Lieber Lob lassen

Heute habe ich mich in ein Kulturkaufhaus verirrt. Ich wollte mir Kultur kaufen. Die Schlange an der Kasse hat mich davon abgehalten. Aber Wissen getankt habe ich trotzdem…

Was stand da geschrieben, nahe, aber noch nicht ganz im der Esoterikecke: Dein Unterbewusstsein ist mächtig. Es macht Dinge mit dir, die dein Bewusstsein nicht begreift. Eine schockierende Erkenntnis: Lob ist schlecht fürs Selbstbewusstsein. Wer ständig hört, er sei der Beste, erlahme und bekomme Versagensangst. Denn das Beste sei nicht mehr zu übertreffen. Ein Lob sei nett gemeint, aber eher eine Strafe. Nun, ich bin ein Menschenfreund. Für das Wohl meiner Umwelt gilt daher ab sofort Lobverbot. Besser ist es dem Gegenüber Aufmerksamkeit zu zollen. Das kann ich.

Beim Tango gehe ich mit gutem Beispiel voran. Ich höre meinem Tanzpartner zu und stelle Sachfragen. Schon fühlt er sich gut. Sein Unterbewusstsein mag mich. Sobald meine Tanzlehrer anfangen, mich wieder in den höchsten Himmel zu jubeln, bitte ich höflich um Unterlassung. Meiner Entwicklung wegen.

Und ich muss sagen: Das Konzept geht auf. Seitdem ich die Nulltoleranzgrenze fürs Loben praktiziere, hat sich mein Leben drastisch verbessert. Lobloses Leben lässt mein Selbstbewusstsein ins Unermessliche wachsen. Aus jedem noch so flüchtigen Gespräch ziehe ich Positives heraus. Egal, ob mich jemand auffordert oder der Tanzlehrer mir einen neuen Schritt zeigt: Eigentlich sagen sie meinem Unterbewusstsein doch alle das Gleiche: Du bist die Beste. Nur mein Kopf, der braucht noch etwas.

3 Kommentare zu „Lieber Lob lassen

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  1. Nun, einem anderen deutschsprachigen Blog, das sich teilweise mit Tango beschäftigt, durfte ich heute den folgenden Text entnehmen:

    „Wer ein kritisches Blog betreibt, darf sich zwar vielleicht auf heimliche Zustimmung … freuen, auf offizielles Lob oder gar Links auf sein Blog jedoch sollte er nicht rechnen.“

    Nun, welch erstaunliche Koinzidenz liegt hier vor, denn offensichtlich scheint der Blogger sich mit unserer heutigen Autorin konform über die Ablehnung jeglichen Lobes zu befinden.

    Anderseits wird in etwas weinerlichen Weise erwähnt, dass auf seinen Blog von dem TangoVibes-Blog nicht auf löbliche Weise verlinkt wurde.
    Er beschwert sich, denn „die Damen von ‚Berlin Tango Vibes‘ … führen in ihrer ‚Blogroll‘ zwar … andere an, nicht jedoch …“ den bescheidenen Blogger, der kein Lob erwartet.
    Sollte man auf den Blogger nun löblicherweise verlinken ?
    Dazu möchte ich anmerken, dass Lob auf verschiedene Weisen wirken kann und der heutigen Autorin (und anderen, die hier mitlesen) ein Zitat von Friedrich Nietzsche Zitat auf den Weg geben :
    „Die einen werden durch Lob schamhaft, die anderen frech.“

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