Meine Tango-Bewerbung

Ich muss mich bewerben und zwar für einen heiß begehrten Tango-Marathon. Da kann man nicht einfach so teilnehmen. Man muss seine Unterlagen einreichen und sich einem dezidierten Auswahlprozess unterziehen. Hier ist er also, mein Tango-Lebenslauf.

 

Tango-Lebenslauf

Persönliche Daten
Die wichtigsten Angaben werden direkt im Bewerbungsformular abgefragt: Name, Geschlecht, Rolle im Tanz, Herkunft, Alter.

Ausbildung
Dieser Abschnitt scheint nicht so wichtig. Es interessiert nicht, bei welchen Lehrern ich wie viele Stunden Unterricht genommen und welche Themen ich besonders vertieft habe. Auch welchem Stil ich mich zugehörig fühle, ist sekundär – Indikatoren für meinen Tanz sind andere.

Tanzerfahrung
Hier wird’s interessant. Welche Veranstaltungen besuche ich, auf welchen Festivals, Marathons oder Encuentros war ich bereits, welche Organisatoren haben mich akzeptiert, zu welchen Milongas gehe ich?

Referenzen und Netzwerk
Das ist vermutlich der wichtigste Punkt meiner Tango-Bewerbung. Sie muss zwingend aufzeigen, wen ich kenne, am besten natürlich VIPs der Tangoszene, gute Tänzer, Lehrer, Veranstalter oder DJs. Entsprechende Kontakte erhöhen die Erfolgschancen enorm. Indirektes Vitamin B also – direktes Vitamin B wäre natürlich noch besser, dann bräuchte ich die Bewerung vielleicht gar nicht.

Bewerbungsfotos
Nein, nicht nur ein Foto, möglichst viele braucht‘s für eine standesgemäße Tangobewerbung. Am besten von offiziellen Fotografen namhafter Festivals im Arm von bekannten Tangogesichtern. Das erinnert an die Sedcard bei Models. Diese Beweisfotos lügen nicht. Sie belegen die Angaben meiner Bewerbung und zeigen darüber hinaus klipp und klar, in welche Kategorie ich falle: alt oder jung, dünn oder dick, groß oder klein.

Besondere Kenntnisse
Pluspunkte im Auswahlprozess bringt es auch, wenn ich angebe, dass ich mich für Show-Auftritte, Tango-Orchester oder aktuelle Geschehnisse der Tangowelt interessiere, denke ich mir und integriere unter diesem Punkt passende Videos und Berichte in meine Bewerbungsunterlagen.

Nebentätigkeiten
Wer will schon ein Tango-Nerd sein? Natürlich schaue ich über den Tellerrand hinaus. Kochen mit Freunden, Theaterbesuche, Höchstleistungen beim Crossfit oder Waldspaziergänge? Perfekt. Damit wirke ich wahlweise gesellig, intellektuell, körperbewusst oder naturverbunden. Brauchbar für anregende Kommunikation auch jenseits des Tangos also.

Interessen
Ich habe den Eindruck, dass in der Tango-Welt ein gewisses Interesse an Bildung und Kultur auf Anerkennung stößt, außerdem sind psychologische Themen en Vogue und eine Schwäche für Spirituelles ist auch nicht abträglich. Tangotänzer*innen sind anscheinend kritische, aber einfühlsame Denkertypen, die wissen, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als das, was man anfassen kann. Passend zum Tango. Nun gut, auch das kann ich bieten.

Es ist vollbracht. Die Bewerbungsunterlagen sind fertig, die Chancen auf die begehrte „You are In“-Mail maximal erhöht. Jetzt schnell anmelden beim Marathon, Link zum Facebook….äh…Tangoprofil einfügen und Daumen drücken.

7 Kommentare zu „Meine Tango-Bewerbung

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    1. Etwas überspitzt – Ja. Fake News – nein. Immer wieder höre ich Menschen sagen: „Ich muss mein Facebook-Profil noch etwas pimpen. Ich will mich bei Event XY anmelden.“ Wobei sicherlich Damen mehr betroffen sind als Herren.

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      1. Schon mal den Namen Lysistrata gehört? Ich bin ja auch ein Kerl und finde es toll, von gefügigen Frauen umschwärmt zu werden. Aber das ist würdelos. Ich will starke, grausame Göttinen anbeten können und keine ängstlichen kleinen Mädchen.

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