Tango Kassensturz – Teil 1: Tango lernen

Wir alle wissen: Tango ist nicht billig (vgl. dazu Inkubus). Doch wie teuer ist er nun genau, der Tango? Ein Tango-Kassensturz. Teil 1 zum Thema Tango lernen*.

Am Anfang ist’s ein Schnäppchen. Schnupperstunden gibts teilweise schon zum Schleuderpreis. Nur 5 bis 10 Euro muss man bei vielen Tanzlehrer*innen für die ersten 60-90 Minuten auf dem Tangoparkett berappen. Auch Einsteiger-Workshops und -Kurse sind oft relativ günstig.
Danach schlagen die üblichen Kursstunden als „Drop-in“ mit 13 bis 18 Euro zu Buche. Wobei die Dauer zwischen 75 Minuten und 90 Minuten variiert – manchmal gibts auch 60-minütige Stunden. Achtung beim Errechnen des Minutenpreises zur besseren Vergleichbarkeit: Einige 90-Minuten-Stunden beinhalten eine Pause, sodass effektiv nur 75 Minuten Tanzzeit übrig bleiben.
Wer es günstiger haben will, kauft Mehrfachkarten. Flexible 8er- oder 10er-Pakete sind die Klassiker, natürlich zeitlich befristet. An anderen Schulen bucht man einen festen Kurs, der meist einen Umfang von etwa acht Unterrichtseinheiten hat. Acht Stunden gibt’s für 105-125 Euro, zehn kosten ca. 120-130 Euro. 12-13 Euro pro Stunde also. Zwischen 16 und 24 Cent liegt der Minutenpreis.

Einige Tangoschulen, besonders größere, bieten außerdem Monatskarten nach dem Flatrate-Prinzip. Für einen Monat macht das 120-130 Euro, manchmal ist sogar der Besuch der schuleigenen Milonga inklusive. Wer das Abo für längere Zeit abschließt, bekommt’s oft günstiger, ein halbes Jahr für 540 Euro zum Beispiel.

Bei den Workshops sind die Unterschiede noch deutlicher: Für 2-stündige Workshops werden mal 25 Euro und mal 50 Euro verlangt. Je nach Lehrer*innen, Thema und Ort. Im Schnitt dürfte der übliche 2-Stunden-Preis bei den Berliner Lehrer*innen wohl bei 30 Euro liegen. Bei Festivals und Gastlehrer*innen jedoch auch gerne darüber, z.B. 75-Minuten-Workshops à 25 Euro pro Person. Je länger die Workshopdauer desto höher der Gesamt-, aber desto geringer meist der Minutenpreis: 2,5 Stunden für 40 Euro oder 6 Stunden für 80 Euro.

Bei den Workshops und bei den Kursen sollte neben dem Preis auch die Gruppengröße und damit verbunden die individuelle Aufmerksamkeit, die jede*r Schüler*in erhält, eine relevante Vergleichsgröße sein. Gerade bei sehr bekannten Gastlehrer*innen, die Workshops für 20 oder mehr Paare geben, geht letztere oft gegen Null (manchmal auch nicht).

Neben Gruppenunterricht gibts natürlich auch noch Privatstunden, bei denen man eine*n Lehrer*in oder ein Lehrerpaar ganz für sich allein bzw. sich und seine*n Partner*in hat. Die Preise für 60 Minuten mit einer*m Lehrer*in liegen hier in Berlin meist um die 70 Euro. Manche Lehrer*innen verlangen aber auch 80, andere nur 60 Euro. Einige wenige sogar weniger. Oft kann man handeln, wenn man zum Beispiel gleich mehrere Stunden vereinbart. Auch bei 90-minütigen Privatstunden sinkt der durchschnittliche Minutenpreis. Manchmal kommt allerdings die Raummiete noch obendrauf.

