Zeig mir Deine Schuhe und ich sage Dir, wie Du tanzt!?!

Ich stehe mit M. (guter Bekannter, guter Tänzer) am Rand der Tanzfläche und wir beobachten das Geschehen.
„Bevor ich eine Frau auffordere, schaue ich erst, wie sie tanzt, dann entscheide ich, ob ich sie auffordere“, sagt M. zu mir.
„Und wenn sie die ganze Zeit sitzt und nicht tanzt?“ will ich wissen, „Was machst Du dann?“
„Dann schaue ich auf ihre Schuhe! Tangoschuhe? High Heels? Könnte was werden, einfache Tanzschuhe – hm, wahrscheinlich keine Tangotänzerin, flache Schuhe oder gar so Turnschuhe – nein! Die hat wahrscheinlich erst angefangen und kann noch keine Achse halten, ja und barfuß is‘ mir zu neo!“ M. lacht, aber ich befürchte, dass er es genau so meint.
„Das ist aber Deine Theorie, oder?“
„Nö, die meisten, die ich kenne, sind meiner Meinung!“
AHA! So ist das also, echt?
Zugegeben, ich finde Tangoschuhe wunderschön! Gerne würde ich auch die mit 9 cm Absatzhöhe tragen und damit über die Tanzfläche wirbeln. Geht aber nicht! Mehr als 7cm Absatzhöhe erlauben weder meine Füße noch meine Orthopädin.
Noch vernünftiger wären für mich Tanzschuhe mit ganz niedrigen Absätzen oder flache Schuhe.
Klar, sieht vielleicht nicht so schön aus – aber sagt das was über die Qualität meines Tanzes aus? Habe ich nicht schon ‚zig Tangoanfängerinnen in wunderschönen, hohen Tangoschühchen so durch die Gegend staksen und stolpern sehen, dass ich mir sehnlichst Stützräder für sie gewünscht habe? Und gibt es da nicht diese eine fantastische Tänzerin, die mit „Briketts“ unter den Füßen wundervoll und anmutig tanzt? Und eine meiner absolut achsensicheren Lehrerinnen unterrichtet und tanzt gelegentlich in Birkenstock.
Ich glaube also, dass M.s Theorie weniger mit Tanzqualität als mit persönlichem Ästhetikempfinden zu tun hat.
Ich verstehe,  dass man(n) High Heels sexy und chic finden kann und man(n) vielleicht lieber eine Dame mit entsprechendem Schuhwerk im Arm halten möchte – aber das hat nichts mit dem Können der Tänzerin zu tun.
Ein sicherer Indikator für gutes Tanzen ist die Schuhform sicher nicht.
Und was das Beobachten betrifft: Ja – auch ich schaue ganz gerne erst mal, wie jemand tanzt, um dann möglicherweise Schlüsse darüber zu ziehen, ob ich mit ihr oder ihm tanzen möchte. Gleichwohl habe ich aber auch schon erfahren dürfen, dass meine Einschätzung nicht immer richtig war.
Gut aufeinander eingespielte Paare sehen häufig super aus, können aber nach einem Partner*innentausch möglicherweise ein ganz anderes Bild abgeben.
Was nutzt einer/einem Führenden/Führenden eine hohes Maß an Musikalität, wenn die/der Folgende wenig Gespür dafür hat und den „musikalischen Fluss“ behindert? Oder wenn der Bewegung der/des Folgenden kaum „zugehört“ wird, keine Zeit gelassen wird, Bewegungen zu vollenden oder die Achse „zerschossen“ wird? Das alles sieht dann von außen eben nicht schön aus und wird wenig Begehrlichkeiten auf einen gemeinsamen Tanz wecken. Nicht immer ist zu erkennen, ob das Problem durch die Führung, das Folgen oder die nicht stimmenden „Chemie“ hervorgerufen wird.
Es lohnt sich also, eigene Erfahrungen zu machen und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen.

 

3 Kommentare zu „Zeig mir Deine Schuhe und ich sage Dir, wie Du tanzt!?!

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  1. Die Einschätzung einer Dame, die man noch nicht beim Tanzen bewundern konnte, beruht natürlich auf Vorurteilen.

    Andreas Beelmann, Psychologie-Professor an der Universität Jena, sagt : „Wir sind darauf ausgelegt, unsere soziale Welt zu kategorisieren. Das führt dazu, dass wir Menschen in Gruppen einteilen. Das beginnt schon sehr früh im Leben und das ist auch notwendig, um mit der Vielfalt der Welt zurechtzukommen. Es ist also keineswegs schlimm, ganz im Gegenteil.“

    In diesem Sinne gibt es Merkmale dafür dass eine Dame höchstwahrscheinlich keine (gute) Tänzerin ist, und es gibt für mich nicht nur die Schuhe als Ausschlusskriterium:

    * Handtasche oder Monkeybag
    * Jogginghose
    * Glitzermakeup
    * Federboa und Hütchen

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    1. In puncto „Handtasche oder Monkeybag“ meine ich selbstverständlich das ständige Umhängen – es hat bei so manchem Herren die Entsprechung im Tragen des Mobilfunktelefons am Gürtel (als Pistolenersatz) …

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      1. Hm… interessant 🙂
        Aber bei Deiner Liste lese ich eher persönliche Vorlieben heraus…
        Sicherlich sind Glitzer-Make-Up, Hütchen, Federn und Co. eher dazu geeignet , Führende zu „markieren“ und irritieren, aber auch hier sehe ich die Möglichkeit, dass die Dame tanzen kann… die Dinge lassen bei mir eher Vermutungen Richtung bestimmter Persönlichkeitsstrukturen aufkommen. Narzisstisch-histrionisch 😉 ?
        Zu den allseits beliebten Taschen: Ja, die Dinger können stören…man kann aber durchaus eine flache, tanzbare Gürteltasche finden – ich gestehe, dass ich mit sowas tanze, nämlich immer dann, wenn es bei Open-Air-Milongas oder Flashmobs keinen vertauenswürdigen Aufbewahrungsort für mein Hab und Gut gibt. Safety first.
        Auch ich habe Vourteile oder Annahmen im Kopf, über die potentielle Tanzqualität, wenn mich Jemand auffordert. Aber ich versuche offen zu bleiben, da diese Einschätzungen falsch sein können.
        In diesem Sinne, herzliche Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar.

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