App um sich leichter zurechtzufinden. Bushaltestellen sind oft nicht klar sichtbar. Manchmal ist nur die Nummer der Buslinie an einen Baum oder ein Haus gemalt. Auch weiß man nie genau, wann der Bus kommt. Die Frequenz der meisten Linien ist jedoch hoch, die App gibt darüber Auskunft. Alles in allem: Die Busverbindungen sind wirklich gut, es lohnt sich sich auf das „Abenteuer Bus“ einzulassen. Allerdings staut es in den Stoßzeiten oft heftig und dann dauert es manchmal ewig.

Man hält den Bus an, indem man den Arm aussteckt, wenn er kommt. Den Busfahrern sagt man, bis wohin man fahren möchte (Name der Station oder Straßenecke, also z.B. „Scalabrini y Cordoba), dann legt man die Karte an das Gerät und dieses bucht den Betrag von der Karte ab.

Am allerwichtigsten: Für den Bus wird akribisch Schlange gestanden. Vordrängeln oder unbeteiligt daneben stehen und dann plötzlich Reindrängen geht gar nicht.

Fahrrad

Man kann sich in Buenos Aires kostenfrei ein Fahrrad leihen. Je nachdem wo man unterwegs ist, kann sich das lohnen, besonders wenn man sich schon etwas ortskundig gemacht hat. Es gibt tatsächlich zum Teil gute Radwege. Auf großen Straßen ohne Fahrradweg macht es dagegen keinen Spaß und ist auch gefährlich.

Taxi/Uber

Beides funkioniert gut und lohnt sich, wenn es schnell gehen muss (außer in der Rushhour), wenn man zu mehreren ist oder wenn es keine andere gute Alternative gibt. Ich habe oft Taxis auf der Straße angehalten und keinerlei schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Geld

Bargeld

  • Nimm so viel Bargeld mit nach Argentinien, wie du brauchst und kannst. Euros sind in Ordnung, Dollars braucht man nicht zwingend.
  • Bargeld tauscht man vor Ort entweder in der „Wechselzone“ im Zentrum, nahe Florida (Corrientes/Florida), u.a. in Blumen- oder Schmuckläden. Man wird in der Gegend sofort angesprochen „Cambio, cambio“, muss also nicht lange suchen. Angebote vergleichen lohnt sich und die erhaltenen Scheine sollten angeschaut und gezählt werden, bevor man sie einsteckt, um Betrug vorzubeugen.
  • Außerdem gibt es Wechselstuben, zum Beispiel in Palermo, Ecke Malabia/Cordoba (Richtung Nordosten). Die Vermieter*innen oder andere Reisende können dazu Tipps geben.
  • Ich habe direkt nach Ankunft am Flughafen bei der offiziellen Bank das erste Bargeld zu einem guten Kurs getauscht, leider ist die Schlange dort oft sehr lang.
  • Bei Tango-Privatstunden, Schuhen und Tangomode kann man manchmal auch in Euro oder Dollar bezahlen.

Kreditkarte

  • Kartenzahlung ist nicht so weit verbreitet und kostet meist extra. In der Tangowelt kann man quasi nie mit Karte zahlen. In schickeren Restaurants, Hotels oder Shops in der Regel schon.
  • Geldautomaten funktionieren nicht zuverlässig. Ob man Geld kriegt oder nicht, ist Glückssache. Oftmals bilden sich lange Schlangen vor Automaten, die zumindest potenziell Geld ausspucken. Zudem kann man nur begrenzte Beträge abheben und die Gebühren sind hoch.
  • Eine Karte dabeizuhaben und diese zu nutzen, ist sinnvoll, man sollte sich aber nicht nur darauf verlassen.

Geldtransfer

  • Eine andere Möglichkeit sind Apps, mit denen man Geld versenden kann, z.B. Azimo oder transferwise. Zwar liegt der angebotene Kurs meist unter dem eigentlichen Tageskurs und es kostet Gebühren, trotzdem lohnt es sich, für Notfälle diese Option in der Hinterhand zu haben. Man schickt sich das Geld online vom Konto und holt es vor Ort an einem der Abholpunkte mit Reisepass und Abholcode ab. Leider muss man dort oft eine Weile warten, bis man an der Reihe ist. Für mich hat sich das beispielsweise bewährt, als ich bei einem meiner Aufenthalte deutlich mehr Geld brauchte als abzusehen war.

Nützliche Apps

Hoy Milonga

Hoy Milonga ist natürlich ein Muss. Dank dieser App muss das Tangotanzvolk nicht einmal mehr wissen, welcher Wochentag ist. Einfach bei Hoy Milonga gucken und man sieht die Milongas des Tages. Perfecto. Allerdings ist die Auswahl manchmal so groß, dass man fast schon etwas verloren ist. Mehr dazu in Part 1 unseres Buenos Aires Tango Guides.

Como llego

Die App für den Öffentlichen Nahverkehr in Buenos Aires. Como llego ist viel genauer und besser als die Info zum öffentlichen Nahverkehr bei Googlemaps. Besonders wer häufiger Bus fährt, sollte die App haben.

Uber

Uber funktioniert gut in Buenos Aires als Taxialternative. Praktisch ist es besonders, wenn kein Taxi in der Nähe ist.

Maps.me

Besonders wer sich gegen mobiles Internet in Buenos Aires entscheidet, für den*die kann es hilfreich sein, sich die relevanten Offline-Karten bei Maps.me runterzuladen.

Facebook

Klingt albern, Facebook hier zu erwähnen? Aber ja, die Tangoszene organisiert sich auch in Buenos Aires über Facebook. Lehrer, Milongas, Events, alles das findet man hier.

Klingt nach viel? Und vielleicht auch etwas kompliziert? Am Ende ist es alles halb so wild. Vor Ort findet sich man meist nach ein paar Tagen recht schnell und unkompliziert zurecht. Wirklich!

Mehr findest Du hier:

Part 1: Milongas

Part 2: Milonga-Knigge

Part 3: Tango-Unterricht

7 Kommentare zu „Buenos Aires Tango Guide – Part 4: Praktische Tipps

Gib deinen ab

    1. Vielleicht ist die Grundfrage, wie gerne man reist. Ich liebe es zu reisen und der Tango bietet – für mich – so viele tolle Anlässe dafür und gleichzeitig die Möglichkeit, vor Ort schnell und einfach mit Menschen in Kontakt zu kommen.

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    2. „Für den Tango“ reist man nach BA und nicht nach Berlin. Die Berliner Tango Szene wird maßlos überschätzt, ist verschlossen und arrogant.

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  1. Wenn man in der Lage ist, diese Aufwand zu nehmen, ist es auf jeden Fall wert, die Tangowelt in BA zu erleben. Nirgendwo anders kann man dieses komplexe Erlebnis bekommen. Außerdem ist es immer sehr individuel, je nachdem wie man mit den Situationen und Bewohneren umgeht und verknüpft sowie je nachdem Geschmack…. Viele Leute kommen regelmäßig nach BA, oft ist eine Monat pro Jahr. Wenn man hier ist, verstehe man, warum sie dies machen…

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  2. Tolle Zusammenfassung, vielen Dank!

    Übrigens lieber größere Banknoten mitnehmen. Bei Euros oder Dollars (würde ich nicht mehr mitnehmen) haben die kleineren Scheine einen schlechteren Wechselkurs.

    Bzgl. der Sicherheit hatte ich vor der Reise große Bedenken, zumal ich selbst nicht in einer Großstadt lebe. Aber auch als Landpomeranze lernt man schnell, wie man sich verhält. Handtasche mit Reißverschluss zu an der Straßeninnenseite, Geld am Körper, Sube-Karte griffbereit, Rucksack nach vorne usw… Für die Einheimischen ist das völlig normal. Für einen Franzosen in Paris, einen Römer oder einen Frankfurter sicher auch ;-).

    Ich habe in San Telmo gewohnt, fühlte mich aber nie wirklich unsicher. Bin nachts um zwei zu Fuß mehrere Blocks gelaufen, der freundliche Hotelier sagte mir, welche Straßen kein Problem wären. Im Übrigen hat mir das Viertel wirklich sehr gefallen.

    Die Apps für Como llego und Uber würde ich das nächste Mal auf alle Fälle haben wollen, das gibt auch Sicherheit. Wenn man nicht mehr ganz so zentral eine Milonga besucht, kann man schon mal 10-20min warten, bis ein Taxi vorbei kommt…

    Es wird immer eine Glaubensfrage sein, ob man nach Buenos Aires reisen soll/muss/will. Ich habe früher auch anders drüber gedacht als jetzt, sozusagen „danach“ ;-). Es war ein tolles Erlebnis – leider kurz – ich kann es nur empfehlen. Danke an denjenigen, der mir diesen Floh damals ins Ohr gesetzt hat 😉

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    1. Danke für Deine Ergänzungen und die San Telmo-Perspektive. Das Viertel finde ich auch toll, so viel Atmosphäre.

      Apropos Dauer: Wie lange warst Du dort? Ich fand 3,5 und 4 Wochen auch jeweils zu kurz. Unter 2,5 Wochen würde ich nicht fahren, denke ich. Manchen sind 4 Wochen dann aber auch genug, danach brauchen sie mal wieder was anderes als nur Tango, sagen sie.

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      1. Aufgrund des familiären Hintergrunds war ich leider nur zehn Tage *SEUFZ*. Die waren allerdings voll mit Tango. Viel zu kurz, um tiefer einzutauchen. Aber doch lang genug, um ein bisschen besser zu verstehen, um den Flair und die Atmo der Stadt, der Menschen und der Szene kennen zu lernen und auch, um ein paar Geschichten und Mythen, die man sich hier bei uns über DEN Tango in BA erzählt, ins rechte Licht zu rücken. Ich persönlich bin auf jeden Fall gefüllt mit vielen positiven Eindrücken zurück gekommen.
        Allein wegen des langen Flugs sollte man schon ein paar Wochen dort verbringen. Möglich und schön ist es aber auch für jene, welche eben nicht so lange weg können.

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