Gestern und heute

Nach einer wahren Geschichte…

Gestern

Er sitzt auf der Milonga. Er guckt, er will, er sucht und versucht, doch er findet nicht. Verzweifelt. Unerklärlich. Frustierend. Er sitzt und sitzt und sitzt. Es ist sogar eine Dame da, mit der er schon mehrfach getanzt hat. Doch irgendwie wird das heute nichts. Sie finden einfach nicht zusammen. Will denn wirklich keine der anwesenden Frauen mit ihm tanzen? Was ist heute los? Er versteht es einfach nicht. Schließlich packt er seine Sachen und geht.

Heute

Er sitzt auf der Milonga. Da ist wieder diese Dame, die er auch gestern gesehen und mit der er letzte Woche schon mehrfach getanzt hat. Er sieht sie, sie sieht ihn. Ein Blick, ein Nicken, los geht’s. Nach dem ersten Tango sagt sie zu ihm: „Ich habe Dich gestern auch auf der Milonga gesehen. Doch Du warst irgendwie gar nicht erreichbar für mich, Du erschienst mir so weit weg, so in Dir, ich habe es nicht geschafft, Kontakt zu Dir aufzubauen. Da dachte ich, Du willst vielleicht gar nicht tanzen und hab es gelassen.“

2 Kommentare zu „Gestern und heute

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  1. Eine andere wahre Begebenheit.
    Die Schwiegermutter hatte zum Geburtstag geladen. Da es in ihrer Stadt eine Sonntagnachmittags-Milonga gab, erlaubte ich mir, erst zum Abendessen zu erscheinen, setzte meine Familie zum Geburtstagskuchen ab und fuhr zu dieser Milonga.
    Die Milonga war gut besucht. Ich wechselte meine Schuhe und holte mir erstmal einen Kaffee, setze mich auf einen der freien Stühle am Rande der Tanzfläche. Man würdigte mich keines Blickes. Wow, die konnten ja alle sehr gut tanzen. Aber nicht einmal einen Hauch von Blickkontakt gelang mir zu irgend einer Frau. Souverän übersahen sie mich. Heute waren wohl nur die da, die für Solo-Männer nur Verachtung übrig haben. Wahrscheinlich denken sie, die sollen mit ihrer Bedürftigkeit doch einfach zu Hause bleiben. Eine Stunde später empfand ich meine Situation langsam als quälend. Ich hätte ich wohl doch zu Kaffee und Kuchen zur Schwiegermama gehen sollen.
    Da platzierte sich eine Frau vor mir. Ich erinnerte mich. Ich hatte ihr beim Hereingehen die Türe aufgehalten. Wir lächelten uns an, nickten und begannen zu tanzen. Sie war anscheinend eine Touristin. Entschuldigte sich, dass sie kein Deutsch könne. Ich hatte keine Lust mein Gehirn für eine englische Konversation anzustrengen. So entfiel das anfängliche Geplauder, das ich eh nicht mag. Der Tanz ging so. Wir kamen zurecht. Sie fragte, „Can I help you.“ „Yes“ „Make smaller steps.“ Danach wurde es besser. Es wurde sogar richtig gut. Mit jedem Lied der Tanda wuchs ich.
    Als die Tanda vorbei war, bedankte ich mich. Drehte mich um und sah ein weiteres Lächeln. Es wurde noch ein wunderschöner Nachmittag. Ich kam etwas zu spät zum Abendessen. Auf der Heimfahrt schaute mich meine Ehefrau von der Seite an. Auf meine Frage sagte sie, sie hätte schon lange nicht mehr mit so einen glücklichen, zufriedenen und entspannten Ehemann ihre Mutter besucht.

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  2. Ich persönlich möchte keine Erklärung dafür bekommen, warum jemand gestern nicht mit mir getanzt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese zutreffend und hilfreich ausfällt, scheint mir nicht allzu hoch zu sein.
    Manchmal läuft es auf einer Milonga halt nicht. Anfänger verzweifeln dann und packen ein, weil sie das Tanzen gnadenlos überbewerten. Fortgeschrittene holen sich einen Drink und genießen den Abend.

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