Technische Tango-Ausstattung

Männer mögen Autos, am liebsten mit viel PS. Und Männer mögen Smartphones am liebsten mit vielen Features. Und sie wetteifern gern, um das Schnellste, Größte oder Beste. Ja, ich weiß, das sind Klischees, aber irgendwo ist doch was dran oder nicht, meine Herren?

Männer mögen auch Tangopartnerinnen, vorzugsweise mit vielen technischen Möglichkeiten. Im Wettbewerb stehen die Herren dann darin, wer die raffiniertesten und schwierigsten Figuren mit einer Dame tanzen kann. Neben der tango-technischen Ausstattung der Dame tragen dazu natürlich insbesondere die Tanz- und Führungsfertigkeiten des Herren bei. Manchmal feuern sie sich sogar gegenseitig auf der Piste an. Ja, die Figuren scheinen ihnen schrecklich wichtig zu sein. Doch warum eigentlich? Geben Sie ihnen das Gefühl, etwas zu leisten? Etwas Zählbares und Vorzeigbares in der Hand zu haben? Ihre Fortschritte dingfest zu machen? Es lässt sich schließlich so viel leichter über Enrosques oder Ganchos reden als über Kontakt, Verbindung oder Cadencia.
Uns Folgende interessieren die Figuren – zumindest nach meiner Wahrnehmung – viel weniger. Noch nie habe ich eine Frau darüber reden gehört, welch‘ tolle Figuren dieser oder jener Tänzer mit ihr getanzt hätte.
Doch das knappe Gut am Tango-Markt sind die Herren. Sollten wir uns als Tänzerinnen vielleicht daran anpassen und zukünftig unsere technische Tango-Ausstattung wie eine Produktbeschreibung gut sichtbar tragen? So nach dem Motto: „Bei guter Führung mache ich auch Voleos.“ Oder ganz einfach: „Ich bin der Ferrari unter den Tanzpartnerinnen.“

 

20 Kommentare zu „Technische Tango-Ausstattung

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  1. Ich glaube schon das Tango ein Tanz ist, dazu gehören auch komplexere Schritte. Ist aber eigentlich völlig normal und eine tänzerische Entwicklung wie bei jedem anderen Tanz auch. Warum sollte das Kontakt, Verbindung oder Cadencia ausschliessen?

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      1. Führung, Verbindung sollten Bestandteil des Unterrichts von Anfang an sein. Wenn man später aktiv immer noch den Focus im Lernen darauf legen muss, ist es nicht in Fleisch und Blut übergegangen und somit was grundlegend falsch gelaufen. Nur zuviel Focus darauf führt leider schnell zu tapsigen Bärentango mit angehängter Dame die nicht auf ihren Füssen stehen kann. Nebenbei, auch für Ganchos, Enroques etc brauchen Führung und Verbindung. Manche Frauen mögen Gancheos, Boleos. Ob man sowas macht hängt von den Umständen ab. Da halte ich die hohen ausladenden angespitzen Ellenbogen mancher Tänzer welche im sogenannten Milonguerostil zu finden sind, für viel gefährlicher, ist aber ein anderes Thema.

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      2. Gut getanzte Voleos und Ganchos brauchen definitiv Verbindung, bei nicht so erfahrenen Tänzer/innen geht nach meiner Erfahrung aber genau die verloren, wenn komplexere Sachen getanzt werden. Da wäre aus meiner Sicht weniger dann oft mehr.

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      3. Sofern der real existierende Tango für Frauen attraktiver ist als für Männer – und man eine Geschlechterbalance anstrebt – wäre es folgerichtig, die Gewichtung weiter in Richtung „Figurendreschen“ zu verschieben.
        Ich persönlich finde es aber erstrebenswerter wenn zumindest Frauen denen es „nur ums Tanzen“ geht, auch überwiegend mit Frauen tanzen und die stressigen Figurendrescher zuhause bleiben können.

