Ein Tango auf die Gesundheit

Tango ist kein Sport, genauso wie Yoga kein Sport ist, obwohl man für beides den Körper intensiv nutzt und auch trainieren muss. Beides sind Kulturtechniken – so könnte man es nennen -, Tango eher eine soziale, Yoga eine spirituelle. Genauso wie Yoga hat Tango positive Auswirkungen auf den Körper. Ich muss zugeben, dass ich das in meiner Tango-Anfangszeit unterschätzt habe. Vielleicht war ich diesbezüglich etwas überheblich, schließlich hatte ich schon fast zehn Jahre intensive Yogapraxis auf dem Buckel und machte auch sehr regelmäßig Sport. Was also sollte das bisschen Gehen und Drehen im Tango noch zusätzlich bringen? Doch ich habe mich getäuscht, der Tango hat körperlich und gesundheitlich gesehen tatsächlich enorme positive Effekte.

Das Auffälligste ist sicher die Haltung. Der Rücken wird aufrechter, die Schultern gehen zurück und nach unten, der Nacken wird lang, es entsteht die stolze Tangohaltung. Der Tango ist ein großartiges Gegenmittel gegen die runden Computer- und Schreibtisch-Rücken unserer Zeit. Noch dazu wird die Rückenmuskulatur gestärkt – und das auch noch nach zehn Jahren Yoga, ich konnte es kaum glauben.

Eine andere Sache ist die Balance. Wir stehen im Tango nicht nur permanent quasi auf einem Bein, wir machen auf diesem einen Beinen auch die verrücktesten Dinge: Wir drehen uns vorwärts oder rückwärts, schleudern das freie Bein durch die Gegend, stoppen oder beschleunigen plötzlich. Ein Jahr Tango tanzen und die Bäume oder Krieger 3 im Yoga sind ein Klacks.

Mein Körper ist – sogar ohne regelmäßige Dehnung – sehr flexibel. Früher knickte ich oft einfach mit dem Fuß um. Die Bänder waren ohnehin überdehnt, die Muskulatur an Fuß und Knöchel nicht stark genug. Da führte mein Tanzpartner einen einfachen Schritt, ich ging diesen auch, kam an und – zack – sackte ich aus unerfindlichen Gründen zur Seite weg. Warum? Umgeknickt. Autsch. Inzwischen passiert mir das kaum noch. Die Muskulatur im Fuß und am Knöchel ist durch das Tanzen viel stärker geworden und ich habe gelernt, meine Beinmuskeln besser als Unterstützung zu nutzen.

Diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen und je nach Körpertyp und Vorerfahrungen nimmt jede*r Tänzer*in bestimmt ganz individuelle positive Effekte des Tangos in seinem*ihrem Körper wahr. Natürlich kann es auch negative Auswirkungen geben, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

 

PS: Das soll nicht heißen, dass man zukünftig kein Yoga mehr praktizieren und stattdessen nur noch Tango tanzen soll – ich liebe Yoga noch immer. Ich will nur sagen, dass es faszinierend ist, wie exakt sich der Körper an bestimmte Aktivitäten anpasst und dass der Tango tatsächlich viele Effekte mitbringt, die mit anderen Aktivitäten nicht zwingend abgedeckt werden und die dem Körper gut tun.

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