Bei Gastlehrer*innen und auf Festivals können die Preise gesalzener sein. Von 140 und sogar 180 Euro für 60 Minuten habe ich schon gehört. Stolze 3 Euro pro Minute. Man kann aber auch Glück haben: Gerade bei Gastlehrer*innen, die nicht zu den ganz bekannten gehören und nicht für spezielle Events in der Stadt sind, sondern eher „auf der Durchreise“, bewegen die Preise sich oft im ganz normalen Rahmen. Manchmal kriegt man sogar ein Lehrerpaar für den Preis, für den man sonst nur eine „Lehrkraft“ bekommt.

Bei all den Preisvergleichen sollte jedoch nicht vergessen werden: Ein niedriger Minutenpreis mit hoher Lehrer*in-Attention bringt absolut gar nichts, wenn ich mit dem Unterricht nichts anfangen kann. Preis allein ist also nicht alles.

Zum Schluss noch zwei Tipps für alle, die wirklich sehr wenig Geld haben, noch am Anfang ihrer Tangolaufbahn stehen und unbedingt Weiterlernen wollen: Für Studierende lohnt sich der Blick in das Programm des Unisports, Tangokurse gibt’s hier schon für 30-50 Euro. Allen anderen sei die Volkshochschule empfohlen: 11x 90 Minuten kosten dort z.B. knapp 70 Euro.

*Die genannten Preise beziehen sich auf reale Angebote in Berlin (Stand: Oktober 2018), erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beinhalten keine Rabatte, wie es sie oft für Schüler*innen, Studierende, Rentner*innen oder Arbeitslose gibt. Zudem gibt es manchmal Sonderpreise, wenn man mehrere Kurse bucht oder sich direkt als Paar anmeldet, auch diese sind hier nicht berücksichtigt.

4 Kommentare zu „Tango Kassensturz – Teil 1: Tango lernen

Gib deinen ab

  1. Die eigene Intention wird auschlaggebend sein wieviel man bereit ist auszugeben. Für eine wöchentliche Betütelung reicht ein günstiger Gruppenkurs, das wichtigste am Lehrer ist da Lustig zu sein. Bei mehr wird es teuerer und um Privatstunden kommt man nicht herrum. Da muss man suchen welcher Lehrer da einem passt. Gruppenunterricht ab 10+ kann man sich eigentlich sparen, da gibt YT meist mehr her und das Ergebnis ist dasselbe. VHS oder Ähnliches nu ja …. mit Glück gehts da auch. Wie auch immer, Leute wollen damit Geld verdienen, das ist deren Intention

    Gefällt mir

  2. Es ist von großem Vorteil, wenn einem bezahlte Tangolehrstunden unmittelbar Freude machen. Geschätzte 200 Stunden und 3000€ aufzuwenden, um als Führender irgendwann mal frei von Streß auf Milongas tanzen zu können, wäre jedenfalls ein hoher Preis.

    Gefällt mir

  3. Ich find, im Vergleich zu anderen „Sportarten“ schwimmt Tango gut in der Mitte. Vergleiche Monatsbeiträge oder Zehnerkarten für’s Fitness-Studio, die Anschaffung eines Rennrades oder Mountainbikes incl. Beiwerk, Golfclub, Skifahren incl. Kurs, Equipment und Gondelkarte, oder gar Fallschirmspringen, Segelfliegen o.ä…
    Günstig ist wohl nur, Sport im Verein zu betreiben oder halt zum Joggen zu gehen.
    Und verglichen mit so manchen anderen „Hobbies“…puh.
    Mich erschreckt manchmal, wieviel Geld und vor allem Zeit so manche Tangotänzer/innen in immer neue und andere Kurse und Lehrer investieren und wie vergleichsweise wenig nach meinem Empfinden dann bei jenen doch hängen bleibt. Kurse und Privatstunden allein besuchen nützt halt nichts, auch wenn einem der Geldbeutel noch so locker sitzt. Für manchen wäre es gescheiter, sich zu Hause regelmäßig mal alleine hinzustellen, Übungen zu machen, mit der Musik auseinander zu setzen usw. Und das für fast kostenlos. Sicher nicht umsonst ;-).

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: