Die Einäugigen

Akkurat geschminkt, adrett zurechtgemacht und hübsch frisiert kommen die Damen zur Milonga, doch dann passiert es: Manchmal scheinen sich Rouge und Augenbrauenstift im Gesicht der Herren einfach wohler zu fühlen. Manchmal lösen sich Lidschatten und Make-up beim Tanz auf mysteriöse Weise in Nichts auf. Die fiesesten Fälle sind die, bei denen Wimperntusche und Kajalstift große schwarze Flecken rund um die Augen der Damen zeichnen, bis diese aussehen, als hätten sie gerade eine kleine oder größere Schlägerei hinter sich.

Natürlich passiert all das nur einseitig. Die linke Seite des Gesichts bleibt tip-top in Ordnung, die rechte Seite verschwimmt mehr und mehr. Auf den Damentoiletten beginnt dann der Kampf gegen Windmühlen. Es wird eifrig nachgeschminkt, verzweifelt korrigiert und unablässig retuschiert. Manche Frauen entziehen sich der Misere: Während sie auf ihre Chance warten, sich vor dem umlagerten Spiegel an den Wasserhahn durchzukämpfen, preisen sie ihre wasserfeste Schminke oder ihr Permanent-Make-up. Wieder andere schauen sich das Schauspiel nur cool an und geben den klugen Rat, dass sie sich das mit dem Schminken beim Tango schon lange abgewöhnt haben. Ein paar ganz Mutige kommen zwar geschminkt, sparen sich aber das verzweifelte Nachbessern, frei nach dem Motto: „Wen ich in der ersten Stunde nicht mit meiner Kriegsbemalung ködern kann, den ködere ich auch später in der Nacht nicht mehr damit. Da bleibe ich lieber entspannt und einäugig.“

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