Alle Jahre wieder…

…stelle ich mir die Frage, was ich an Weihnachten mache.

Bevor ich jedoch dazu komme, plage ich mich erst einmal mit weiteren, neurotisch anmutenden, Fragen.
Mein Klassiker ohne bisherige Antwort: Darf ich Weihnachten überhaupt feiern?

Ich bin nicht besonders religiös veranlagt. Und auch keine Christin. Teile meiner Mischpoche sind jedoch evangelisch.
Vergangene Dezemberfeierlichkeiten litten dann durchaus unter Diskussionen wie: War Luther wirklich Antisemit oder nur ein „Opfer seiner Zeit“? Darf eine Chanukkia oder Menora neben, vor oder unter dem Weihnachtsbaum stehen? Gehen wir alle dieses Jahr lieber lecker türkisch um die Ecke essen? Singen wir alle gemeinsam das Om mani padme hum, zuliebe sich buddhistisch orientierender Familienmitglieder?

Trotzdem zelebriere ich Weihnachten, seitdem ich denken kann – und möglicherweise auch schon länger. Als Familienfest, gegenseitiges Geschenke schenken, Anlass zum Spenden, Freund*innen zu sagen, wie wichtig sie mir sind und um inne zu halten und darüber nachzudenken, was im Leben wichtig ist.

Immer aber fühle ich mich unter dem Zwang, an diesen Tagen etwas Besonderes tun zu müssen.
Selbst, als ich ein Weihnachten nur gemütlich auf meiner Couch verbrachte, sollte es besonders sein. Besonderes Essen, besondere Filme, besondere Musik, besondere Bettwäsche, besonderes Parfum etc.

Das aber nur so am Rande.

Dieses Jahr plagt mich die Frage: Wie steht es mit dem Tango an Weihnachten?
Bisher gab es bei mir nur passiven Tango, in Form von Musik, Literatur oder Filmen.

Soll ich dieses Mal auf eine Milonga gehen? Wäre das schön und etwas Besonderes?

Ich erinnere mich an ein Erlebnis vor vielen, vielen Jahren als ich noch lange nicht Tango tanzte. Mit einer Freundin ging ich spät am Heiligen Abend in einen Club. Dort stoßen wir (gefühlt?) ausschließlich auf Paare, die sich anscheinend gegenseitig zu Weihnachten schenkten und ihr Glück mit aller Welt teilen wollten. Neidlos erkenne ich dies als, wenn auch möglicherweise nicht gerade zurechnungsfähigen, aber wundervollen Zustand an.
Für zwei vergnügungssüchtige Single-Frauen jedoch nicht gerade das Paradies auf Erden und ein prägendes Erlebnis.
Wann und warum wurde aus dem Fest rund um die Geburt Christi eigentlich das Fest der Liebe?
Ich war Weihnachten nie wieder in irgendwelchen Clubs oder auf Tanzveranstaltungen. Weder als Single, noch als Teil eines Paares.

Dieses Jahr wäre ich als Single unterwegs. Ich finde das Single-Dasein durchaus passabel, gebe aber zu, dass ich lieber ein Teil von zweien bin.
Was würde eine Milonga mit mir machen? Welche Stimmung würde die Musik an Weihnachten in mir hervorrufen? Gäbe es wieder nur Paare und ich hätte weder Tanz- noch Gesprächspartner*innen? Würde ich mich dann möglicherweise besonders unwohl fühlen?

Da bis Weihnachten noch etwas Zeit ist, nehme ich gerne sachdienliche Hinweise zu meiner Tango-Weihnachtsgestaltung entgegen und wünsche jetzt schon mal einen tollen Bodhi-Tag, ein schönes Chanukka, und frohen Weihnachten.

4 Kommentare zu „Alle Jahre wieder…

Gib deinen ab

  1. Einige Fragen und bisher keine Antwort? Da bekommen ich wieder Lust zum schreiben:
    „Darf ich Weihnachten feiern?“ – Ja. Als christliches Fest: Kein Christ wird das jemandem verwehren. Die Christen haben Weihnachten genug mit sich zu tun und wenn nicht, dann sollten sie sich freuen, wenn jemand mitfeiert. Als weltliches Fest: Da macht sowieso jeder mit. Können muss man es, das feiern – damit verhält es sich ähnlich wie mit dem Tangotanzen, nur die Anforderungen sind andere.
    „Wie steht es mit dem Tango an Weihnachten?“ In der Tango-Provinz jedenfalls schon immer schlecht. Zwangspause. Musik und Tanz gehören eigentlich zum Feiern dazu. Nur das Weihnachtsfest hat bei uns so gar keinen Bezug zum Tanzen. Ich wäre nicht überrascht, wenn es genauso wie am Karfreitag verboten wäre.
    „Wann und warum wurde aus dem Fest rund um die Geburt Christi eigentlich das Fest der Liebe?“ Keine Ahnung. Das müsste es eigentlich schon immer gewesen sein. Nur wird vielleicht die Liebe nicht richtig verstanden. Diese Liebe ist keine Gefühl oder Zustand, sondern eine Tätigkeit. Die Liebe, die in unserem Kulturkreis zu Weihnachten tatsächlich zelebriert wird, ist erfahrungsgemäß geprägt von Kompromissen und persönlichem Zurückstecken. Für die Identitätsfindung von Familien dürften Weihnachtsfeste wichtige Meilensteine sein. Erstrebenswert hätte ich das nie gefunden, aber wie schon gesagt: Feiern muss man auch lernen, wie auch das Zusammen-leben oder zusammen tanzen.
    „sachdienliche Hinweise zu meiner Tango-Weihnachtsgestaltung“ Ob Milonga oder nicht, wird das Herz oder Bauchgefühl schon verraten. Wenn die dritte Frage wirklich zur Beantwortung ansteht und nicht nur ein Ausdruck der Unzufriedenheit sein sollte, dann kann ich gerade nur empfehlen, 2 Stunden für diese dann wohl noch in der Mediathek verfügbare Radiosendung zu opfern:
    http://www.deutschlandfunk.de/neues-weihnachtsoratorium-von-joerg-herchet-in-der-zeit-im.1988.de.html?dram:article_id=397894
    Nirgendwo ist bisher der Sinn des Weihnachtsfestes für mich klarer und verständlicher geworden, als in dieser Text- und Musikdichtung. Die Macher haben sich wirklich Gedanken gemacht, dort wird nichts nachgeplappert. Die erläuternden Texte der Radiosendung setzen noch einen drauf. Besonders ist auch der für unser Weihnachtsfest so untypische Bezug zum Tanz als Bild für die kosmische Dimension des Werden und Vergehen. Diese Musik ist aber schon ganz schön abgefahren, anders kann ich es nicht ausdrücken. Sehr viel volkstümlicher geht es in der „Missa criolla“ von Ariel Ramirez zu, die sich Lateinamerikaner gern auch zu Weihnachten anhören, worin argentinische Volkstänze eine zentrale Rolle spielen und die Botschaft, wenn man es sich recht überlegt, dieselbe ist.

    Gefällt mir

    1. Shalom Chajim,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und den Link. Ich werde mir an Weihnachten gerne die Zeit nehmen, ihn zu hören. Und mein „Bauch“ hat sich inzwischen für die Milonga entschieden 🙂
      Das Liebe eine Tätigkeit ist, sehe ich ähnlich, ich würde mir aber wünschen, dass sich diese Tätigkeit nicht nur an Weihnachten findet 😉 und nicht aus der Angst heraus, davon selbst nicht genug zu bekommen.

      Schöne Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr

      Gefällt mir

    1. Hallo Brian!
      Klasse – die Geschenke haben mich überzeugt – haha!
      Nein, im Ernst – es ist in der Tat die Entscheidung für das Loft gefallen!
      Liebe Grüße und ein schönes Fest wünsche ich Dir dann morgen im Loft!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: