Grenzgänger*innen

Anlässlich unserer Männerwoche, die wir zum internationalen Frauentag initiiert haben, wurden wir gefragt, ob wir „Ossies“ seien, da dieser Tag eine „DDR-Erfindung“ wäre.

Es erstaunt mich immer wieder, wie stark die Teilung in Ost und West noch in vielen Köpfen verankert ist und welche Relevanz sie zu haben scheint.

Ich sehe es in diesem Fall so: die Frage „Wer hat’s erfunden?“ ist mir relativ egal, sofern das Kräuterli hilft. Daher nur ein kurzer Überblick:
Der erste Frauentag wurde 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Danach wurde er in verschiedenen Ländern und politischen Systemen unterschiedlich begangen und teilweise instrumentalisiert.
1975, im internationalen Jahr der Frau, richteten die Vereinten Nationen am 8. März eine Feier aus, der weitere UN-Veranstaltungen folgten. Seit 1995 hat sich der jährliche internationale Frauentag etabliert.

Viel mehr hat mich die Frage nach Ost oder West aber angestoßen, über Grenzen nachzudenken. Wo begegnen mir Grenzen, wo stoße ich an meine eigenen, wann übertrete ich, bewusst oder unbewusst, Grenzen und wann werden meine übertreten?
Wann ist dieser Prozess sinnvoll, wann übergriffig, wann lustvoll und wann schmerzhaft? Wo sind die Grenzen im Tango und Tango-Bloggen?

Im Tango stoße ich noch oft an Grenzen. Zum Beispiel die meines Könnens oder auch in der Kommunikation mit meinem jeweiligen Tanzpartner oder in der Fähigkeit aufzufordern und aufgefordert zu werden.

Meine Grenze vom Außen zum Innen wird ein wenig durchlässig, wenn ich während des Tanzens den Duft meines Tanzpartners „einsauge“ und manchmal erlebe ich, wie im Tango zwei Körper zu einer wundervollen Einheit verschmelzen.

In der engen Umarmung mit häufig unbekannten Tanzpartner*innen durchbrechen wir im Tango die im gesellschaftlichen Kontext „gewohnte“ körperliche Nähe.
Wenn Frauen führen und die noch viel zu häufig männlich konnotierte Rolle übernehmen, überschreiten sie Gender-Normen. Dies gilt ebenso für folgende Herren. Beides empfinde ich als willkommene Bereicherung.

Als Tangobloggerinnen öffnen wir die Grenze von privat zu öffentlich, lassen andere in unsere Gedankenwelten und werden im Gegenzug eingeladen, in fremde Ideen, Gedanken und Gefühle einzutauchen.
Kurios wird es, wenn die Grenzen zwischen Wahrheit und Wahnvorstellungen verschwimmen. So lasen wir eher zufällig in einem Forum, dass ein Tänzer uns angeblich auf einer Milonga traf und sich mit uns über andere Blogger ausgetauscht hätte. Daraus wurde in einem weiteren Kommentar ein amouröses Irgendwas.

Wozu solche Fantasien gut sind, kann man nur vermuten. Vielleicht soll hier die eigene „Beschränktheit“ überwunden werden? Definitiv werden damit aber unsere Grenzen und die des guten Geschmacks übertreten.

Ich wünsche mir einen sensiblen Umgang mit Grenzen, ein neugieriges Hinterfragen, ein sanftes Herantasten, ein lustvolles Durchbrechen überflüssiger Beschränkungen und das kraftvolle Niederreißen ideologischer und unheilvoller Grenzen.

2 Kommentare zu „Grenzgänger*innen

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