Milonga Small-Talk Gos

Vor einer Weile haben wir hier auf unserem Tangoblog eine Artikel-Reihe zu (rein subjektiven) Milonga-Small-Talk No Gos veröffentlicht (Nr. 1: Wie lange tanzt Du schon?, Nr. 2: Was machst Du so?, Nr. 3: Wie heißt Du?). Nicht nur wir selbst, sondern auch einige unserer Leser*innen haben uns infolgedessen gefragt: „Meckern ist einfach, aber was ist denn nun gelungener Small-Talk auf Milongas?“ Wir haben dazu recherchiert, verschiedene Tangueras befragt (danke an alle, die uns ihre Meinung mitgeteilt haben) und uns selbst unsere Gedanken gemacht. Hier kommen Sie nun, unsere Milonga Small-Talk Gos:

  • Schweigen ist Gold: Wer sagt eigentlich, dass man immer reden muss und dass Gesprächspausen stets unangenehm sind? Ob man nun – sofern für beide stimmig – in der Umarmung verbleibt, bis das nächste Lied startet, oder diese löst, kurz in die Luft oder in die Ronda schaut, den ersten Tönen des nächsten Tangos lauscht und die Umarmung wieder neu aufbaut – weniger ist oft mehr. Liebe Männer, ihr glaubt gar nicht, wie viele Frauen uns gesagt haben, dass sie weniger reden bevorzugen. Eine Tanguera sagte uns gar: „Mein Small-Talk Tipp? Ganz einfach: Shut up and dance.“
  • Der Klassiker: Was gibt’s Schöneres als ehrlich gemeinte Komplimente, egal ob sie den Tanz oder den*die Tanzpartner*in betreffen? Also: Wenn Dir was gefällt, sag‘ es.
  • Ebenfalls ein Dauerbrenner: Echtes Interesse am Gegenüber: Bei der ersten Tanda ever mit einer Person ist dabei vielleicht etwas Fingerspitzengefühl gefragt, auch wenn Dich ihr*sein Beziehungsstatus noch so brennend interessieren mag, solltest Du nicht unbedingt mit der Tür ins Haus fallen – klar oder? Grundsätzlich kommt echtes Interesse am Gegenüber aber meist an. Daher: Wenn’s Dich wirklich interessiert, frag‘ nach.
  • Meine Lieblingsfrage: Wenn ich mit jemandem tanze, der nicht aus Berlin kommt bzw. wenn ich auf einem Tango-Event bin, ist meine bevorzugte Frage (zugegeben, nicht sonderlich kreativ): „Woher kommst Du?“ Daraus entspinnt sich oft ganz von selbst – zumindest für mich als reisebegeisterte Tanguera – ein durchaus informatives Gespräch. Auf Festivals/Marathons kann auch die Frage interessant sein, welche anderen Events der*die Tanzpartner*in besucht oder empfiehlt.
  • Das Naheliegende: Es gibt so vieles auf einer Milonga, worüber man unkompliziert plaudern kann: Die Musik, die Atmosphäre, die Location. Also los…
  • Apropos Musik: Musikkenner tauschen sich über Orchester aus oder über Lieblingstandas oder bestimmte Aufnahmen, die gespielt oder nicht gespielt werden. Für andere können Gespräche über Tango-Showpaare oder Maestros unkompliziert und anregend sein.
  • Authentisch und ehrlich: „Sorry, ich bin leider echt nicht gut im Small Talk, deshalb habe ich hier mal was vorbereitet.“ – why not: „Wenn du nicht hier wärst, was würdest du jetzt machen?“, „Was fragen dich Menschen häufig zu deiner Person / deinem Namen?“, „Wenn du ein Superheld*in wärst, wer wärst du dann?“, „Was ist dein Lieblings-Smalltalk-Thema beim Tango?“, „Was war deine schlimmst/beste Smalltalk-Erfahrung?“, „Wie verhältst du dich bei Männer-Frauenüberschuss?“, „Was muss frau tun, damit dir der Cabeceo leichter fällt?“ …
  • Achtung, nur für Mutige: Lass‘ deiner Fantasie freien Lauf: Wenn schon unsinniges Zeug reden, dann bitte richtig. Mach‘ Deine Tanzpartnerin (oder Deinen Tanzpartner) zu einer Prinzessin (oder einem Prinz) aus einem fernen Land, frage, ob Du nicht in der letzten Gala über sie*ihn gelesen hast. Wenn sie*er darauf einsteigt, könnt Ihr gemeinsam eine Fantasie-Biographie erfinden, die Euch durch die ganze Tanda trägt und an die man sogar in einer späteren Tanda wieder anknüpfen kann. Klingt verrückt, aber es kann wirklich funktionieren – ich hab‘ das selbst schon erlebt.
  • Der Ton macht die Musik: Das „Wie“ ist in der Regel wichtiger als das „Was“.  Humor und Charme sind die Match-Winner. Darüber hinaus gibt es stets (mindestens) vier Arten etwas anzusprechen: Ich sage etwas über die Sache an sich – ich sage etwas über mich – ich vermute etwas über dich – ich frage dich. Grundsätzlich lässt sich alles auf jede dieser vier Arten thematisieren, bekommt aber jeweils eine unterschiedliche Note: Beispiel gefällig? „Diese Pugliese-Tanda ist so dramatisch.“ (= über die Sache) – „Ach, ich liebe Pugliese einfach.“ (= über mich selbst) – „Du bist bestimmt ein absoluter Pugliese-Fan.“ (= über Dich) – „Magst Du Pugliese?“ (= Frage)
  • Last but not least – bitte positiv: Wir alle meckern gern und viel, aber bitte nicht während der Tanda. Vielleicht ist die Tanzfläche voll und rumpelig, die Musik schwer zu tanzen, die Luft stickig, der Boden schlecht. Wenn Du es unbedingt kommentieren musst, dann bitte kurz und knapp. Danach konzentriert Euch auf was Schönes, bringt Euch in positive Stimmung, der gemeinsame Tanz wird es Euch danken.
  • False Friend „Wie geht’s?“: „Wie geht’s?“ ist tricky, denn es kann ernstgenommen werden und dann ist es ziemlich umfassend und gleichzeitig ziemlich persönlich. Ich selbst wurde für diese Frage mal von einem Milonga-Tanzpartner „gerügt“. Sie sei zu intim, wenn er sie ehrlich beantwortet, müsste er mehr erzählen, als er erzählen will. Ich habe mir diese Frage inzwischen abgewöhnt, frage stattdessen: „Gefällt es Dir hier?“ oder „Hast Du eine gute Zeit/einen schönen Abend?“ – „Wie geht’s?“ bleibt guten Bekannten und Freunden vorbehalten.

Das sind unsere Tipps bzw. die, die wir zusammengetragen haben. Wir freuen uns über Eure Ergänzungen und Erfahrungen in den Kommentaren.

2 Kommentare zu „Milonga Small-Talk Gos

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: