Entscheide Dich – bitte!

Wir haben die Qual der Wahl. Wir wählen zwischen unzähligen Tangolehrern, vielen Tanzpartnern und verschiedensten Milongas.
Berlin ist bekannt als Stadt der Multioptionalitäten, in der sich kaum jemand wirklich festlegen möchte und in der man sich Entscheidungen gern bis zuletzt offen hält. Commitment ist out.
Berlin ist auch bekannt als eine der weltweiten Tango-Hauptstädte und zwingt uns so im Tango zu Entscheidungen, wenn wir nicht, überfordert vom Angebot, entscheidungsunfähig auf der heimischen Couch bleiben wollen.
So entscheiden wir uns für Tango-Lebensabschnittsgefährten aka Tanzkurspartner, für Tanzschuhe, die durchaus eine nicht ganz kleine Investition darstellen, für Kleider, mit denen wir uns auf dem Milonga-Marktplatz präsentieren. Und natürlich für und gegen die Milongas selbst. Wöchentlich flattern die Einladungen – natürlich digital – ins Haus, die wir mit dem kindlichen  „Ja – Nein – Vielleicht“ oder erwachsener mit „Zusagen – Interessiert – Absagen“ beantworten können. Wir können sogar sehen, wie die anderen aus unserer Tangogemeinde sich entschieden haben. Folgen wir lieber der Masse oder dem eigenen Bauchgefühl? Doch nach dem „Ja, ich will“ kommt der Zweifel. Dann fragen wir uns den ganzen Abend, ob die Entscheidung richtig war. Schlimmstenfalls whatsappen wir unentwegt mit unseren Tangofreunden, um herauszufinden, ob woanders nicht viel mehr los, die Musik viel besser oder die Atmosphäre entspannter ist. Wenn wir dann endlich, endlich zum Tanzen bereit sind, entscheiden wir uns für einen Tanzpartner, zumindest für die Dauer einer Tanda. Was für ein Glück, dass die Etiquette verlangt, dass wir zu dieser Entscheidung stehen. Eine Tanda lang, ohne Zweifel, ohne Klagen und ohne heimlich, hinter dem Rücken des Tanzpartners, schon Pläne oder gar Verabredungen für die nächste Tanda zu treffen: „Ja – Nein – Vielleicht.“

Ein Kommentar zu „Entscheide Dich – bitte!

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  1. Ja, das sind jetzt alles so Fragen. Ich kenne sie auch. Auch bei Männern tauchen solche Fragen ab und zu auf. Zu allen möglichen und unmöglichen Gegebenheiten.
    Nach früherer Auffassung seien diese Fragen einer Lösung zuzuführen und aufzulösen. Nach neuerer Auffassung soll man sie einfach kommen und vorbeiziehen lassen und sich dann beispielsweise dem Tango widmen. Ist dieser doch ein erotisierter Überlebenskampf, der den Anschein erhebt, einen aus der Melancholie führen zu können.
    Darüber hinaus, egal, was vorher passiert ist, wie es dir gerade geht und was dich eventuell belastet, mit Beginn der Musik und der konzentrierten Bewegung beginnt eine neue Welt und Zeitrechnung.

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