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      4. Figuren wird etwas OT. Tja die Sache mit den Figuren. Ich würde mal sagen alle tanzen Figuren ob nun vorgefertigte oder eigene. Ob nun die Ocho Cortados oder bis zum Erbrechen getanzten Halbdrehungen links rechts der hiesigen Milonguerozunft sind auch Figuren die eigentlich nur Media Lunas sind, dazwischen oft nur unbedeutendes Getapse als Lückenfüller. Figuren haben auch einen Vorteil, man kann auf etwas zurückgreifen wenn man nicht mehr so konzentriert ist. z.B nach viel tanzen auf einer Milonga, oder als Gerüst um was spezielles zu üben. Und nein für komplexe Dinge braucht man keine Figuren, die kann man auch so einsetzen, nur wird man das mit reinem „Führung, Verbindung“ nicht lernen sondern mit Technik und Verstehen der Bewegungsabläufe.

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      5. Das zu lernen ist Teil der Fähigkeit zu Improvisieren. Es zu vermitteln macht einen Schritteverkäufer zu einem Lehrer und b.t.w. keiner sagt das Tango einfach ist.

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  2. „Figuren“ sind in Gruppenstunden viel einfacher zu lehren, eben weil man darüber reden kann, weil man zeigen kann. „Kontakt, Verbindung oder Cadencia“ wird man man zumeist nur „body-to-body“ vermitteln können.

    Wobei ich bei der Unterscheidung in „Kontakt“ und „Verbindung“ schon Einflüsse aus anderen Disziplinen wittere – Contact Improvisation oder Modern Dance etwa.

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  3. Als Führener mit einer unbekannten Tänzerin, fängt man einfach an und freut sich, wenn die Führung funktioniert.
    Dann probiert man immer weiter aus, was man noch vermitteln kann. Wenn die Tänzerin einen versteht und folgen kann ist das die Politur des Egos für die eigene Führungsqualität.

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  4. …. tja die unterschiedlichen Wahrnehmungen. Das stimmt nicht, was du da schilderst.

    Zum einen stellt sich natürlich die Frage, inwieweit und inwiefern Männer tatsächlich so kompetitiv sind und sich dauernd vergleichen. Ich habe da in der Vergangenheit einige Zweifel und denke, dass dies ein überholtes Männerbild ist, das nicht mehr der Realität entspricht.

    Letztendlich kann es aber dahingestellt bleiben, denn beim Tango Tanzen sind Figuren wohl das absolute Muss. Und zwar aus weiblicher Sicht. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich mit einer Frau das erste Mal tanzte. Sie wurde mir von einer Freundin zugeführt und irgendwann schaute sie sehr irritiert. Ich fragte, was los sei. Und sie herrschte mich an, wann machst du endlich mal paar Figuren!

    Dies ist mir nicht nur einmal, sondern mehrfach passiert. Ein Tangolehrer, den ich daraufhin ansprach, meinte, man müsste in einem Tanz mindestens drei Figuren, das wäre das absolute Minimum und idealerweise fünf Figuren anbringen, dies wäre das Standardrepertoire was die Frau auch erwartet.

    Den Quatsch, wonach gehen das Schönste sei, kannst du vergessen…. Mag sein, dass du noch nie eine Frau darüber hast reden hören, welche Figuren ein Mann kann und beherrscht. Es gibt ja auch Frauen, die sagen, dass die Größe des männlichen Gemächtes kein Gegenstand ihrer Unterredungen wäre bzw. unerheblich wäre.

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    1. Nur Gehen geht kaum – ich halte einige Drehungen für unverzichtbar beim Tangotanzen. Kleinere Boleos und Sacadas ergeben sich mit der Zeit, wenn es zu gut läuft kann man auch vereinzelt zu einen Gancho ansetzen. Natürlich ohne Kontakt und Verbindung auf Risiko zu setzen.

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      1. Gestern bekam ich das Gespräch von zwei Frauen mit, die sich über das Figuren-Repertoire der anwesenden Männer unterhielten. Insofern bist du da eher wohl eine Ausnahme.

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