Warten auf…

…nein, ausnahmsweise nicht auf’s Christkind, sondern…tja, worauf wohl…

Schon wieder sitze ich stundenlang auf einer Milonga rum, obwohl ich gern tanzen würde, und es ist auch nicht so, dass ich gar keine Gelegenheit hätte zu tanzen. Grob gesagt, kann man die anwesenden potenziellen Tanzpartner in drei Gruppen einteilen:

  1. Da gibt es die, die mich wollen und die ich nicht will, zumindest nicht heute. Mit manchen von ihnen habe ich schon oft getanzt, doch ich muss mit ihnen nicht auf jeder Milonga tanzen, auf der wir zufällig gleichzeitig sind. Mit anderen von ihnen habe ich ein Mal getanzt und das ist zunächst auch genug. Oder ich habe es noch gar nicht auf den Versuch ankommen lassen und möchte das heute auch nicht ändern. Bei wieder anderen ist mir heute einfach nicht danach, mit ihnen zu tanzen – das gibt’s. So hart ist das Tangoleben.
  2. Tja und dann gibt es eben die, die ich will, aber die wollen mich nicht oder zumindest finden wir hier und heute nicht zusammen. Warum auch immer: Nicht gut genug, nicht auffällig genug, zu groß oder zu klein, nicht sein Typ, er ist in Begleitung da, er muss erstmal seine Freunde abtanzen, er tanzt heute ohnehin kaum, er findet, es reicht, wenn wir alle Jubeljahre mal miteinander tanzen oder einfach schlechtes Timing? Nun gut. Das ist die andere Seite der Härte des Tangolebens.
  3.  Was bleibt, ist Gruppe 3: Der undefinierbare Rest – Menschen, die ich nicht wirklich kenne, bei denen ich aber auch nicht dringenden Reiz verspüre, sie hier und heute – wenn auch nur tänzerisch – kennenzulernen. Andere Menschen, die ich, warum auch immer, wahrscheinlich gar nicht richtig als potenzielle Tanzpartner wahrnehme, und dies scheint interessanterweise auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Ich weiß, manchmal verstecken sich in dieser Gruppe wahre Schätze, die man suchen muss. Aber auf Schatzsuche bin ich heute nicht eingestellt.

Also sitze ich und lasse Tanda um Tanda vorüberziehen. Der Minutenzeiger meiner Uhr macht Runde um Runde. Morgen werde ich mich wieder ärgern, dass ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen habe und mich fragen, wofür. Ja, wofür eigentlich? In der Hoffnung auf diese eine besondere Tanda, die das stundenlange Warten in zehn Minuten vergessen macht.

9 Kommentare zu „Warten auf…

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  1. Mitten auf dem Weihnachtsmarkt. Oder vielleicht ist es ein Tango-Markt ? Nun, da sitzt sie.
    Zwar beim Tango noch keine Meriten erworben habend, aber für sich eine Meritokratie einfordernd,
    teilt sie ihre Tangowelt in Minderlinge, mit welchen sie zu tanzen verabscheut, und in einen Tango-Adel, welcher sie als Parvenu mit Nichtachtung straft, sowie in einen lauen Rest.
    Würde einer der Edelleute sie auffordern, würde sie ihn sofort als Minderling einstufen, denn der Adel definiert sich ja als jene Gruppe, welche sie nicht beachtet, weshalb ein sie auffordernder Edelmann dann eben keiner sein kann.
    Nun, so sitzt sie mit heruntergezogenen Mundwinkeln in der Milonga, auf 10 Miuten Adelstanz hoffend.
    So sitzt sie eine Milonga um die andere und sitzt, bis sich die Falten ihrer Mundwinkel in immer ausgeprägterer Form ihr ganzes Gesicht zerknittern, so dass noch nicht einmal mehr ein Minderling ihr Beachtung schenken mag.
    Bis sie eines Tages gänzlich von den Milongas wegbleibt.
    Und so bleibt zu konstatieren, dass die Selbstreinigungskräfte des Marktes letztlich auch hier funktionieren, und das hat doch etwas tröstliches.
    Gerade zur Weihnachtszeit.
    Grüsse aus dem 1. Bezirk
    Wiener Milonguero

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  2. Wer nicht tanzt kann niemals seine Traumtanda erleben.
    Außerdem fehlt doch eine Kategorie TanzpartnerInnen, mit der man schon getanzt hat, mit denen es toll war und man deswegen immer wieder miteinander tanzt. Die machen normalerweise mindestens die Hälfte meiner Tandas aus. Ansonsten tanze ich immer möglichst auch mit TanzpartnerInnen mit denen ich noch nie getanzt habe. Das ist superspannend und ja, da sind oft wahre Schätze dabei. Manchmal übrigens auch in Kategorie 1, weil sich Leute auch weiterentwickeln oder einfach inspirierter sind als beim letzten Mal.
    Und eine Tanda mit einem Partner aus Kategorie 2, der anscheinend sowieso keinen gesteigerten Drang verspürt mit einem zu tanzen, kann schon deswegen keine Traumtanda werden, auch wenn die Fähigkeiten noch so toll sind.
    Mit der geschilderten Einstellung ist es vorprogrammiert, dass man im Tango unglücklich wird.

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  3. Meiner Erfahrung nach sind Tänzerinnen die nicht viel tanzen dann auch nicht mehr so gut. Ausserdem verderben die oftmals griesgramig rumsitzenden Nichttänzer die Stimmung. Entweder social minded auf die Milonga oder Netflixx.

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  4. Ich genieße es sehr, auf Milongas zu sitzen. Musik hören, mit Freunden quatschen… Das kennt jeder. Aber vor allem den Blick in den Bewegungen auf der Tanzfläche verlieren, tagträumen, aber in der Nacht. Das kann ich stundenlang. Das nenne ich nicht warten, vielleicht „milonguear“?

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  5. Hmm, ich bin jetzt ein Jahr dabei und frage mich dann echt, warum geht man dann überhaupt zum tanzen? In den ersten Jahren entwickelt man ja erst seinen Stil . Und wenn ich vielleicht im ersten Jahr mit jemanden getanz habe , ist das vielleicht in 3 Monaten wieder eine völlig andere Begegnung. Abgesehen davon ist das eigene Tanzen auch abhängig von der Energie auf der Tanzfläche und auf der Milonga selbst. Ich wünsche mir in diesem Sinne mehr sozialen Umgang und weniger Rosinenpflückerei. Man ist auch als guter Tänzer und Tänzerin verpflichtet an die noch nicht so reiferen Tänzer etwas zurückzugeben. Sonst besteht die Gefahr, dass die gesamte Szene leidet.
    Und man muss als Frau schon auch aufpassen, sonst wird man irgendwann gar nicht mehr aufgefordert. Ich zu mindest habe keine Lust auf solche Spielchen.

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