Ignorieren zwecklos

Tangueras brauchen auch mal Pause. Leichter gesagt als getan. Wo setzt frau sich hin, wenn sie die nächste Tanda aussetzen und aussitzen möchte? Dabei ist sie durchaus anspruchsvoll: Sie will weder den Rücken zur Tanzfläche drehen, sich in ein Gespräch verwickeln oder den Kopf Richtung pflasterverzierte Füße senken. Loriot muss ein großer Frauenversteher gewesen sein, denn sie will: Einfach nur hier sitzen.

Nur schade, dass manche Typen das nicht wahrhaben wollen. Sie stellen sich demonstrativ neben die Sitzende, immer schön den Schrittbereich in ihrem Blickfeld, ob gewollt oder ungewollt. Ein bisschen wie in der U-Bahn, ziemlich unangenehm. Einfach wegdenken? Funktioniert nicht. Er bewegt sich keinen Deut. Im Gegenteil, jetzt beginnt die harte Tour: „Willst du tanzen“ geht noch, noch schlimmer ist das Antippen. Da sieht sich wohl jemand als Märchenprinz, der Dornröschen aus der Schockstarre erlösen muss: „Los Mädel, aufstehen“. Wäre doch toll gewesen, wenn das damals bei Grimm so einfach gewesen wäre.

25 Kommentare zu „Ignorieren zwecklos

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      1. kennst du nicht? Ein aufgezogene Fähnchen auf dem Tisch sagt der Bedienung der Gast will was von ihr. Abgezogen im Moment kein Bedarf

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      2. Danke Thomas. Noch mehr Botschaften: Deswegen ziehen Frauen beim Tango ihre Schuhe aus: Nix geht! mehr 😀.

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  1. Wie wäre es denn, wenn du einfach mal Blickkontakt mit den Tänzern aufnehmen würdest und wenn er dich dann auffordert, demonstrativ wegschaust oder mit dem Kopf schüttelst. So ist der Cabeceo auch ursprünglich gedacht gewesen. Weißt du eigentlich, wie unglaublich verletzend es ist, aktiv ignoriert zu werden? Das erste Mal, als ich noch recht frisch in der Berliner Szene war, saß ich am Ende auf meinem Bett und war den Tränen nahe. Und nur um es glasklar darzustellen: Ich finde es immer noch total asozial, wenn so getan wird, als ob man andere Tänzer nicht sehen würde. Gebt den Tänzern einen Korb und gut ist! Absolut keine Sympathie den Aktiv-Ignorierern!

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    1. Lieber Mervin, danke fuer deinen Kommentar. Es tut mir leid, wenn du dich verletzt fuehlst. Ich kann das nachvollziehen: Als Folgende ignoriert zu werden fuehlt sich nicht besser an. Ich kenne jedoch auch Maenner, fuer die dies die schonende Variante ist (insbesondere im Gegensatz zu direkten Koerben, die vor versammelter Mannschaft ausgeteilt werden).

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    2. @ Mervin: wegschauen gehört für mich zur Mirada und zum Tango dazu. Es ist für Folgende einfacher und auch angenehmer. Deal with it! Auch wenns manchmal hart fürs eigene Ego ist…

      Was ich persönlich nicht OK finde: abschätzige/abwertende Blicke -> sowas muss nicht sein. Neutral schauen/wegschauen, das ist für mich OK und gehört dazu.

      Bzgl. Auffordern mit Mirada/Cabeceo: da kommt es ja auch auf die jeweilige Milonga an. Wenn du dich in manchen Milongas nur damit auffordern lassen willst, dann wird das ggf. ein recht bewegungsarmer Abend 😉

      Zudem seh ich noch ein Problem als „unbekannter“ Führender in „fremden“ Milongas: da wollen einige Damen einen zunächst mal tanzen sehen/gesehen haben und nicht die erste sein… Kommt in dem Fall natürlich noch auf weitere Faktoren an (Publikum, Verhältnis Anzahl Männer/Frauen, Tanzniveau, usw.)

      Ansonsten bei Pausenbedarf möglichst weit in die hinteren Ecken verkrümeln, soweit der Raum das hergibt. Wenn dann doch einer kommt: „Nein danke, ich brauche gerade eine Pause.“

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      1. Nein, das werde ich nicht tun! Denkst du ich ordne mich deinen verschrobenen Idealvorstellungen von Etiquetten unter? Andere Leute zu ignorieren ist wohl das Schlimmste was man ihnen antun kann. Es ist noch schlimmer als sie zu beleidigen, denn wenn du jemanden beleidigst, setzt du dich zumindest mit der Person auseinander. Es ist mir vollkommen egal, ob wegschauen für dich dazugehört oder nicht – es bleibt ein zutiefst asoziales und abwertendes Verhalten!
        Es gibt Milongas in Berlin, wo solch ein Verhalten nicht vorherrscht, wie z.B. das Loft und Tango Panoramico. Ich wünsch‘ dir noch viel Spaß beim Nachahmen von Einfallspinseln, die keinen Sinn für Anstand haben. Übrigens morgen ist Pippos beim TTC Carat. Ich glaube da wird sich wieder ganz Hanswursthausen versammeln. Da hättest du bestimmt viel Spaß. Ihr könnt euch ja dann alle gegenseitig ignorieren.

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    3. @ Mervin

      Es ehrt dich, dass du deine Verletzungen durch weibliche Ablehnungen und Zurückweisungen teilst. Gleichwohl möchte ich dir den Hinweis geben, dass ein Mann so etwas aushalten muss.

      Es geht darum, im Hinblick auf sein archaisches Erbe hat der Mann das Mammut zu erlegen, um für die Familie, den Clan Nahrung zu besorgen. Wenn dich Ablehnungen und Misserfolge so zurück werfen, bist du schlicht nicht überlebensfähig. Eine Frau spürt das. Ihr Fazit: uninteressant, nicht überlebensfähig!

      Deswegen zeige kurz deine Enttäuschung und gehe hoch erhobene Hauptes, in deiner vollen und ganzen Würde als Mann, nach dem Korb weiter. Zeige ihr, dass du mit Zurückweisungen souverän umgehen kannst. Das macht dich als Mann aus.

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  2. Es geht hier schlicht um das Anerkennen der Realität: nicht jedeR ist heiß darauf mit dir zu tanzen. Und nur weil du das hier schön ins Internet postest wird sich das auch nicht ändern 😉 Tipp von mir: werd ein besserer Tänzer und es wird mehr geben, die Lust drauf haben mit dir zu tanzen. 100% schaffst du aber nie, glaub mir 🙂

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    1. Du hast anscheinend immer noch nicht verstanden worum es überhaupt geht. Ich tanze jeden Sonntag 7 bis 8 Stunden im Loft und meistens noch an einem anderen Tag ebenso. Es ist völlig unvermeidbar, wenn man am laufenden Band andere auffordert auch mal einen Korb zu bekommen, dass ist auch überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil, es ist sehr gut die eigene Präferenz klar und deutlich zu zeigen und zu äußern. Momentan ist es so, dass ich selbst öfter aufgefordert werde, als mir eigentlich lieb ist, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich noch in den 20ern bin und weil mittlerweile fast schon jede mitbekommen hat, dass ich grundsätzlich keine Körbe verteile, aber das ist ein anderes Thema. Hier geht es einzig und allein, um die Art und Weise mit der andere Tänzer abgewiesen werden. Ich habe absolut kein Problem, wenn eine Dame mich ansieht und mit dem Kopf schüttelt. Auch habe ich kein Problem damit, wenn mir jemand ein „Nein, danke“ entgegen bringt. Andere Leute zu ignorieren und so zu tun, als ob man sie gar nicht sehen würde, ist die falsche Vorgehensweise. Und auch das Pseudoargument, es sei für die Auffordernden „schonender“ ist doch völliger Quatsch. Den Aufgeforderten ist es schlicht unangenehm jemanden abzuweisen. Aber das bedarf es, wenn man nicht tanzen möchte und es die bessere Vorgehensweise für alle Beteiligten – der/die Aufgeforderte tanzt nur, wenn er/sie auch möchte und der/die Auffordernde weiß genau Bescheid, ob die andere Person nun möchte oder nicht.
      Ich kann dir nur im dem Punkt Recht geben, dass die beste Vorgehensweise weniger Körbe zu kassieren, die ist, ein besserer Tänzer zu werden. Ebenso für die Folgenden: Die beste Vorgehensweise mehr Aufforderungen zu bekommen, ist schlicht und einfach besser zu werden. Wobei es auch gerade im älteren Segment hervorragende Tänzerinnen gibt, die knallhart sitzen gelassen werden – es bricht mir jedes Mal das Herz.

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      1. Verstehe dein Problem nicht. Lass doch die anderen woanders hinschauen, wenn die das möchten. Du möchtest doch lediglich, dass jeder den Kontakt so gestaltest, wie DU es möchtest… Reines Egoding aus meiner Sicht
        … Hinterfrag mal lieber deine eigene Haltung kritisch!

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  3. Ich finde es deutlich einfacher, wenn die Frauen ‚aktiv‘ den Blickkontakt vermeiden als demonstrativ Körbe zu verteilen. Ich find es zwar dann unschön, dass es so viele „Unaufforderbare“ gibt, aber das ist man ja schon fast gewöhnt…

    Die Grundidee von Mirada und Cabeceo ist ja die Vermeidung von peinlichen Momenten, und dazu gehört halt das höfliche „Übersehen“ von ungewollten Tanzpartnern.

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  4. Ob aktives Ignoriertwerden oder direkter Korb, beides kann als Kränkung aufgefasst werden. Muss es aber nicht. Die Abweisung eine Tanzes ist nicht die Abweisung des ganzen Menschen, sondern nur der ausdrückliche Wunsch in diesem Moment nicht mit ihm auf das Parkett zu gehen. Es ist ein Auswahlentscheidung in Anbetracht mehrer Möglichkeiten und in der Regel weder böse gemeint noch als Kränkung beabsichtigt. Nichtkommunikation ist dabei auch Kommunikation.Man kann einen Menschen nicht zum Blickkontakt zwingen und sollte es auch nicht.

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  5. Spannend, wie unterschiedlich die Ausführungen und Empfindungen beim Auffordern per Mirada/Cabeceo sind.
    Ich fordere nur bei *irgendeiner* Art von positivem Blickkontakt auf, wie auch immer, daher laufe ich nicht in die eingangs beschriebene Situation hinein.

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  6. In Marvins Äußerung „andere Leute zu ignorieren ist wohl das Schlimmste was man ihnen antun kann.“ liegt meiner Meinung nach ein Körnchen Wahrheit.
    Vor einigen Jahren brachte mir eine Argentinierin bei, welche Regeln zu beachten sind, um WIRKLICH allen ungeschriebenen Regeln einer traditionellen Milonga in Buenos Aires zu genügen (Es waren eine Menge).
    Sie (sowie eine kleine Zahl weiterer Tänzerinnen) „belohnte“ damals einen Tänzer mit konsequenter Nichtbeachtung, sobald er in ungebührlichem Maß gegen diese Regeln verstieß – oder falls es sich bei dem Tänzer gar um einen Touristen handelte.
    Sie unterschied in der Cortina deutlich zwischen „ablehnen“ und „nicht berücksichtigen“ („él no existe“).
    Sie war zu jedem gleichermaßen charmant, höflich und nett – Im Treppenhaus, an der Bar, auf den Wegen innerhalb des Veranstaltungsortes. Ja selbst zu Gringos in T-shirt und Trilby ; - )
    Aber sobald es um die Aufforderung zum Tanz ging, waren für Ihre Wahrnehmung viele Männer „grau“. Sie existierten dann einfach nicht mehr.
    Andere Männer hingegen, mit denen Sie – aus welchen Gründen auch immer – lediglich nicht tanzen wollte, wurden beim Blickkontakt zumindest nicht von ihr „übersehen“. Sie wurden mit einem kurzen Lächeln oder dem kurzen nach-unten-wenden ihres Blicks gewürdigt. Diese kurze Geste der „Ablehnung“ wurde von den Tänzern nicht als negativ wahrgenommen. Sondern vielmehr als Einladung, es zu einem späteren Zeitpunkt des Abends oder an einem anderen Abend noch einmal zu versuchen.
    Einen solchen Unterschied in der Behandlung von Menschen zu machen, halte ich nicht nur für elitär und unhöflich, sondern für das was es ist: unsozial. Bei der in Deutschland vorherrschenden Cabeceo-Kultur, hielte ich es obendrein auch für einen ziemlich vergeblichen Versuch der Übercodierung.
    Ich selbst tendiere dazu, die Mirada einer Frau eher zu ignorieren, als sie „aktiv abzulehnen“.
    Ich empfinde dies hierzulande als weniger verletzend und daher als höflicher. Vor allem, innerhalb der ersten 30 Sekunden einer neu beginnenden Tanda.
    Ist dagegen bereits der erste Titel einer Tanda verstrichen und man möchte noch immer nicht einer andauernden Mirada nachkommen, so empfinde ich es als EHRLICHER, dieser Person eine aktive Ablehnung per Blickkontakt zukommen zu lassen. Ein ehrlich gemeintes Lächeln und dann das anschließende Abwenden des Blicks stellt Klarheit für die/den Gegenüber her. Es hilft vor allen denjenigen, die lediglich eine sehr subtile Mirada pflegen… sie müssen sich nicht fragen, ob die Mirada überhaupt als solche erkannt wurde.
    Da es sich aber bei einer Ablehnung immer um das handelt, was es ist – nämlich eine ABLEHNUNG – birgt es natürlich auch immer die Gefahr der Verletzung.
    Die Überwindung zu einer nonverbalen Ablehnung eines Tanzangebots fällt genau deswegen den meisten Menschen so schwer! Nämlich WEIL es sehr verletzend sein kann.
    Jeder, der es selbst nicht übers Herz bringt, solche nonverbalen Absagen zu erteilen… der sollte sich genau DARAN vor allem DANN erinnern, wenn er selbst gerade dazu ansetzt, verbal zu einer Tanda aufzufordern.

