Verqueere Tangowelt

– Buenos Aires Vibes –

Buenos Aires ist auch bekannt für seine Queer Tango-Szene. Diese Milonga nennt sich explizit Gay Milonga. Es sind ein paar Damen da, aber es herrscht eindeutig Herrenüberschuss. Wir werden sehr herzlich begrüßt und kommen genau pünktlich zu den Shows. Zwei Tanzpaare treten auf, beide in klassischer Rollenverteilung. Frau folgt, Mann führt. Später sehe ich einen der Showtänzer jedoch nur noch mit Männern tanzen, er folgt dabei ausschließlich und er tut das in einer Vollendung und stimmigen Ästhetik, die ich so noch nie bei einem folgenden männlichen Tänzer gesehen habe. Ich kann meinen Blick kaum abwenden.

Nach einer Weile wagen ich und mein männlicher Begleiter endlich auch unsere Eröffnungstanda. Ganz traditionell: Er führt, ich folge. Nachdem wir an unsere Plätze zurückgekehrt sind, lasse ich meinen Blick nach potenziellen Tanzpartnern schweifen und mache eine Erfahrung, die ich so noch nie gemacht habe: Mir begegnen durchaus interessierte Blicke, diese sind auch alle sehr freundlich und offen und doch gilt das Interesse nicht wirklich mir, sondern eigentlich dem Herrn an meiner Seite. Ich muss innerlich schmunzeln, da kann ich natürlich nicht mithalten. Er lässt die vielen fragenden Blicke jedoch zunächst unbeantwortet. Erst als einer der Veranstalter der Milonga zu uns kommt und mich fragt, ob er ihn auffordern dürfe, was ich natürlich gestatte, geht er darauf ein. Verdrehte Tango-Welt. Doch nachdem sich meine anfängliche Irritation, ob dieses Rollentauschs nicht nur auf, sondern irgendwie auch neben der Tanzfläche, gelegt hat, fühle ich mich ehrlich gesagt ganz wohl damit. Später habe ich auch noch ausgesprochen schöne Tänze – Rollentausch inklusive – mit guten Tänzern, denen es wirklich und ganz sicher nur ums Tanzen geht, was irgendwie auch mal sehr entspannend ist.

 

In der losen Reihe „Buenos Aires Vibes“ schreiben wir auf unserem Tangoblog über Beobachtungen und Erfahrungen, die wir im Zusammenhang mit dem Tango Argentino in Buenos Aires gemacht haben.

Ein Kommentar zu „Verqueere Tangowelt

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  1. Mir persönlich ist Buenos Aires nicht für seine Queer Tango-Szene bekannt. Auf allen Milongas die ich hierzulande besucht habe, konnten selbstverständlich Frauen mit Frauen und Männer mit Männern tanzen, „Queer“ ist also weitgehend erreicht. Wie ich so höre tun die Argentinier sich damit wesentlich schwerer.
    Solange man „Queer“ und „Gay“ in einen Topf rühren kann, bleibt „Queer“ ein Minderheitenprogramm, und im Welt-Tango-Zentrum bleiben natürlich auch Minderheitenprogramme nicht unter der Decke verborgen. So viel zum Thema „beim Tango geht es nur ums Tanzen“.
    Ich denke, in Europa ist „Queer Tango“ für den Mainstream verbrannt – dafür kommt „Both-Role Tango“ in Mode, aber noch nicht aus der Nische. Also auch dort muss man sich derzeit mit einer starken Frauenüberhang arrangieren, darunter natürlich sehr gut führende Frauen, auch einige aus der lesbischen Subcommunity.

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