Wir brauchen mehr Konsum!

Tangotänzer*innen trinken zu wenig, hört man immer wieder. Nicht von Ärzten oder Gesundheitsfachleuten, sondern von Milongaveranstaltern. Besonders dann, wenn mal wieder eine Milonga sterben muss, weil die Lokalität, in der sie stattfand, mit einem anderen Abendprogramm mehr verdienen kann. Swing scheint beliebt, na klar, da schwitzt man ja auch so richtig, nicht so wie beim Tango. Außerdem: Tango und Alkohol das verträgt sich nicht, zumindest nicht wirklich. Ein Gläschen in Ehren… ja, das geht. Aber mehr… schwierig. Und für den reinen Flüssigkeitsverlust geben die Tangotänzer kein Vermögen aus. Da tut’s schließlich auch eine Handvoll Wasser aus dem Wasserhahn am stillen Örtchen. Viele Milongas bieten – etwas gepflegter – Leitungswasser umsonst an, gerade im Sommer. Es soll sogar Milongas geben, auf denen man zum Zeitpunkt X kostenfrei selbst Cocktails mischen kann. Oh là là.

Ja, konsumieren sollen wir zum Wohle der Milonga. Nur was? Mit den Getränken scheint es schwierig, bleibt das Essen. Am Milongaort zu speisen ist hier – abgesehen von Marathons – eher unüblich. Dabei kommt nach einigen Tandas nicht selten ein kleines Hüngerchen auf. Nachmittagsmilongas begegnen dem mit Kuchen, am Abend bleibt oft nur die Wahl zwischen Erdnüssen und Salzstangen. Mit viel Glück gibt‘s auch mal Empanadas.
Manche Milongas bieten den Knabbersnack für Zwischendurch kostenfrei an. Wieder andere locken ihr Publikum sogar mit Gratis-Leckerein wie Waffeln, Eis oder Crêpes. Oder sie verführen ihre Gäste im Anschluss an die Milonga dazu, an der gemeinsamen Abendessenstafel Platz zu nehmen. In anderen Städten geht man das Thema umgekehrt an: Dort ist der Eintritt teurer, dafür sind Getränke, Snacks und ein oder zwei Stück von der Mitternachtspizza inklusive. Doch würde das Tangovolk hierzulande tatsächlich dauerhaft 10 Euro oder mehr für eine ganz normale Milonga bezahlen? Vermutlich nicht. Bleibt also die Ryanair-Methode: Günstiger Eintritt, teure Extras. Wenn Getränke und Essen es nicht tun, muss man kreativ werden: Zahlen für eine bewachte Gaderobe zum Beispiel oder ein Obolus für einen Sitzplatz? Oder noch besser: Zahlen für einen Platz in der Ronda, mit Aufpreis sogar garantiert „rempelfrei“.

3 Kommentare zu „Wir brauchen mehr Konsum!

Gib deinen ab

  1. Ach ja, eine Handvoll am Wasserhahn oder heimlich schnell die Trinkflasche aus dem Rucksack holen, wenn keiner guckt, hehe… zumindest die eine Anstandsflasche Mineralwasser geht sich ja bei den meisten glücklicherweise aus und damit kommt man ja wirklich gut durch den Abend. 🙂
    Die Idee, das kulinarische Angebot auf den Milongas aufzustocken kann ich absolut befürworten. Ich würde definitiv um die späte Stunde ein paar Euros für einen vernünftigen Snack lassen. Ein Stück Quiche auf die Hand oder selbst ein Muffin wären mir tausendmal lieber als die ollen Erdnüsse oder den trockenen gratis-Keks. Übrigens, an der Stelle möchte ich ein kurzes Pladoyer für die Bardamen loswerden. Ich hab gehört, dass das Trinkgeld da meist recht mager ausfällt, weil für viele der Service inklusive erscheint. Aber die arbeiten ihre Stunden ab, wie in jeder anderen Trinkhalle auch… und müssen dabei noch auf den Tanz-Genuss verzichten!!!

    Liken

  2. Angesichts inzwischen üblicher Preise für Cappucinos, Smartphones oder (wenn man Reisekosten berücksichtigt) Tango-Events – von BsAs-Pilgerfahrten gar nicht zu reden – sollten Eintrittspreise von 10 Euro kein echtes Problem sein. Wer nicht kapiert, daß die Billigmentalität langfristig den Ast absägt, auf dem man sitzen möchte, hat es nicht besser verdient.

    Liken

Schreibe eine Antwort zu Yokoito Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: