Tangofrei

„Ich mache heute tangofrei“. Das höre ich in letzter Zeit immer öfter und klingt jedes Mal wie eine Entschuldigung. „So sorry“. Aber was steckt eigentlich dahinter? Wieso finde ich dazu nichts im Duden? Da hilft nur Herleiten, wie damals in Mathe. Neulich lauschte ich einer ganz anderen Diskussion,  im Radio oder vielleicht war es auch bei BR Alpha. „Glücklich ohne Nachwuchs“. Aus dem kinderlos wurde kinderfrei. Frei ist nämlich gewünscht, los ist Mangel. Müsste es daher neben tangofrei auch tangolos geben? Ich kenne Tango in Lodz, aber tangolos? Nun, den Zustand kennt sicher jeder. Du willst tanzen gehen, aber du gehst nicht los. Weil dein Fuß schmerzt, du morgen früh raus musst, niemand mitkommt. Und dann hängst du da in der mangelhaften, ungewollten Tangolosigkeit, du Opfer. Und bist ganz weit weg vom tangofrei, der bewusst gewählten Auszeit, für einen Abend oder auch für richtige Detoxwochen. Das ist ja schon schizophren: Sich von etwas freimachen bedeutet doch etwas Negatives loszulassen. Wie von einer Krankheit, einer Sucht. Zu viel Tango ist also auch nicht gut. Bald wird es Treffen für anonyme Aussteiger geben. Die es geschafft haben, für immer tangofrei oder tangoclean zu bleiben. Und sich vorsichtshalber tangofreundefrei machen, um den Rückfall zu verhindern. Was für ein Los!

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