10.000 Stunden Tango

10.000 Stunden Übung braucht es bis zur Meisterschaft. Egal, worin, egal für wen – sagt man. Das ist sehr pauschal, zu pauschal. Das ist klar. Aber nehmen wir’s mal für bare Münze, nur für ein kleines Gedankenspiel.

Was heißt die 10.000-Stunden-Regel für meine Tangokarriere? Wie lange brauche ich noch bis zur Maestra? Hier ist die Rechnung:

  • Jede Woche nehme ich 1,5-3 Stunden Tango-Unterricht – manchmal etwas mehr, manchmal weniger. Im Schnitt gehe ich von 2 Stunden aus.
  • Jede Woche besuche ich 1-3 Milongas. Nun ist reine Anwesenheit auf einer Milonga aber kein Training – obwohl man beim Zuschauen natürlich auch was lernt. Ich addiere für die Zeit auf Milongas 2,5 Stunden pro Woche in meiner Rechnung.
  • Ich bin mal so frei und rechne für das aktive und bewusste Zuschauen auf Milongas und das Anschauen von Tango-Videos eine Stunde pro Woche ein. Dieses Lernen am Modell so ganz links liegen zu lassen, fände ich nicht richtig.
  • Die letzte Komponente ist das eigene Üben, egal ob mit oder ohne Partner, ob zuhause im Wohnzimmer oder in einem eigens gemieteten Raum. Bei mir sind das aktuell etwa 2,5 Stunden pro Woche.

Macht summa summarum: 8 Stunden Tango pro Woche.

  • Zieht man pro Jahr 3 Wochen Non-Tango-Urlaub ab und 3 Wochen, die wegen Krankheit ausfallen, bleiben jährlich 46 Tango-Wochen: 46 Wochen x 8h = 368 Stunden pro Jahr.
  • Ein kleiner Bonus kommt obendrauf: Schließlich besuche in jedem Jahr etwa fünf Tangoevents und tanze dann an einem langen Wochenende deutlich mehr als sonst. Auch Reisen nach Buenos Aires oder Istanbul schlagen mit überdurchschnittlich viel Tanzzeit zu Buche.

Pauschal berechnet erhöhen Reisen und Events meine Stundenzahl auf 420 Stunden pro Jahr.

Der Weg bis zu den 10.000 Stunden ist noch weit.

Immerhin bin ich nicht mehr ganz am Anfang. Ich mache ich das nun schon seit vier Jahren. Rund 1.700 Stunden sind also bereits absolviert. Hurra!

8.300 Stunden to go.

Wenn ich so weiter mache und mich weder ein Interessenwandel noch eine körperliche Einschränkung stoppt, brauche ich demnach noch knappe 20 Jahre bis ich mich als Maestra bezeichnen kann.

Dann wäre ich Mitte Fünfzig.

Das wäre gar nicht so schlecht, denn Maestras dürfen – zumindest in meiner Welt – ohnehin nicht so jung sein. Mitte Fünfzig wäre ein perfektes Alter dafür. Mitte Fünfzig ist auch ein großartiges Alter, um sich selbst nochmal neu zu erfinden, finde ich. Wunderbar. Dann weiß ich jetzt endlich, wo das alles hinführt mit mir und dem Tango: Maestra mit 55! Wenn das kein erstrebenswertes Ziel ist.

Nachtrag: Die hier genutzt 10.000 Stundenregel wurde 1993 von den Psychologen Anders Ericsson, Ralf Krampe and Clemens Tesch-Römer formuliert und erlangte insbesondere durch das Buch „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ von Malcolm Gladwell Bekanntheit.

4 Kommentare zu „10.000 Stunden Tango

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  1. Der Weg eines geliebten Hobbys. Aber wie definiert sich ein/e Maestro/Maestra? Z.B Ich komme als Fremder auf eine Milonga, woran erkenne ich diese und wie nennen sich die anderen?

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    1. Darüber, was genau ein Maestro oder eine Maestra im Tango ist, könnte man wahrscheinlich auch ein Tangobuch schreiben.
      In dem Fall meint es in erster Linie „jemanden, der Meisterschaft im Tango erlangt hat“. Tja, woran erkennt man das….?

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      1. Nichtsdestotrotz und dessen ungeachtet würde mich eine nähere Definition des Begriffs Maestra / Maestro interessieren. Vielleicht könntest du bei Gelegenheit die drei der gängigsten Definitionen aufzeigen, hierzu kritisch Stellung nehmen und deine persönliche Ansicht äußern.

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