Klebrige Tänze

Es gibt diese Tänze, die sind im übertragenen Sinne klebrig, zumindest ist das das Wort, das mir dazu in den Sinn kommt. Wisst ihr, was ich meine?

Ich meine diese Tänze, in denen unterschwellig zu viele heimliche Wünsche oder gar Bedürftigkeit mitschwingen – und zwar einseitig (ich kann hier selbstredend nur für die Frauenperspektive sprechen). Da hat frau das Gefühl, es geht dem Mann nicht darum, mit ihr zu tanzen, sondern ausschließlich darum, ihr möglichst nah zu sein. Er lädt sie zum Tanzen ein und will eigentlich Kuscheln – oder mehr… Das war nicht der Deal, denkt frau sich dann, aber eben erst, wenn es schon zu spät ist und die ersten Schritte gemacht sind. Sie merkt es an seiner betont kuscheligen Umarmung, seinem extrem tiefen Atem, seinem leisen Schnurren während des Tanzens, seinem inflationären Gebrauch an Komplimenten, seinem verklärten Blick, seinem übertrieben seligen Lächeln, mit dem er sie anschaut, seinem nicht wirklich interessierten und doch stets zustimmenden “Mmhm” auf alles, was sie sagt, und seiner Führung, die besonders darauf ausgelegt ist, die Körper noch enger zueinanderzubringen. Ist ein Lied verklungen, zieht er sie betont innig an sich heran und seufzt in ihr Ohr. Danach flüstert er ihr zu, wie unglaublich schön das war. Die Umarmung löst er zwischen den Liedern von sich aus nie.

Sehr oft geht diese Art des Tanzes mit einer besonders weichen Körperhaltung des Führenden einher, als wolle er in sie hineinkriechen. Obwohl er an sich nichts tut, was man nicht tut, fühlt es sich doch nicht richtig an. Sein Tanz ist auf subtile Weise übergriffig. Hat frau die Tanda überstanden oder beendet, kann sie im Verlaufe des Abends beobachten, wie er wie ein Fliegenfänger von einer Dame zur anderen zieht, in der Hoffnung, dass wenigstens eine kleben bleibt. Und manchmal hat er tatsächlich Erfolg.

PS: Man munkelt, es gäbe auch bei Frauen zuweilen ein ähnliches Verhalten. Da ich dazu aber nichts sagen kann, bezieht sich der Beitrag nur auf die männliche Seite.

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