Grenzen setzen – Erfahrungsbericht

Montagabend, Berlin Neukölln. 14 Frauen treffen sich im Nachbarschaftsheim auf dem Fußboden. Thema ist Tango, aber heute mal anders. Ein Ausflug ins Grenzen setzen. Angeboten von Feminist Tango Friendship.

Ich komme direkt von der Arbeit, noch rechtzeitig. Gerade versammelt sich der Kreis in der Mitte des hell beleuchteten Raums. Ich bin überrascht, habe nicht mit so vielen gerechnet. Auch die unterschiedlichen Altersklassen habe ich nicht erwartet. Bin ich doch naiver Weise davon ausgegangen, dass sich hier eher jüngere Frauen tummeln würden. Aber Pustekuchen. So sitzen wir da und ich fühle mich zunächst – wohl.

Denn nun kommt erst einmal die Vorstellung und die Theorie. Ich bin neugierig und höre gerne anderen zu. Drei Frauen begrüßen uns. Die erste ist Pädagogin. Dass das so einem Workshop sehr gut tut, spüre ich auch im weiteren Verlauf. Warum sie hier seien? Aus Solidarität, Neugierde, vorhandener oder fehlender Erfahrung, persönlichen Gründen. Von blutigen 3-Monate-Einsteigerinnen bis Hardcore-20-Jahre als Folgende und Führende – alles dabei.

Wir beginnen theoretisch. Mit persönlichen Zeichnungen zum Thema Grenzen. Die ganze Spannbreite von Grenzen wird mir dadurch erst bewusst. Egal ob Nähe-Distanz oder Gesundheit-Schmerz. Grenzüberschreitung geht nicht nur körperlich, sondern auch verbal.

Danach üben wir. Erst die Körperwahrnehmung, Kontakt, Konfrontation. Dann erleben wir, wie es ist, jemanden aus dem Bauch heraus ein Nein entgegenzubringen. Und wie es sich anfühlt, eines vom Gegenüber zu bekommen. Auch im Vergleich zu anderen. Ich sage schnell Nein bei einer Person, während die Frauen neben mir anscheinend mehr Nähe zulassen. Ich habe Schuldgefühle gegenüber meiner Gegenüber. Was denkt sie nun von mir? Warum habe ich gerade so reagiert? Die Dozentin erläutert: Nur weil wir in diesem Moment Nein sagen, könnte es im nächsten schon wieder ganz anders sein. Klar.

Dann höre ich von Bärinnen, Löwinnen und Wildsäuen, die auf der Tanzfläche aktiv sind und sich sehr unterschiedlich abzugrenzen, ja auch zu verteidigen wissen. Ich liebäugle mit der Wildsau und schreie drauf los. Die anderen wissen sich zu wehren. Aber die Bärinnen und Löwinnen sind da deutlich eleganter bei der Sache. Jede wie sie will und auch nur wenn sie will.

Und dann ist die Zeit auch schon vorbei…Die Erkenntnisse bleiben! Das Konzept ist gut, Ausprobieren lohnt sich. Und keine Sorge: Die Wildsau lass ich nur raus, wenn es sein muss.

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