Alleine in der Fremde

Allein in einer fremden Stadt und für den Abend ist ein Milonga-Besuch geplant?

Wie geht frau am besten vor, um den Besuch auf einer fremden Milonga, auf der sie niemanden kennt, so vergnüglich wie nur möglich zu gestalten. Hier ein paar rein subjektive Erfahrungswerte:

  • Bereite Dich vor: Schau‘ schon vorher in die einschlägigen Facebook-Gruppen der Szene vor Ort (meist mit Namen wie:“ Tango in Hintertupfingen“, „Milongas in Kleinkleckersdorf“, „Wo tanzt Du heute abend Tango in Anytown?“ etc.) und – falls es solche gibt – in die entsprechenden Webportale oder Apps (Hoy Milonga), um ein Gefühl für die Veranstaltungen zu bekommen, die für Dich passende auszusuchen und vielleicht sogar schon erste Kontakte zu knüpfen.
  • Keine Erwartungen: Lass Dich überraschen, wie der Abend verläuft. Du kennst weder die Community, noch die einzelnen Menschen, also geh’ so offen wie möglich an alles heran.

  • Lieber overdressed als underdressed: Eine schicke Klamotte und schöne Schühchen können nie schaden, vielleicht auch etwas Makeup und eine hübsche Frise – aber nur so viel, dass Du Dich damit noch wohlfühlst.

  • Sei früh da: Wer früh kommt, fällt auf. Vorallem dem*r Veranstalter*in, der*die fremde Gäste nicht selten besonders herzlich begrüßt, ein nettes Gespräch beginnt oder andere Gäste vorstellt. Wenn Du erst auf die schon volle Milonga kommst, wirst Du deutlich weniger wahrgenommen. Falls die Gastgeber*innen eher zurückhaltend sind, lohnt sich auch ein Gespräch an der Bar, der Kasse oder ggf. mit dem*r DJ. Themen gibts genug: Wann wird’s hier voll? Ist heute etwas Besonderes? Wo ist die Cabeceo-Ecke? Wie ist die Szene vor Ort denn so? Was kann ich heute abend erwarten?
  • Tanz’ nicht zu früh: Gut ist, zunächst nur zu schauen, statt gleich mit dem “Erstbesten” auf die Tanzfläche zu stürmen. In jeder Szene gibt es diejenigen, die davon profitieren, wenn man sie noch nicht kennt. Schau Dir deshalb an, wie die Leute tanzen und wie sie sich auch außerhalb der Tanzfläche verhalten, bevor Du einen Cabeceo annimmst. Einzige Ausnahme: Du hast wenig Zeit und willst unbedingt tanzen, dann nimm’, was Du kriegen kannst, erwarte nichts und freue Dich über alles, was Du an Schönem bekommst.

  • Bleib’ lang: Auch gegen Ende der Milonga verstärkt sich der Besuchsbonus. Wenn die Milonga sich leert, wird vielleicht der eine oder andere noch ein Tänzchen mit Dir wagen, der im Milonga-Highnoon zu sehr mit seinen Freunden und Bekannten beschäftigt war.

  • Sei präsent: Wenn Du tanzen willst, zeig’ es deutlich. Eine aktive Mirada macht die Männer mutiger, gerade wenn sie Dich nicht kennen. Sitzt Du nur passiv und zusammengeknüllt in der Ecke, denken sie vermutlich, Du seist nur zum Zuschauen hier.

  • Gespräche können Türen öffnen: Es muss ja nicht gleich ein Talkaceo sein. Aber ein Schwätzchen an der Bar, an der frischen Luft oder beim Anstehen an der Toilette kann Wunder wirken. Übrigens: Es kann auch sehr hilfreich und informativ sein, Kontakt zu anderen Folgenden zu suchen. Zum einen geben sie manchmal Tipps, mit wem sich das Tanzen lohnt und bei wem man es sich genau überlegen sollte, zum anderen haben mich auch schon andere Folgende guten Führenden vorgestellt, die mich daraufhin aufgefordert haben. Und sogar wenn das Reden fürs Tanzen selbst nichts bringt, so ist es doch interessant, um mehr über die Tangoszene vor Ort zu erfahren.

  • Beim Tanzen gut aussehen: Das ist der schwierigste Part, denn da Du die Führenden nicht kennst, weißt Du trotz allem Beobachten nicht wirklich, was Dich erwartet. Dennoch: Gib alles, um bei Deinen Tänzen eine gute Figur zu machen. Selbst wenn Du nicht den besten Führenden erwischt hast, zeig‘ Deine Qualitäten, statt nur genervt das Gesicht zu verziehen, so werden auch andere auf Dich aufmerksam.

  • Andere Städte, andere Sitten: Es ist irgendwas anders, als Du es kennst? Die Codigos werden anders ausgelegt, es wird anders getanzt? Bewerte und beurteile so wenig wie möglich und lass Dich auf das Neue ein, soweit Du kannst. Nimm‘ die Erfahrung mit, Du musst ja nicht wiederkommen, wenn’s nicht Deins ist.

  • Plane voraus: Wenn Du mehrere Tage an diesem Ort bist, frage die Leute, mit denen Du gerne getanzt hast, wo sie in den kommenden Tagen hingehen werden oder was sie empfehlen, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Du die Veranstaltungen findest, die am besten zu Dir passen.

Und jetzt: Viel Freude beim Entdecken und natürlich beim Tanzen!

3 Kommentare zu „Alleine in der Fremde

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  1. Eine gute Zusammenstellung sinnvoller Hinweise!
    Lediglich bei dem Punkt „früh da sein“ bin ich etwas skeptisch: Das hat auch einiges an Nachteilen -> am Anfang ist wenig los, zudem tanzen am Anfang die Paare gerne erstmal miteinander (verständlich)
    Auch im Hinblick auf „vom Gastgeber besonders herzlich begrüßt“ wäre ich angesichts eigener Erfahrungen eher skeptisch. Oftmals hab ich es eher so erlebt, dass Aushilfskräfte die Kasse machen und mit „herzlicher Begrüßung“ sieht es dann dürftig aus…
    Naja, gibt natürlich auch andere Fälle, insbesondere bei Milongas mit vergleichsweise geringer(er) Teilnehmerzahl.
    Anderes Thema: Mirada&Cabeceo -> es gibt Regionen, in denen ein Auffordern mit Mirada&Cabeceo eher unüblich ist, das sollte man ebenfalls vorab „im Blick haben“ ;-), ansonsten kann man ggf. den ganzen Abend in der Gegend herumschauen und kommt nicht zum Tanzen (selbst mal gehabt…)

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    1. Ja, klar, es ist ein Unterschied, ob man auf der Großmilonga in Rom oder auf der Minimilonga in Jottwehdeh landet. Nach meiner Erfahrung sind die Milongagastgeber in der Regel die ganze Zeit anwesend, wenn auch nicht unbedingt an der Kasse. Doch oft, wenn man als Gast wahrgenommen wird, kommen sie tatsächlich von selbst auf einen zu, um zu begrüßen.

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  2. Ich denke man ist für Milongas in der Fremde recht gut gerüstet, wenn in der Heimat auf das sozialmediale Tanzpartner-Management verzichtet und sich ohne viel proaktives Hin- und Her-Geschreibsel ins Getümmel stürzt. Na und wenn es ein öder Abend wird, dann ist das halt so – könnte alleine in der Fremde auch mal passieren.

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