Karussell fahren

Ich drehe mich im Kreis. Gefühlt seit Stunden. Rechtsrum, linksrum – mehr links als rechts. Immer auf derselben Stelle, kein Vorankommen. Vor – seit – rück – seit – vor – seit – rück – seit und nochmal von vorn. Es ist wie Karussell fahren früher auf der Kirmes. Er steht in der Mitte, macht nicht viel, kreist um sich selbst. Ich hopple unentwegt wie ein Springpferdchen im Kinderkarussell um ihn herum. Ihm scheint es zu gefallen. Vor – seit – rück – seit – vor – seit – rück – seit. Mir wird langsam schwindlig – er hat Spaß. Vor – seit – rück – seit – vor – seit – rück – seit. Mein Pferdchen schnaubt, wird störrisch, bockt. Könnte er meine Drehung mal standesgemäß begleiten? Ist das zu viel verlangt? Ist ihm egal. Hauptsache ich drehe, flott und stabil. Er hält die Zügel fest in der Hand: Vor – seit – rück – seit – ohne Erbarmen, aber mit Verdopplung natürlich. Runde um Runde mache ich um ihn herum. Zur Ablenkung denke ich an Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und Schokoküsse. Ob dieses Karussell wohl jemals wieder anhält? Mit etwas mehr Verbindung oder Kontakt könnte er vielleicht merken, dass mir vom vielen Drehen schon ganz schlecht ist. Aber nein, er merkt es nicht. Stattdessen macht er weiter – bis mein Pferdchen mit mir durchgeht.

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