Tanzen lernt man nicht vom Zuschauen – oder doch?

Spiegelneuronen - 3d Render

Tango war lange eine ausschließlich aktive Angelegenheit für mich. Sehr gerne habe ich zwar zugesehen, wenn auf einer Milonga eine Show getanzt wurde, aber darüber hinaus habe ich mir sehr selten Shows oder Videos angeschaut.

Das hat sich aus verschiedenen Gründen geändert.

Es fing damit an, dass mir einer meiner Lehrer empfahl, mich auf YouTube durch die verschiedenen Tango-Videos durchzuklicken. So könne ich nochmal weitere Tanzstile kennenlernen und vor allem auch besser benennen, wohin ich mich tänzerisch entwickeln möchte. Außerdem sagte er, dass auf diese Weise meine Spiegelneuronen mehr Futter bekämen. Meine Spiegel-bitte-was? Was sollte ich da haben, ohne es zu kennen?

Ich machte mich an die Recherche und war beeindruckt!

Laut Wikipedia sind besagte Spiegelneuronen Nervenzellen, die im Gehirn von Primaten beim Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster zeigen, wie bei dessen „eigener“ Ausführung.

Welche Funktion und Auswirkung die Spiegelneuronen beim Menschen haben, scheint noch nicht erschöpfend erforscht zu sein, aber es gibt ein paar sehr spannende Hinweise und Untersuchungen. So seien die Spiegelneuronen beim Lernen durch Nachahmung beteiligt. Wenn wir eine Bewegung beobachten, werden genau die Areale im Gehirn aktiv, die es auch bei der tatsächlichen Ausführung wären. Sie können uns somit helfen, eine Bewegung zu erlernen.

Bei Zuschauern einer Tanzaufführung führten die Spiegelneuronen quasi zu einem „inneren Mittanzen“. Über die Aktivität im Gehirn konnte zudem eine gewisse Muskelresonanz beobachtet werden. Das ganze geschah vollkommen unbewusst.

Allerdings ahmt unser Gehirn nur das „Sichtbare“ nach. „Unsichtbares“, wie zum Beispiel die Anspannung der Bauch- oder Rückenmuskulatur im Tanz, die nicht immer gleich erkennbar ist, wird (meist) nicht erfasst. Beobachtet aber Jemand eine Bewegung, die sie/er im Kern kennt, kann auch das „nicht-Sichtbare“ erfasst und somit Gehirn und Muskeln entsprechend aktiviert werden. Dies erklärt sich aus dem Wissen darüber, welche Voraussetzungen für eine bestimmte Bewegung erforderlich sind.

Auch die reine Vorstellung einer Bewegung lässt nach aller Wahrscheinlichkeit unsere Spiegelneuronen aktiv werden. Das würde erklären, warum „mentales Training“ bei Sportlern so gut funktioniert. Diese stellen sich ihre Bewegungen oder Abläufe vor oder Beobachten andere gute Sportler und können so einen positiven Einfluss auf die eigene sportliche Leistung nehmen.

Nachdem ich das Alles gelesen hatte, unterhielt ich mich wieder mit meinem Lehrer. Wir sprachen über einen Anfänger-Kurs der gerade lief und darüber, dass ich inzwischen „Tanz- oder Haltungs-Fehler“ erkenne, die mir vor einem Jahr noch nicht aufgefallen wären. Dabei entstand die Frage, ob man generell lieber guten als schlechten Tänzer*innen zuschauen sollte, da man bei den schlechten ja auch „innerlich“ mittanzt. Ob dies so ist, oder ob ein negatives Beispiel in Kombination mit dem Wissen, wie etwas eigentlich funktioniert, auch zu einer Verbesserung führt, konnte ich noch nicht herausfinden. In jedem Fall finde ich es aber spannend, darüber nachzudenken.

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