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  7. Hallo Jungs,

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir sind in Berlin mit einer Fülle von Milongas gesegnet. Wenn es euch nicht passt, wie die Damen reagieren (Korb mit oder ohne Kopfschütteln, aktives ignorieren oder was auch immer) sucht euch eine andere Veranstaltung aus. Als Anfängerin habe ich im Loft lernen müssen, verbale Körbe zu verteilen. Das war mir persönlich sehr unangenehm und habe deswegen sehr bald aufgehört, diese Milonga zu besuchen. Ich wünsche den Loft Besuchern viel Spaß und freue mich, dass es im Tango Platz für alle gibt.

    Cheers!

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  8. Das Problem der Verfasserin und Ingrid kenn ich nicht, hätt ich aber gern, da ich Ü40 bin und niemand Schlange steht, egal wie ich mich aufbretzel. Beide dürften in den 20ern sein.
    Junge Frauen werden immer aufgefordert, egal wie wenig sie können.
    Daher kann ich beide trösten: wenn sie älter werden, bleiben diese lästigen Aufforderungen von alleine aus.
    Den Herren ruf ich zu, nicht nur nach Oberflächlichkeiten auszuwählen, es sitzt genug Material herum.

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    1. Liebe Frauke, wir Autorinnen sind alle nicht mehr in den 20ern. Mir ist die Situation auch nur einmal passiert. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Es ist einfach traurig, dass das, was du beschreibst, so verbreitet ist. Einen weiteren Faktor hat mir einmal eine Tangofreundin verraten. Sobald klar war, dass sie heiraten würde, war es vorbei mit den Aufforderungen.

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    2. Aus meiner Sicht gibt´s im Wesentlichen zwei Gründe, warum eine Frau häufig(er) aufgefordert wird:

      1. „Gute“ Tänzerin (was auch immer das dann im Einzelnen beinhaltet…)
      2. Jung/gutaussehend

      Das ist zumindest meine Beobachtung…

      Ich pflege allerdings den gegenläufigen Trend 😉 :
      Bei 1. stell ich mir häufig die Frage, ob mein Tanzlevel zu ihrem passt und lasse es dann, bei 2. frage ich mich meist selber, ob das nicht ein bisschen „platt“ ist und lasse es dann.

      Tja, alles nicht so einfach… 😉

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