Ein Wochenende lang nur tanzen

Es ist Freitag nachmittag, noch ein bis zwei Stunden Arbeit, dann ist Wochenende. In meinem Bauch kribbelt es, mein Herz hüpft, meine Stimmung hebt sich von Minute zu Minute. Für das Wochenende habe ich nur einen Plan: Tanzen, tanzen, tanzen – sonst nichts.
Drei Stunden später bin ich beim Tango-Marathon. Ich sehe bekannte und neue Gesichter, spüre vertraute und unbekannte Umarmungen, habe schöne, lustige und sinnliche, aber auch verkrampfte, lustlose und verstolperte Tänze, führe interessante und nette, aber auch zähe und sinnentleerte Gespräche. Gegen fünf Uhr morgens bin ich zuhause. Ich schlafe bis zum Mittag, dehne und strecke meinen durchtanzten Körper, stärke mich mit einem ausgiebigen Frühstück und mache ich mich auch schon wieder fertig für die Piste.
Der zweite Tag ist meist entspannter, so auch heute. Man kennt die anderen Teilnehmer, die Stimmung, die Location, die Atmosphäre, die Abläufe. Ich tanze bis morgens um sechs. Um sieben bin ich im Bett und noch immer so aufgekratzt, dass ich kaum schlafen kann. Trotzdem bleibe ich liegen bis zum Nachmittag. Als ich aufstehe, merke ich, dass die letzten beiden Nächte ihre Spuren hinterlassen haben. Ich bin müde, alles tut weh, mein Kreislauf kommt auch nach dem zweiten starken Kaffee nicht in Schwung. Auf dem Weg zum Marathon gehe ich fest davon aus, nur kurz zu bleiben. Ich bin sicher, dass ich meine Achse heute keine zwei Schritte lang halten kann und auch mein Reaktionsvermögen enorm langsam ist. Doch schon beim ersten Tanz merke ich, dass ich mich geirrt habe. Meine Bewegungen sind weich und entspannt wie selten, ich habe keine Erwartungen an meinen Tango, keine an meine Tanzpartner, keine an den Abend – vielleicht ist das der Schlüssel. Statt den geplanten ein bis zwei Stunden bleibe ich erneut bis ein Uhr nachts. Dann fahre ich erfüllt nachhause. Ziel erreicht: Ich hatte ein großartiges Tanzwochenende. Am nächsten Morgen um neun Uhr bin ich im Büro, meine Kollegin sagt: „Du siehst toll aus, was hast du am Wochenende gemacht?“

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