Klasse Kasse: Ein Loblied auf die Cash Cows

Kassierer*innen haben ein schlechtes Image. Oft werden sie als Opfer dargestellt. Überwacht, gedemütigt, gefeuert. Schleckerfrauen singen ein Lied davon. Wie sieht es aber in der Tangoszene aus? Bekommen sie den Respekt, den sie „verdienen“?

Warum das so wichtig ist? Neulich waren nur zwei Pärchen auf der Tanzfläche, draußen war es ungemütlich. Aber sie war da, sie ist immer da! Sie ist eine treue Seele!

Werden Kassierer*innen überhaupt wahrgenommen? Von mir schon. Wenn ich in ihr vertrautes Gesicht blicke, fühle ich mich gleich wie Wohnzimmer. Da gebe ich gerne meine Taler her. Oder sorge für einen Einstiegswitz. Sie soll ja auch einen schönen Abend haben.

Ja und ich kenne nur nette Kassierer*innen, weit entfernt von Türstehern wie die im Berghain (ich war zwar noch nicht da, aber natürlich bin ich mir sehr sicher, dass die alle sehr böse sind). Ob das immer so sei fragte ich neulich einen Gastgeber in Berlin. Nein, er würde auch andere kennen, aber in letzter Zeit falle ihm das nicht mehr auf. Heißt das tatsächlich, dass Kassierer*innen theoretisch auch Leute rausschmeißen, z.B. weil sie den Dress Code missachten? Ich bekomme Angst.

Der Arbeitsplatz? Eine Installation, wie sie im Guggenheim stehen könnte: Ist Kunst kann aber nicht weg. Meist ein improvisierter Tisch, ein Pappkärtchen mit dem aktuellen Börsenkurs und eine alte grüne Kasse mit silbernem Tragegriff. Praktisch und flüchtig. Manchmal wird noch eine Stuhlreihe oder eine ganze Garderobe im Hintergrund deponiert. Ein eigenes Bühnenbild, wie hübsch! Hinter dem Rücken der Kassierer*in klirren dann Kleiderbügel, stapeln sich Taschen, krabbeln buckelige Gebückte. Und bei der Suche nach ihren Habseligkeiten stieren sie ungewollt auf den Allerwertesten der Kassier*in. Aber die? Die bleibt ganz ruhig, wie eine weidende Kuh, sozusagen wie eine Cash Cow, was nett gemeint ist. Während eine Kuh jedoch meist steht, sitzt die Kassier*in die ganze Zeit. Sitzen ist das neue Rauchen, insofern wäre da ein Gefährdungszuschlag angebracht. Ich werde dazu gleich einen Brief an die Gewerkschaft aufsetzen. Nicht, dass sie irgendwann nicht mehr da ist, das geht nicht. Wobei ich es verstehen könnte.

Die Anforderungen wollen ja schier nicht enden. Neben Dauersitzen auch noch Multitasking. Flyer sortieren, Mensch begrüßen, Geld waschen, Striche machen, manchmal sogar auch noch Getränke ausgeben. Nicht verzetteln. Das kann auch nicht jeder. Ehrlich nicht.

Und was bekommt sie letztlich dafür? Den Mindestlohn, ein kleines Taschengeld oder nur einen Kuss auf die Backe? Ohne sie rollt kein Rubel. Da dürften es netto auch ein paar Penny mehr sein.

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