Klartext und Katzenjammer

Manchmal vernimmt man die Klage, die Tangoszene sei so negativ, besonders in Berlin. Nie könne man es ihr recht machen. Befindlichkeiten, Empfindlichkeiten, Kritik, Katzenjammer, Beschwerden. Es kann doch nicht etwa sein, dass die Tango-Texte auf uns abfärben?

Also Klartext statt Katzenjammer:

Tres cosas lleva mi alma herida: Amor, Pesar, Dolor.
(Los Mareados)

Wir sind eigentlich ganz normale, zufriedene Menschen. Wenn wir ehrlich sind, geht’s uns nicht wirklich schlecht, sonst hätten wir weder das Geld, noch die Zeit so viel zu tanzen. Doch das mag natürlich keiner so recht zugeben.

Todo el mundo está esperando mejorar su situación;
todos viven suspirando con razón o sin razón.
Todo el mundo se lamenta si en la buena ya no están
(La vida es una milonga)

Denn wir lamentieren schon ganz gern und natürlich leiden wir selbst immer am allerschlimmsten.

Sé que mucho me has querido tanto, tanto como yo;
pero, en cambio, yo he sufrido mucho, mucho más que vos.
(Toda mi vida)

Dabei dürften wir eigentlich nicht klagen, denn wir haben mindestens eine große Liebe, wir lieben den Tango. Wirklich! Auch wenn der Beziehungsstatus meist lautet: „Es ist kompliziert“.

Che, Tango, che,
rante y mishé, que me drogás y corrompés, che, Tango, che.
Y menos mal que me querés, si no yo no sé, che, Tango, che.
(Che Tango che)

Immerhin das Tanzen tröstet, egal welcher Kummer uns sonst gerade belastet.

Bailemos, como antes, cariñito,
abrazados, bien juntitos, sólo un alma entre los dos.
(Bailemos)

Und hey, wir leben schließlich in der „coolsten“ Stadt Deutschlands, die uns, wenn schon nicht Heimat, so dennoch Zuhause ist. Widersprüchlich, unruhig, chaotisch und irgendwie unfertig wie wir selbst.

Barrio… barrio.. que tenés el alma inquieta de un gorrión sentimental.
(Melodía de arrabal)

Arm, aber sexy sind wir hier in Berlin. Bezahlt wird schlecht, gute Jobs gibt’s nicht so viele, gleichzeitig steigen die Mieten, als wären alle Großverdiener. Aber wir arrangieren uns damit – irgendwie.

Cuando voy a mi cotorro y lo veo desarreglado,
todo triste, abandonado, me dan ganas de llorar.
(Mi noche triste)

Wenn nur das Wetter besser wäre. Die langen grauen Wintertage, von denen wir hier eindeutig zu viele haben, schlagen auf’s Gemüt, da werden die Gedanken düster, ist ja kein Wunder.

Qué ganas de llorar en esta tarde gris, en su repiquetear la lluvia habla de ti.
(En esta tarde gris)

Doch einsam dürften wir wahrlich nicht sein, die Milongas sind doch gut besucht und wir haben ach so viele Tango-Bekannte.

Los amigos ya no vienen ni siquiera a visitarme,
nadie quiere consolarme en mi aflicción.
(La Cumparsita)

Rastlos suchen wir dennoch stetig weiter, wonach auch immer, und warten auf bessere Zeiten, besseres Wetter, den richtigen Job, den Lottogewinn, träumen heimlich vom Durchbruch als Tangotänzer*in und natürlich von der große Liebe.

¡No estás! Te busco y ya no estás.
Espina de la espera que lastima más y más…
(Que falta que me haces)

Doch wie kommen wir nun raus aus der Tango-Depression und der Endlos-Litanei?

Alma, si tanto te han herido
¿Por qué te niegas al olvido?
¿Por qué prefieres llorar lo que has perdido
buscar lo que has querido
llamar lo que murió?
(Desde el alma)

Vielleicht durch die Hoffnung auf eine rosigere Zukunft….?
Ähm Moment, ist das überhaupt noch Tango?

El día que me quieras no habrá más que armonías,
será clara la aurora y alegre el manantial.
(El día que me quieras)

Immerhin eins ist sicher: Wenn gar nichts mehr hilft, retten uns unsere Träume und ein Vals – was sonst?

Despertar es matar esperanzas y enfrentar a la cruel realidad…
Es por eso que quiero que sueñes, que soñando jamás llorarás.
(Soñar y nada mas)

2 Kommentare zu „Klartext und Katzenjammer

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