In der Cabeceo-Ecke

Sie ist der wichtigste Ort auf einer jeden Milonga – abgesehen von der Tanzfläche vielleicht. Nur ist sie nicht so klar definiert, man braucht ein bisschen Insiderwissen, muss sie erst finden. Mal ist sie direkt am Eingang, mal an der Bar oder daneben. Manchmal auch ganz woanders. Meist wird dort gestanden, nicht gesessen. Denn keiner hat vor, lange zu bleiben. Alle sind nur auf der Durchreise und sowieso auf der Jagd. Auch gesprochen wir dort kaum.
Nach einer jeden Tanda füllt es sich schlagartig. Dann geht es hoch her. Da werden Hälse gereckt, Blicke geworfen, Chancen kalkuliert und Standpunkte abgecheckt. Kaum ist die Cortina zu Ende, leert es sich wieder. Paarweise stolzieren die, die sofort erfolgreich waren, auf die Tanzfläche. Wer die gewünschte Trophäe nicht erobert hat, tigert bedröppelt davon. Die, die sich noch nicht entscheiden konnten oder auf eine zweite Gelegenheit warten, verharren und hoffen. Vielleicht ergibt sich ja noch was.
Doch spätestens während des zweiten Tangos der Tanda versiegt die Aktivität, der Muskeltonus löst sich. Manche gehen zur Toilette, andere setzen sich oder lehnen sich entspannt an die Wand. Gelegenheit vertan, Wunden lecken, Kräfte sammeln, Krone richten. Fünf Minuten Pause. Dann startet das Spiel von vorn. Neue Chance, neues Glück.

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