Tango tanzen lernen lernen – oder ein Hoch auf die Vielfalt

Bevor ich mich auf meine erste Milonga getraut habe, nahm ich eine lange Zeit Unterricht. In einer Schule und überwiegend bei denselben Lehrer*innen.

Nachdem ich endlich Mut gefasst hatte und, zumindest subjektiv, mein Können als Folgende passabel einstufte, besuchte ich ein internationales Tangofestival und gehe seitdem auf diverse Milongas.

Ich fand es bei meinem ersten Ausflug in „die freie Wildbahn“ wundervoll, den verschieden Paaren auf der Tanzfläche zuzuschauen. Aber ich stellte auch fest, dass es sehr unterschiedliche Tanzstile gab, die ich so bisher nicht gesehen hatte. Auch die Tänze, die ich an jenem Abend hatte, waren sehr verschieden.

Diese Vielfalt begeisterte und verunsicherte mich gleichermaßen.

Mir fiel auf, dass einige Paare wunderschön tanzten, nach einem Partner*innenwechsel jedoch ganz und gar nicht mehr so elegant und harmonisch mit ihren neuen Tanzpartner*innen aussahen.

Ebenso fragte ich mich, warum ich mit einigen Tänzern so gut und mit anderen gar nicht tanzen konnte, obwohl es sich durchaus um erfahrene Tänzer handelte.

Meine damalige Antwort: meine Schuld! Ich kann es halt noch nicht so gut!

Heute sehe ich das etwas anders. Ich war damals gar nicht so schlecht!

Nur: Heute weiß ich, dass jede*r ein bisschen anders führt und folgt, es auch unterschiedliche Stile gibt und die „Chemie“ manchmal besser oder weniger passt.

Mich machte das damals so neugierig, dass ich anfing auch andere Schulen und Workshops mit unterschiedlichen Lehrer*innen zu besuchen.

Ich lernte, dass es zwar eine gemeinsame Basis gibt, aber die Tanzstile, -techniken und Unterrichtsmethoden doch sehr unterschiedlich sein können.

Was mich anfangs verunsicherte, empfand ich nun als Bereicherung und stellte fest, dass ich auf Milongas immer mehr „verstand“, da ich „flexibler“ wurde.

Einen Vorteil bieten für mich Tangoschulen, in denen mehrere Lehrer*innen mit verschieden Ansätzen unterrichten und die Vielfalt nicht ablehnen, sondern schätzen.

Ich finde durchaus nicht jeden Stil schön und habe Vorlieben und Abneigungen. Aber ich begrüße, dass sich aus diesen verschiedenen Angeboten ein eigener Stil entwickeln kann und viele Lehrer*innen einen dabei unterstützen.

Gut klingen in meinem Ohren Aussagen von meinen Lehrer*innen wie: „Ja, das kannst Du auch so und so machen“, oder „Das ist dieser oder jener Stil, ich mache das aber so…probiere doch mal, was für Dich gut ist“…

Das schafft eine Atmosphäre, in der ich gerne bereit bin, mich auf Neues einzulassen, Altes mit Neuem zu kombinieren und zu experimentieren.

Schwierig hingegen erlebte ich rigide Ansagen, die im schlimmsten Fall noch die Benennung anderer Lehrer*innen beinhalteten, wie „So tanzt man da und dort, oder so tanzt die oder der, das kannst Du woanders machen. Wir tanzen das hier so!“. Solche Ansagen führten bei mir schon immer dazu dicht zu machen und das „andere“ Gelernte zu verteidigen.

Fazit: Es macht Spaß und Sinn, sich mehrere Schulen und Lehrer*innen anzuschauen. Lasst uns doch einfach, sowohl im Tango als auch im restlichen Leben, die Vielfalt feiern! Das heißt ja noch lange nicht, dass man alles mögen und tanzen muss.

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